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Trotz der einfühlsamen, heute glücklicherweise üblichen Berücksichtigung der psychosozialen Komponente der Epilepsie liegt die überragende Stärke des Buches in der Therapiedarstellung. Kritisch und nie imperativ empfehlend, versetzt es selbst den gelangweilten Dauerrezeptierer in den Stand, sich auch nach Jahren noch einmal eingehend mit den vorhandenen Möglichkeiten zu befassen. Hinsichtlich der Detailschärfe übertrifft das Buch viele Standardwerke, wegen der Spezialisierung natürlich selbst Spitzenbücher wie den Berlit -- mit einer winzigen Abweichung: Die immer noch zentrale Rolle des Phenobarbitals in Deutschland ist in Österreich vergleichsweise gering ausgeprägt, die Ungenauigkeit bei der Gleichsetzung Barbexaclon = Phenobarbital ist der einzige nennenswerte Abstrich in einem bezüglich der Therapiebetrachtungen traumhaften Werk. Als positives Gegenbeispiel seien die Gesichtsfeldeinschränkungen durch Vigabatrin erwähnt, eine kaum länger als 15 Monate eindeutig belegte Schadwirkung, die in einer geradezu sensationellen Weise berücksichtigt wird. Während viele Ärzte diesbezüglich recht verunsichert sind, gibt dieser Band mit der geballten Kompetenz der namhaftesten österreichischen Schwerpunktklinik im Rücken hierzu Tipps, die man sonst nirgends findet.
Der Eindruck souveränen Beherrschens beliebiger Spezialstrecken ist allgegenwärtig, weshalb sich unaufmerksame Leser zu der Annahme verleitet sehen könnten, jede Epilepsie sei heute heilbar oder leicht in den unproblematischen Bereich täglichen Lebens zu drängen. Die Wissenschaftler bleiben sich aber stets treu, nie verfällt der Text in Euphorie oder Anmaßung. Der Leser profitiert vielfach, er erhält nicht irgendein Handbuch der Epilepsien, sondern den aktuellsten Ausdruck langjähriger Arbeit der exzellentesten Neurologen in unserem Nachbarland. Herzlichen Glückwunsch nach Wien! --Philipp-R. Schulz
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