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Hammerstein oder Der Eigensinn: Eine deutsche Geschichte (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Hammerstein oder Der Eigensinn: Eine deutsche Geschichte (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Hans Magnus Enzensberger
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 378 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (22. Juni 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518460951
  • ISBN-13: 978-3518460955
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Hans Magnus Enzensberger
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein großes Werk über die verhängnisvollste Periode der deutschen Geschichte und über die herausragende Gestalt eines Mannes, dessen Biographie bislang nicht geschrieben wurde. Hans Magnus Enzensberger hat die Geschichte des Generals Kurt von Hammerstein aus allen erreichbaren Quellen recherchiert und entfaltet sie in einem Genre, das er beherrscht wie kein zweiter: in der literarischen Biographie. Kurt von Hammerstein war Chef der Reichswehr, ein Grandseigneur, ein unerschütterlicher Gegner des Nationalsozialismus, ein unbestechlicher Zeuge des Untergangs seiner Klasse, des deutschen Militäradels. Seinen Abschied nahm er, nachdem Hitler seine Weltkriegspläne 1933 in einer Geheimrede offengelegt hatte. Aber es geht auch um die Lebensläufe seiner Frau und seiner sieben Kinder: gezeichnet von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, von Verrat, Widerstand, Spionage und Sippenhaft. Und nicht zuletzt geraten jene Personen ins Fadenkreuz, die zu einem gefährlichen Doppelleben gezwungen waren: vom letzten Reichskanzler der Weimarer Republik über die Agenten der KPD bis zu jener Drogistin, die in Kreuzberg Deserteure und Juden versteckte. Hammerstein ist nach Der kurze Sommer der Anarchie und Requiem für eine romantische Frau Enzensbergers dritte literarische Biographie, in der die Selbstbehauptung des Einzelnen gegenüber kollektiven und autoritären Zumutungen im Zentrum steht. Für dieses Buch hat der Autor die Archive von Moskau bis Berlin, von München bis Toronto befragt. Doch behält für ihn das Dokument nicht das letzte Wort. In einem vielfältigen Werk verbindet sich erneut die Recherche mit der Freiheit des Autors, sich der historischen Wirklichkeit auch über Fiktionen zu nähern.

Über den Autor

Hans Magnus Enzensberger, geb. 1929 in Kaufbeuren, lebt in München. 1963 erhielt Hans Magnus Enzensberger den Georg-Büchner-Preis.

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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Schweigen der Hammersteins 27. September 2008
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Audio CD
Im Januar 2008 legte Hans Magnus Enzensberger sein wohl umstrittenstes Buch vor: "Hammerstein oder der Eigensinn". Es ist die Lebensgeschichte eines klugen, weder autoritäts-, noch obrigkeitsversessenen, aber auch eigensinnigen Charakters und dessen Familie: des aus altem westfälischem Adel stammenden, heutzutage kaum mehr bekannten Kurt von Hammerstein-Equord, General der Reichswehr (1878-1943).

Als Adolf Hitler 1933 bei einer Zusammenkunft in Hammersteins Haus seine Weltkriegspläne enthüllte, entschied sich der Chef der Heeresleitung gegen einen Militärputsch und quittierte seinen Dienst. Hammersteins Töchter und Söhne wählten jedoch den aktiven Widerstand, die Mädchen hauptsächlich im kommunistischen Untergrund. Helga zum Beispiel war mit Leo Roth liiert, einem Spitzenagenten des illegalen M-Apparats der KPD und sie spionierte auch selbst. Die Motorrad fahrende Maria Therese heiratete einen Halbjuden und führte ein abenteuerliches Exilleben, unter anderem in einem Kibbuz. Marie Luise, die Älteste, ging nach dem Krieg sogar in die DDR, wurde SED-Mitglied und Anwältin, gerüchteweise sogar KGB-Agentin.
Ludwig und Kunrat - die Söhne - wiederum gehörten zu den direkt Involvierten des Hitlerattentats am 20. Juli 1944.

Enzensberger - fasziniert von diesem klugen, aber auch streitbaren Kopf - konstruiert ihn als tragendes, den Stoff zusammenhaltendes Grundgerüst in seine Geschichte und legt die Handlung um ihn herum an. Sich diesem Mann, der die ganze deutsche Geschichte in ihrer Breite, Vielfältigkeit, ihren Nuancen und ihren Widersprüchen darstellt, zu nähern, war für Enzensberger nicht leicht, gab es bisher doch keine gründliche Publikation über ihn.
Die noch lebenden Familienmitglieder bezweifelten, dass sich diese Geschichte überhaupt von einem Außenstehenden darstellen lässt, nicht zuletzt, weil es von Versionen und Widersprüchen wimmelt. Hinzu kommt der "Erlebnisabgrund" des Erzählenden gegenüber den Leuten, die damals gelebt haben.

Doch der Autor hat den schwierigen Spagat großartig geschafft. Er bedient sich einer alten literarischen Technik - dem fiktiven Totengespräch, der posthumen Erzählung. Enzensberger zitiert aus Akten und widersprüchlichen Zeugenberichten, er unterhält sich mit den Toten, integriert Meinungen von Zeitgenossen und greift erklärend ein, wo es geboten scheint: eine präzis-kühle, aber spannende Collage aus vielfältigen Auffassungen und Tatsachen.

Dies wiederum scheint geradezu prädestiniert für die gewählte Hörspielfassung zu sein, die mit achtzehn hervorragenden Sprechern besetzt wurde - unter ihnen solch großartige Schauspieler wie Gisela May, Dietmar Mues oder aber Hans-Michael Rehberg, der den General persönlich intoniert. Für die Rolle des Autors, des Interviewenden, zeichnet sich Friedhelm Ptok mit seiner markanten und charismatischen Stimme besonders aus. Er fungiert hierbei als überaus beeindruckender und souveräner Gesprächsführer, der die Fäden während der ganzen Zeit unfehlbar und eigenständig in der Hand behält und seine stimmlichen Fertigkeiten in den Dienst des Textes stellt, dessen Substanz er erkenntnisklar zum Vorschein bringt.

Und so ist eine äußerst wertvolle Hörspielproduktion entstanden, die eine streitbare Familie beleuchtet. Der Zweifel jedoch bleibt bestehen, ob die Nachgeborenen über genügend Vorstellungskraft verfügen, um dem, was vor vielen Jahrzehnten geschah, gerecht zu werden. "Wie dem auch sei, jedenfalls herrscht bei den Hammersteins ein Schweigen besonderer Art. Wer in Zeiten der Diktatur lernen musste, dass es gefährlich sein kann, alles zu äußern, was einem durch den Kopf geht, dem mag ein solches Training zur zweiten Natur werden und er wird nicht leicht davon ablassen.", intoniert Friedhelm Ptok am Ende der Produktion. "Es bleibt ein ungesagter Rest, den keine Biografie auflösen kann. Und vielleicht ist es dieser Rest, auf den es ankommt."
Besonders angenehm ist hervorzuheben, dass Hans Magnus Enzensberger nicht urteilt, sondern eine unverbindliche Distanz zu seinen Figuren hält.

Als harmonisches Bindeglied fungieren sparsame Musikeinspielungen. Ein Booklet mit den wichtigsten Daten Kurt und Maria von Hammersteins sowie deren sieben Kindern und ein Stammbaum der Familie ergänzen das eindrucksvolle Hörspiel.

Fazit:
Enzensberger hat ein ungemein spannendes Buch vorgelegt, welches anhand von Biografien der Familie von Hammerstein ein Zeitalter der Extreme in komprimierter, verdichteter Form analysiert und so ein facettenreiches Bild über eine nicht einfach zu beurteilende Persönlichkeit und deren Familie entstehen lässt.
Die Umsetzung als Hörspiel ist großartig gelungen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Authentizität als Agentenkrimi 17. September 2009
Von Dr. M.
Format:Taschenbuch
Zu den größten deutschen Untugenden gehört zweifelsohne die Rechthaber- und Besserwisserei. Einer, der es wissen muss, weil er selbst oft Recht zu haben glaubte, hält den Deutschen nun mit diesem Buch einen Spiegel, einen historischen Spiegel, vor. Hans Magnus Enzensberger, der während der 68-er-Unruhen im Suhrkamp-"Kursbuch" Mao-Gedichte veröffentlichte, nur weil Mao Kommunist war und Kommunismus und Rechtgläubigkeit damals bei der bundesdeutschen intellektuellen Elite so ziemlich dasselbe waren, widmet ein Buch dem einstigen Chef der Heeresleitung Kurt von Hammerstein (1878-1943), Wehrmachts-General, Freund Kurt von Schleichers und Musterbild preußisch-konservativer, deutschnationaler Gesinnung. Solche Attribute reichen oft heute noch und hätten Enzensberger anno 1968 vielleicht auch genügt, um demjenigen, zu dem sie gehören, das Stigma faschistoid anzuheften.

Es dürfte Enzensberger auch jetzt gar nicht so sehr darum gegangen sein, deutschnationale Gesinnungen oder gar die ganze Wehrmacht (man denke an die Debatte um die Ausstellung von J. P. Reemtsma) zu rehabilitieren, indem er nüchtern konstatiert, dass Nationalbewusstsein und Nationalsozialismus nun mal nicht austauschbare Begriffe sind. Mehr scheint ihn bedrückt zu haben, dass bei vielen Rechthaber-Deutschen bis heute kein Raum ist für die gedankliche Verknüpfung der Begriffe Integrität und Reichswehrgeneral zur Zeit der Machtergreifung, weil "die Davongekommenen häufig glauben, sie wüßten es besser als jene, die in einem permanenten Ausnahmezustand lebten und dabei ihre Haut riskiert haben", so der Autor im vorletzten Absatz seines Buches. Dabei gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass es bei vielen von denen, die sich heute so sicher sind, dass sie in der Nazi-Zeit auf der richtigen Seite gestanden hätten, nicht einmal zu Hammerstein'scher Prinzipientreue und Konsequenz gereicht hätte, um so nach den Gesetzen reiner Logik schließlich im Lager der Attentäter vom 20. Juli zu landen. Diesen Tag hat Hammerstein selbst zwar wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr erlebt; seine Familie geriet wegen des Attentats jedoch in höchste Not und Enzensberger lässt keinen Zweifel daran, dass Hitler einen so gefährlichen Gegner wie den Generaloberst a. D. nach dem Attentatsversuch hätte liquidieren lassen.
Der Gedanke an einen Militärputsch spielte offenbar schon früh eine Rolle in den Überlegungen des Armeechefs, nachdem Hitler in dessen Dienstwohnung am 3. Februar 1933 bei einer geheimen Unterredung mit der militärischen Führung des Deutschen Reiches bereits all seine wahnwitzigen Kriegs- und Eroberungspläne offenbart hatte. 1934, nach der Nacht der langen Messer, Hammerstein ist bereits seit einem halben Jahr abgelöst, aber immer noch einflussreich, verstrich der letzte günstige Zeitpunkt ungenutzt. Wahr ist aber auch, was Hammerstein davon abhielt: dass Hitlers Popularität und die Macht der SS schon 1934 so immens waren, dass ein Reichswehrputsch einen blutigen Bürgerkrieg nach sich gezogen hätte und ohne die Unterstützung Hindenburgs nichts zu wollen war.

Über weite Strecken gleicht Enzensbergers synoptische Materialsammlung einem Agentenkrimi: Zwei Töchter des Generals arbeiten über KPD und Komintern mit dem Nachrichtendienst der Roten Armee zusammen. Ein Protokoll der Sitzung vom 3. Februar landet in Moskau. Hammerstein selbst gilt als Russenfreund seit der geheimen deutsch-russischen Militär-Kooperation in den zwanziger Jahren. Die meisten seiner sieben Kinder sind später im Widerstand aktiv. Die Familie gerät nach der Verschwörung vom 20. Juli in Sippenhaft und wird Teil einer Gruppe von Geiseln, mit denen Himmler sich bei den Alliierten freikaufen will, während Sohn Ludwig, der als unmittelbar Beteiligter an dem Umsturzversuch auf abenteuerliche Weise aus dem ihm vertrauten Bendlerblock fliehen kann, untertaucht und ebenso wie sein Bruder Kunrat dem mörderischen Zugriff der Gestapo entgeht. Die für die Sowjets spionierenden Töchter mussten indes bereits zuvor zusehen, wie viele ihrer treuesten Genossen Stalins Paranoia zum Opfer fielen.

Enzensbergers akribische Anekdoten- und Datensammlung und die Art und Weise, wie er sie zu einer fesselnden Familienchronik verdichtet hat: glänzend, gerade weil der Verfasser stellenweise unkonventionelle Wege (namentlich durch die fiktiven posthumen Gespräche) beschreitet. Zu Recht moniert der eine oder andere Leser, dass die Anordnung der einzelnen biografischen Episoden und die Intensität, mit der der weitere Weg einer darin vorkommenden Figur verfolgt wird, für gelegentliche Verwirrung sorgt. Mal folgt Enzensberger der Chronologie der Ereignisse, mal über längere Zeiträume dem Einzelschicksal einer Person, die zudem häufig nur am Rande der eigentlichen Familiengeschichte steht. Eine Zeittafel hätte hier mehr Orientierung schaffen können. Und was übrigens auch nicht einleuchtet, ist das sture Festhalten von Autor und Verlag an der alten Rechtschreibung - auch das, passend zum Titel des Buches, eine Form von Eigensinn, die man einem so guten Buch aber wohl verzeihen muss.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Claudia
Format:Taschenbuch
Das Werk "Hammerstein oder der Eigensinn" wurde von einem Schriftsteller geschrieben, der als Solcher nicht das primäre Ziel hat, eine wissenschaftliche Abhandlung zu entwerfen, sondern sein Werk literarisch zu inszenieren. Gerade die teils verwirrende Struktur verweist auf die ebenso vielschichtige und nicht eindeutig definierbare Realität der damaligen Zeit hin. Wer ein korrekte, lineare Darstellung zu dem Thema lesen möchte, sollte sich an den Historiker halten.
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Eigensinniger Langweiler...
General Kurt von Hammerstein-Equord war gegen Ende der Weimarer Republik ganz oben in der Reichswehr-Hierarchie. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von B. Gutleben veröffentlicht
Menschlich interessant - Historisch ohne Nachhall
Kurt von Hammerstein (H) war oberster General der deutschen Armee bis zur Geheimrede Hitlers im Februar 1933, in welcher dieser unmißverständlich klarstellte, daß... Lesen Sie weiter...
Vor 9 Monaten von tim4812 veröffentlicht
Hans Magnus Enzensberger, Hammerstein, oder: Der Eigensinn
Eine hervorragende zeitgeschichtliche Biografie (oder besser ein Historischer Roman?) der Zeit des "kurzen" 20. Lesen Sie weiter...
Vor 18 Monaten von Dietrich von Graevenitz veröffentlicht
Schwer zu beurteilen
Die vorherigen Rezensenten haben eigentlich schon fast alles gesagt, was man zu diesem Buch sagen kann und deshalb will ich mich auch nicht länger über Enzensberger oder... Lesen Sie weiter...
Vor 22 Monaten von Jana Khan veröffentlicht
Hammerstein
Es fällt mir schwer, "Hammerstein" einem bestimmten Genre zuzuordnen. Auf dem ersten Blick scheint den Leser eine Biographie des nazikritischen und nie mit seiner Meinung... Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von Jens Neumann veröffentlicht
Ein sympathisches Werk - mit Verzettelungen
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Veröffentlicht am 9. Januar 2010 von Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein
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