Das vorliegende Handbuch beschäftigt sich mit dem Thema Akzeleration, also mit Fragen zur frühen Einschulung, zum Überspringen von Klassen und zum Frühstudium. Das Buch wird besonders jenen Personenkreisen als Nachschlagewerk empfohlen, die sich mit Fragen zur schulischen Hochbegabtenförderung konfrontiert sehen, das sind Lehrpersonen, Eltern und VerantwortungsträgerInnen der Schulverwaltung.
Fünf Kapiteln informieren über die verschiedenen Formen dieser individuellen Fördermaß-nahme, über die diagnostischen Grundlagen zur Erkennung dieses Förderbedarfs, über dessen Realisierung und deren möglichen Probleme in der Grundschulzeit sowie in der Sekundarstufe I. In einem Thesenkatalog wird Akzeleration als die effektivste Methode der Hochbegabtenförderung positioniert. Der Anhang bietet umfangreiche Materialien und Hilfestellung zur Entscheidungsfindung sowie eine Übersicht über die herrschende Rechtsgrundlage zu Akzele-rationsmaßnahmen in allen Bundesländern Deutschlands. Das umfangreiche Literaturverzeichnis verdeutlicht, dass sich die Ausführungen sowohl auf neueste als auch auf ältere wissenschaftliche Erkenntnisse stützen.
Dieses Handbuch ist typisch für die Autorin, die bereits mehrere einschlägige Werke zu Enrichment und Akzeleration verfasst hat: der gewählte Themenbereich wird sachlich sehr detailliert und theoretisch fundiert dargestellt; Erzählungen und Schilderungen von hochbegabten Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen sind wie Vignetten zwischen die einzelnen Abschnitte eingestreut. So wird das vorher Gesagte lebendig und bietet den Leserinnen und Lesern Anknüpfungspunkte zu eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.
Ein solches Buchkonzept braucht zweierlei Expertisen, nämlich die wissenschaftliche und die praktische. Heinbokel verfügt über beide: sie kennt die Entwicklungsverläufe von hochbegabten Schülerinnen und Schülern aus ihrer jahrzehntelangen Unterrichtstätigkeit in verschiedenen Schultypen, sie kennt die Sorgen und Fragen der Eltern aus den schulischen Beratungsgesprächen, sie kennt die Vorbehalte von Lehrpersonen gegenüber Fördermaßnahmen für Hochbegabte, und sie kennt die Institution Schule in ihrer Schwerfälligkeit und Resilienz gegenüber der Ermöglichung von individueller Begabtenförderung. Dieses Erfahrungswissen verknüpft sie mit wissenschaftstheoretischen Erkenntnissen und schafft so die Grundlage für pädagogische Handlungsempfehlungen.
Ob ratsuchend, aus Interesse oder auf der Suche nach Informationen, wer zu diesem Buch greift, wird fündig.