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Hand an sich legen: Diskurs über den Freitod
 
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Hand an sich legen: Diskurs über den Freitod [Gebundene Ausgabe]

Jean Amery
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Hand an sich legen
OA 1976 Form Essay Epoche Moderne
In seinem »Diskurs über den Freitod«, so der Untertitel des Essays, wählte Jean Améry einen zutiefst existenzialistischen, von allen wissenschaftlichen Forschungen zu diesem Thema sich unterscheidenden Zugang. Bereits die explizite Zurückweisung der Bezeichnung »Selbstmord« unterstreicht, dass der Autor alle Ansätze der sog. Suizidologie für völlig ungeeignet hält, diese Situation einer letzten, persönlichsten Freiheit zu erfassen. Letztlich ist seine Arbeit über den Freitod thematisch wie auch biografisch »logischer« Schlussstein eines nur dieser Freiheit verpflichteten Denkens und Lebens.
Inhalt: Zu Beginn des Essays beschreibt Améry die Standpunkte der Wissenschaften zum Freitod, um diese anschließend mit Gegenargumenten zu widerlegen. Seine Eingangsthese lautet, dass Psychologen, Psychiater, Soziologen und Seelsorger den Hang zum Selbstmord als zu behandelnde Krankheit begreifen und als einen subversiven, gegen die Gesellschaft gerichteten Akt. Wissenschaftler suchen nach Gründen für die Ablehnung und Aufgabe der als normal unterstellten Haltung der Lebensbejahung und entwickeln Therapien als kurative Maßnahmen. Améry weist diese Haltung vehement zurück, da sie, wie alle Suizidologie, den Freitod nur im Kontext allgemeingültiger Logik des Lebens beurteilt, statt nach einer davon unabhängig existierenden individuellen Auffassung. Im Grunde müsse jede Art von Logik bei dem Versuch scheitern, die Gefühlswelt desjenigen zu erfassen, der sich für den Freitod entscheidet, weil sich jeder potenzielle Selbstmörder in einer absurden und paradoxen seelischen Verfassung befindet.
Améry begreift den Freitod als einen langen Prozess des »Sich-Hinneigens« und seelischen Annäherns an ein Ende des Lebens und führt den Leser in eindringlicher Sprache an die Würde dieser definitiven Haltung heran. Tief empfundener Lebensüberdruss und Ekel vor dem Leben bilden für den Verfasser die Voraussetzung für die Zurückweisung des Lebens. Deshalb ist für den Autor der Freitod letztendlich ein Privileg des Humanen.
Wirkung: Hand an sich legen ist seit seiner Veröffentlichung ein äußerst umstrittenes Buch. Dabei will es durchaus keine allgemeingültige positive Darstellung des Freitods geben noch beweisen, dass die Wirklichkeit generell unerträglich ist. Der Autor wollte seine Ausführungen als Äußerung verstanden wissen. Die einzigartige Stellung des Werks beruht auf der Tatsache, dass es wie kein anderes den Entschluss zum Freitod tabulos, souverän und detailliert begründet. C. S.

Kurzbeschreibung

"Über das Verhältnis zwischen dem jahrhundertelang tabuisierten Selbstmord und dem im Vollbesitz der intellektuellen und seelischen Kräfte geplanten und durchgeführten Freitod hat wohl niemand Wesentlicheres gesagt als Jean Améry." Geno Hartlaub

Autorenporträt

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Améry, Jean (eigtl.Hans Mayer) österreich.Schriftsteller und Publizist * 31.10.1912 Wien, † 17.10.1978 Salzburg Hand an sich legen, 1976 In seinem Werk beschreibt Jean Améry Grenzsituationen des menschlichen Daseins und Denkens. Insbesondere durch die Philosophie von Jean-Paul R Sartre beeinflusst, thematisiert er in seinen gesellschaftskritischen Essays sowohl Probleme der Gegenwart als auch existenzielle Fragen und bezieht dabei eine kämpferische und zugleich aufklärerische Position, so z.B. in Über das Altern (1968). Der aus einer jüdischen Familie stammende Améry studierte Literaturgeschichte und Philosophie in Wien. 1938 emigrierte er nach Belgien. Als Mitglied der Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzungsmacht war er nach seiner Verhaftung 1943 bis 1945 in mehreren Konzentrationslagern interniert und lebte nach Kriegsende als freier Schriftsteller in Brüssel. 1978 nahm er sich in einem Salzburger Hotel mit Tabletten das Leben. Améry verfasste autobiografische Schriften (u.a. Jenseits von Schuld und Sühne, 1966) und einen Roman-Essay (Lefeu oder Der Abbruch, 1974). Freiheit wird bei Améry denkbar radikal gefasst: Die menschliche Existenz ist absolute Freiheit, metaphysisch heimatlos und zu nichts verpflichtet oder gezwungen, da sie als das Eigenste begriffen wird. Diese Freiheit umfasst auch die Möglichkeit, den Zeitpunkt des eigenen Todes zu bestimmen.
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