Dieses Handbuch Digitale Fotografie von Christian Haasz ist eines der Werke zum Thema, die man bedingungslos jedem empfehlen kann, der etwas mehr will als auf den Auslöser drücken und besticht durch ein überragendes Preis-/Leistungsverhältnis. Ich habe schon schlechtere Bücher zum Thema zu einem mehrfachen des Preises gelesen.
Haasz ist ein anerkannter Fachmann, der eine Reihe von Werken zu bestimmten DSLR-Modellen veröffentlich hat. Diese Sachkenntnis merkt man dem Buch an jeder Stelle an. Die Gliederung in fünf Kapitel ermöglicht dem Leser leicht, sich das Wissen, das ihn interessiert, anzueignen. So kann vom Kapitel über die Grundlagen der Fotografie wirklich jeder profitieren. Das Verständnis von Weißabgleich oder Fokussierung wie auch die Erläuterungen zum Bildrauschen sind für den Nutzer von Kompaktkameras genau so nützlich wie für den, der mit DSLR arbeitet. Vor allem werden die Informationen hier in ausreichender Tiefe geboten, um dem Leser ein wirkliches Verständnis des Sachverhalts zu ermöglichen.
Das zweite wesentliche Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen fotografischen Situationen, etwa der Tier-, Kinder-, Architektur- oder Makrofotografie und ermöglicht es, das Grundlagenwissen auf Praxissituationen anzuwenden.
Ein Kapitel zur Druckvorbereitung und grafischen Bildverarbeitung besticht durch seine Einfachheit und vor allem dadurch, dass Haasz das preisgünstige Photoimpact einsetzt und nicht wie die meisten Autoren Photoshop Elements oder gar Photoshop.
Zu danken ist dem Autor vor allem die Konzentration auf das wesentliche. Keine Ausführungen über die verschiedenen Kameramodelle, wie man sie bei der Konkurrenz häufig findet oder massenhaft Screenshots aus irgendwelchen Bildverarbeitungsprogrammen. Haasz legt den Schwerpunkt auf das, worauf es ankommt, den Fotografen und den Umgang mit der Kamera mit dem Ziel, möglichst gute Bilder zu machen und diese sinnvoll für den Druck aufzubereiten.
Sicher wird man mehr von diesem Buch profitieren, wenn man über eine Kamera mit zumindest manuellen Einstellmöglichkeiten verfügt, was hauptsächlich für einen bestimmten Hersteller spricht, aber Weißabgleich und Fokussierung lassen sich inzwischen auch mit den meisten Kompakten regeln und der ISO-Wert ist in der Regel auch manuell beeinflussbar.
Wer dieses Buch gelesen hat, dürfte aber in jedem Fall unabhängig von der Kamera mit ziemlicher Sicherheit zumindest bessere Bilder machen.
Ein paar kleine Schwächen seien nicht unerwähnt.
* Hauptschwäche ist der schlechte Index. Für wichtige Begriffe findet sich überhaupt kein Eintrag, für andere sogar eine ganze Reihe, allerdings ungewichtete. So sollte es üblich sein, wichtige Fundstellen fett hervorzuheben, was hier leider nicht der Fall ist. Wenn man zehn Einträge durchforstet, wovon neun nur periphere Bedeutung haben, verliert man hier schnell die Laune. Leider ist der Index auch inhaltlich nicht zuverlässig, so dass man beispielsweise für den Begriff Schärfentiefe eine Reihe Einträge findet, merkwürdigerweise aber ausgerechnet nicht die Seite, auf der der Begriff definiert ist.
* Der inhaltliche Aufbau folgt nicht unbedingt didaktischen Prinzipien. Die Gliederung lässt sich inhaltlich nur schwer nachzuvollziehen. Diese Schwäche wird aber durch die Einteilung in vier Hauptkapitel recht gut kaschiert.
* Für Anfänger fehlen Grundlageninformationen zur Technik der Fotografie, wie man sie etwa bei Tom Striewisch findet, dessen Lehrgang ja inzwischen kostenlos im Internet zu finden ist.
* Bei den Szenerien, die ausführlich beschrieben werden, fehlt die Porträtfotografie. Diese wird dann allerdings im folgenden Kapitel kurz gestreift.
* Ein paar Infos sind veraltet, was darauf hinweist, dass das Erscheinungsjahr 2008 nicht ganz aussagekräftig in Bezug auf
die Aktualität der Informationen ist.
* Begriffe werden teilweise verwendet, ohne dass sie erläutert werden. Für den Profi ist das kein Problem, aber dem Anfänger könnte es bisweilen gewisse Schwierigkeiten machen.