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HandWerk [Gebundene Ausgabe]

Richard Sennett
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag; Auflage: 1 (10. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827000335
  • ISBN-13: 978-3827000330
  • Originaltitel: The Craftsman
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 156.874 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Richard Sennett
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Der amerikanische Soziologe Richard Sennett ist insofern ein Menschenwissenschaftler, als er den ganzen Reichtum menschlicher Lebens- und Ausdrucksformen in den Blick nimmt." (DIE ZEIT)

Kurzbeschreibung

Eine fulminante Kulturgeschichte unseres Verhältnisses zur materiellen Welt - ein ebenso überraschendes wie notwendiges Plädoyer, sich wieder auf die Welt der Dinge und der Arbeit einzulassen.Wenn Richard Sennett, einer der herausragenden Soziologen und Kulturphilosophen der Gegenwart, von Handwerk oder handwerklichem Können spricht, so meint er mehr als nur technische Praxis. Er beschreibt damit einen fundamentalen menschlichen Impuls, das Bestreben, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen gut zu machen. Auch ein Arzt, Erzieher, Künstler oder Linux-Programmierer kann - und sollte -"sein Handwerk verstehen". Indem er aus seinem stupenden interdisziplinären Wissen schöpft, zeigt Sennett auf, dass die Geschichte, insbesondere die Geistesgeschichte, eine markante Trennlinie zwischen Praxis und Theorie, Technik und Ausdruck, Macher und Nutzer gezogen hat. Unsere heutige Gesellschaft leidet noch immer unter diesem historischen Erbe, denn bei allem offenkundigen Materialismus haben wir paradoxerweise häufig ein gespaltenes Verhältnis zu den realen materiellen Dingen um uns herum. Die Frage, ob und wie wir uns dieser materiellen Wirklichkeit stellen wollen, besitzt für Sennett jedenfalls eine entscheidende ethische Relevanz. Richard Sennetts neues Buch ist eine fulminante und breit angelegte Kulturgeschichte, die anhand zahlreicher Beispiele - von der Werkstatt eines Antonio Stradivari bis zu den Forschungslabors moderner Wirtschaftskonzerne - unser Verhältnis zur Außenwelt klug und kritisch durchleuchtet. Handwerk ist ein eindrückliches Plädoyer dafür, sich wieder auf die Welt der Dinge einzulassen.

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bernhard Horwatitsch VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Der klumpfüßige Hephaistos - mit seinem Stolz auf die eigene Arbeit und auch auf sich selbst - ist die würdigste Gestalt, die wer werden können." Mit dieser Reminiszenz an den antiken Gott der Arbeit, endet Sennetts großartige Studie über das Handwerk. Von der mittelalterlichen Goldschmiedewerkstatt bis zum modernen Architekturbüro untersucht er dabei die Fertigkeiten des Menschen. Zu Beginn kritisiert er die seiner Ansicht nach zu schlichte Unterscheidung Hannah Arendts zwischen homo faber und Animal laborans, und bringt den homo ludens ins Spiel. Während Ludwig Wittgenstein in seinem Versuch das perfekte Haus zu bauen scheiterte, weil keine ökonomischen Widerstände vorhanden waren, und Wittgenstein der Obsession unterlag, gelang dem immer wieder spielerisch Grenzen überwindenden Alexander Loos das Kunststück, gute Architektur zu schaffen, ohne die Geldmittel zur Verfügung zu haben, die eigentlich nötig gewesen wären. Für Sennett wird so der spielerische Einsatz des Handwerkers und dessen Kreativität und Fehlerakzeptanz zur eigentlichen Leistung im Gegensatz zu einer rein technokratischen Auffassung, die nur in toter Materie endet. Sennett stellt fünf Grundforderungen an das "gute Handwerk": Einmal Verständnis für die Bedeutung der Skizze. Der gute Handwerker hat ein Bewußtsein dafür, am Anfang noch nicht genau zu wissen, worauf es hinausläuft. Der gute Handwerker soll - Sennetts Ansicht nach - auf Zufall und Beschränkung positiv reagieren können. Sennett warnt vor der Obsession und erläutert den richtigen Umgang mit dieser Leidenschaft. Der gute Handwerker vermeidet Perfektionismus und er weiß, wann es Zeit wird, aufzuhören. Dieses Buch ist ein Plädoyer für interdisziplinäres Denken, für Kreativität und weiche Hierarchien. Ein ausgesprochen lesbares und bereicherndes Buch, ein Buch das Mut macht, sich einzumischen, sich seiner eigenen Fähigkeiten bewußt zu werden. Irren ist menschlich, aber nicht nur das, Irren ist ein kreativer Faktor, ein wichtiges Element im Gelingen einer guten Arbeit. Der Zwangscharakter, den Arbeit manchmal hat, zerstört die Freude am eigenen Tun und demoralisiert unsere Disziplin. Und Sennett versäumt es nicht, auf die drohende Pandora der gefährlichen Arbeit hinzuweisen. Hier ist sein Lösungsansatz nicht wirklich überzeugend, aber vermutlich gibt es auch keine ultimative Lösung für dieses zweischneidige Blatt das Arbeit (Atomenergie vice versa Atombombe) in sich trägt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Buch von der Glocke 10. Februar 2010
Von Dr. Christian Donninger TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ist's ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.
F.Schiller, Das Lied von der Glocke.

Das Buch könnte man als Ausarbeitung dieses Schiller'schen Gedankens auf 400 Seiten betrachten. Sennett's eigener Ausgangspunkt ist die These seiner Lehrerin H.Arendt vom Menschen als Animal laborans und als homo faber. Wobei die stark vom Deutschen Idealismus beinflusste Arendt den Animal laborans - die direkte Arbeit - geringschätze.
"In dieser Studie habe ich versucht, Animal laborans vor der Verachtung zu retten, mit der Hannah Arendt es einst bedachte. Handwerkliche Fähigkeiten können das arbeitende menschliche Tier bereichern, der Geist handwerklichen Könnens kann ihm Würde verleihen".
Sennett unterscheidet sich nicht nur philosophisch, sondern auch sprachlich von seiner Lehrerin. Ihm ist das Hegeln und Heideggern fremd. Das Buch ist sehr schön und klar geschrieben. Auch die Deutsche Übersetzung macht einen gediegenen Eindruck.
Sennett fasst den Begriff Handwerk in einem sehr weiten Sinn. Bei ihm ist auch Geige spielen (seine persönliche Leidenschaft) oder Programmieren Handwerk. Ich bin selbst Programmierer und habe meine EDV-Firma "Nimzowerkstatt" genannt (Nimzo ist eine Referenz an den Schachspieler A.Nimzowitsch). Ich "spreche" mehr als ein Dutzend Programmiersprachen. Wenn ich eine neue Sprache lerne, tippe ich Beispielprogramme ab. In der Regel können meine Finger die neue Sprache früher als das Bewusstsein. Man kann nur wirklich gut programmieren, wenn die Programmierdetails vollkommen automatisiert sind und es - wenn man weiss was man will - von selber geht.
Insofern kann ich Sennett's Beschreibungen aus eigener Erfahrung direkt nachvollziehen und bestättigen.

In einem Punkt stimmen meine Erfahrungen mit Sennett's Thesen aber nicht überein. Laut Sennett hat jeder Mensch die Fähigkeit und auch das Bedürfnis etwas Gut zu tun, Stolz auf seine Fähigkeiten zu sein (siehe Schiller).
Ich arbeite seit Jahren mit Pakistani zusammen. Falls die dieses Bedürfnis ebenfalls haben, dann haben sie es bisher sehr erfolgreich verschleiert. Nach meinen Beobachtungen ist ihnen nur eines wichtig: "to please the boss". Und wenn der ahnungslose Boss den größten Unsinn will, dann machen sie ihm ohne mit der Wimper zu zucken diesen Blödsinn. Sie verstehen gar nicht was man meint, wenn man sie darauf anspricht. Schließlich war der Boss zufrieden und sie haben in ihrer Weltsicht Bestens gearbeitet. Wenn der Boss nix will, dann machen sie auch nix. Meine Vorschläge, man könnte doch dies und das noch verbessern, stossen auf Unverständnis. In ihrem Selbstverständnis kann jeder auch alles. Sennett geht von 10.000 Stunden aus die nötig sind, bis man in einem Gebiet gut ist. Für einen Pakistani reichen 10 bis maximal 100 Stunden. Diese Auffassung hat den Nachteil, dass alles relativ schleissig ist, sie hat aber auch den Vorteil einer wesentlich größeren Flexibilität beim Lösen von unverhergesehenen Problemen. Man muss nicht auf den Experten warten, jeder ist Experte und kann Hand anlegen.
Sennet geht von einer durch den "Geist des Protestantismus" (M.Weber) geprägten Kultur aus.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Richard Sennet Handwerk Berlin Verlag
ISBN 3827000335

Handwerk beobachtet im Verlaufe der langen evolutionären, biologischen und menschlichen Geschichte: eine Entwicklungs- und Sozialgeschichte von außergewöhnlicher Dimension.

Schon aus der Entwicklungsgeschichte von Kleinkindern wissen wir, dass die motorische Entwicklung mit der geistigen Entwicklung korrespondiert. D. h., wenn ein Kind sprachlich behindert oder entwicklungsverzögert ist, so ist die Behandlung einer motorischen Heilgymnastik das Mittel der Wahl, um die geistige Entwicklung zu fördern.

In seinem Buch 'Handwerk' zeichnet Sennet die philosophischen und gedanklichen Überlegungen zur Bedeutung des Handwerks im Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele auf.
Geist und Körper, Handwerk und Kultur gehen in eins.
Sennet bemüht Hannah Arendt und Heidegger, Adam und die Verführung durch Eva im Sündenfall und die griechische Götterwelt, um seine Anschauungen aus verschiedenen Richtungen anzugehen. Homers Hymne auf den Schutzgott der Handwerker, Hephaistos, steht zu Beginn eines Kapitels, in dem der Autor Hephaistos als modernen Gott sowohl für die Weber als auch für den Linux- Programmierer für zuständig erklärt. Hephaistos repräsentiert den Handwerker als Friedensstifter und Schöpfer der Zivilisation.
Nicht der Beginn der Zivilisation aber wird mit der Hymne gefeiert, denn die gab es schon lange zuvor. Das Nomadendasein der Menschen endete bereits, als der Mensch sich Handwerkzeug zunutze machen lernte. Das aber setzte Denkleistung und praktische Umsetzung voraus.
Sennet vermag ausgezeichnet, Beispiele aus dem Alltagsleben mit theoretischer Anschauung zu verbinden. Er ist ein Meister der praktischen Darstellung und der intellektuellen Verarbeitung seiner Erkenntnisse. Am Beispiel verschiedener Handwerke zeigt er die Möglichkeiten und Widerstände auf, die das Handwerk seinem Schöpfer bietet.
Dass Sennet in seinem Buch eine Kulturgeschichte des Handwerks entworfen hat, ist sein Verdienst,---- und ohne Zivilisationskritik ist diese Bilanz nicht möglich. Von der Arbeit in Konkurrenz und der Arbeit als Freude, von ihrer Bedeutung als Identitätsstiftung bis zu ihrer Verfremdung und Entartung hin zu Banalität des Bösen, nachzulesen bei Hannah Arendt, lässt Sennet nichts ungesagt. Für die Gefahren durch menschlichen Forscherdrang steht die Büchse der Pandora. Sie besiegelt die gefährlichen Risiken, die dem Menschen aus den Möglichkeiten seines Schaffens erwachsen können, wenn erst einmal erkannt ist, dass das, was möglich ist, auch machbar ist und zur Zerstörung werden kann.
Die Zusammenhänge zwischen Hand - Werk und Zivilisation, zwischen Arbeit, Krieg und Frieden sind erstaunlich.
Zur Ergänzung der Erkenntnisse über das Thema Handwerk sind Schriften wie die von Dawkins und Jared Diamond zu empfehlen.

Fundiert, leidenschaftlich und durchdrungen von seinem Wissen liest sich das Buch wie alle Werke Sennets gut und eingängig. Für den interessierten Leser bietet das Buch eine Zusammenführung von Wissen und Erkenntnissen über die alte und die moderne Welt und ihre Lebensbedingungen, über ihre Gefahren und ihre Chancen. Sein Plädoyer gilt der Vereinigung von Handwerk und Geist.

Richard Sennet ist ein bekannter amerikanischer Soziologe und Kulturhistoriker, der schon u.a. mit seinem Buch < Verfall und Ende des öffentlichen Lebens > ' kulturanthropologische Betrachtungen von eindringlicher Kraft aufgewiesen hat. Wie fast alle Wissenschaftsautoren amerikanischer Herkunft beherrscht er die Fähigkeit, schwierige Texte anschaulich und eindeutig zu vermitteln. Dass Wissenschaft faszinierend sein kann, das beweist Sennet mit diesem Buch einmal mehr. Es macht Lust auf Wissen, stimmt neugierig und bereichert den Leser um viele einschlägige Erkenntnisse.
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