Die 2. Auflage dieses Buches ist mit der ersten aus dem Jahr 2000 so gut wie identisch.
Neu sind lediglich der Titel, ein irreführendes Titelfoto, einige (modische) Überschriften sowie ein paar Textabschnitte im Vorwort und im Schlussteil.
Das Titelfoto suggeriert spannende praktische Aktivitäten - die Autoren schließen jedoch ausdrücklich die "Wirklichkeit der tatsächlich gelebten Praxis" aus ihrem Erkenntnisinteresse aus und befassen sich erneut ausschließlich mit der "Ideengeschichte der Erlebnispädagogik" (S. 8).
Die Aneinanderreihung einer Unmenge historischer Persönlichkeiten mit sehr, sehr vielen Zitaten schüchtert zunächst ein und erweckt den Eindruck großer Belesenheit, denn die zugehörigen Quellenangaben sind so gestaltet, als ob tatsächlich Originalquellen ausgewertet worden wären.
Ich habe Kapitel 2, das mit rund 155 Seiten etwa die Hälfte des Buches füllt, Seite für Seite genau überprüft. Dabei habe ich festgestellt, dass die historischen Zitate inklusive der dazu gehörigen bibliographischen Angaben und Seitenzahlen wörtlich aus einer einzigen Sekundärquelle abgeschrieben sind: Karl-Heinz Günthers "Geschichte der Erziehung", die in der ehemaligen DDR mehrere Auflagen erlebte. Die historischen Informationen zwischen den Zitaten sind ebenfalls z.T. aus verschiedenen Auflagen dieses Werks übernommen (ab und zu sogar richtig zitiert), wobei die ideologischen Formulierungen weitgehend durch politisch korrektere ersetzt wurden. Aktuelle Fachliteratur zur Geschichte der Pädagogik wurde nicht einbezogen. Selbst in den späteren Kapiteln zur aktuellen Situation reichen die Literaturangaben nicht über die Mitte der 90er-Jahre hinaus (mit Ausnahme von Verweisen auf drei eigene Veröffentlichungen am Ende).
In merkwürdigem Kontrast dazu stehen die hochtrabende Sprache und der überzogene (nicht eingelöste) Anspruch "theoretischer Systembildung" (z.B. S. 26, 303). Eine Ansammlung historischer Bruchstücke und Zitate ist keine Theorie! Darüber kann auch der inflationäre Gebrauch von Wortzusammensetzungen mit "-theoretisch" sowie von Modewörtern wie "Diskurs", "Semantik" oder "Identitätssignaturen" nicht hinwegtäuschen.
Alle Kapitel - außer dem oben beschriebenen zweiten - finden sich wortgleich bereits in der Habilitationsschrift von Torsten Fischer (z.T. auch schon in dessen Dissertation von 1992), ohne dass dies an irgendeiner Stelle vermerkt wäre. In gleicher Manier sind die letzten, nun neu eingefügten Abschnitte aus früheren Artikeln des Autors recycelt. Aus dieser Patchworkmethode resultiert ein wenig logischer Aufbau mit vielen Wiederholungen.
FAZIT: Eine peinliche Collage aus recycelten Kapiteln und Textbausteinen, abgeschriebenen Zitaten und diffusen Sprachgebilden im postmodernen Jargon.
1) Berlin: Volk und Wissen, z.B. 8. Auflage, 1967.
Eine ausführlichere Fassung meiner Rezension findet sich in: "Zeitschrift für Pädagogik", Heft 3, 2010, S. 438-440.