Das von Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski herausgegebene und seit dem Jahr 2010 in der zweiten, aktualisierten Auflage verfügbare Handbuch Energiehandel aus dem Erich Schmidt Verlag ist ein wichtiges Lern- und Nachschlagewerk zum Energiehandel in Deutschland. Fast ausschließlich geht es dabei um den Handel mit Strom und Gas, wobei ein Schwerpunkt beim Stromhandel liegt. Nur am Rande beleuchtet werden der Handel mit Kohle und CO2-Emissionszertifikaten. Der Handel mit weiteren Energieträgern (z. B. Öl und Biomasse) wird nicht dargestellt.
Das 795 Seiten starke Werk behandelt sowohl den OTC-Handel mit Energiehandelspartnern als auch den Handel an der Energiebörse EEX. Ein zentrales Kapitel beschäftigt sich mit dem Risikomanagement. Hierzu werden sowohl auf- und ablauforganisatorische Aspekte als auch die verschiedenen Formen, Steuerungsmodelle und praktischen Prozesse des Risikomanagements erläutert. Ein leicht lesbar geschriebener fiktiver Tagesablauf des ehemaligen Stromhändlers und heutigen Portfoliomanagers Arthur Zahn im Anhang des Handbuches veranschaulicht sehr gut, welche Probleme beim Risikomanagement in der Praxis auftreten können. Der Leserin / dem Leser würde ich empfehlen, mit diesem Kapitel zu beginnen und sich dann die in diesem Beispiel nicht ausreichend verstandenen Begrifflichkeiten und Inhalte Schritt für Schritt in den entsprechenden Handbuchkapiteln zu erschließen. Ein Kapitel zu den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen schließt das Handbuch ab. Zum Nachschlagen sehr hilfreich sind auch das knappe Glossar und das ausführliche Stichwortverzeichnis am Ende des Buches.
Insgesamt ist das Buch sowohl vom Schreibstil als auch vom Inhalt her stark aus der juristischen Perspektive geschrieben. Zwar enthalten die Kapitel zum OTC-Handel und zum Handel an der EEX jeweils ein Kapitel, das die Handelsformen erläutert, und ein Kapitel zu den spezifischen rechtlichen Aspekten. Für ein Buch, das den Anspruch hat, den Energiehandel sowohl aus empirisch-ökonomischer als auch aus juristischer Perspektive zu behandeln, wären jedoch ergänzende Zahlen, Auswertungen, Rechenbeispiele und ökonomische Praxisbeispiele zur Veranschaulichung wünschenswert. Dann wäre auch die Basis geschaffen, um das Handbuch stärker hin zu einem Lehrbuch entwickeln zu können. Auch könnten die Passagen zur Regulierung des Energiehandels in zukünftigen Ausgaben erweitert und natürlich aktualisiert werden. Für verzichtbar halte ich im Übrigen die allgemeinen Passagen zur Geschichte von Handel und Großhandel, die eher in ein allgemeines Handelslehrbuch gehören.
Trotz dieser Kritikpunkte kann das Handbuch Energiehandel insgesamt als ein dieser Umfassendheit bislang nicht vorhandenes und daher zentrales Werk zum Handel mit Strom und Gas in Deutschland angesehen werden.