Led Zeppelin sind mehr als nur Stairway to heaven und Whole Lotta Love. Und obwohl die vier Briten Page, Plant, Jones und Bonham durch die Qualität ihrer zeitlose Hartrockmusik berühmt wurden, sind auch die vielen Anekdoten voller Sex, Drogen und Schwarzer Magie, die Stephen Davis auf 392 Seiten in Hammer of the Gods äußerst packend schildert, genau so spannend und unterhaltsam wie Led Zeppelins Musik!
Die Neuauflage des Buchs von 1997 schildert die Geschichte von Led Zeppelin von der Geburt Jimmy Pages bis zum Jahr 1997.
Inzwischen ist Hammer of the Gods auch in deutscher Übersetzung erhältlich.
16 Seiten mit Schwarz-Weiß-Fotos, Bibliographie, Discographie und Index runden das Buch ansprechend ab.
Der Autor durfte in den Siebzigern an Bord des Band-Jets hautnah seine Helden begleiten. Das Buch wirkt gewissenhaft recherchiert, Davis bewahrt trotz offensichtlicher Verehrung der Band kritische, journalistische Distanz. Ein Zitat zu Beginn des Buchs von Sänger Robert Plant lobt Hammer of the Gods dafür, dass es Led Zeppelin gut aussehen lässt. Trotzdem wirken die endlosen Orgien der 70er, besonders während der Touren in den USA, reichlich dekadent und desillusionierend und spätestens nach dem Tod von Schlagzeuger John Bonzo" Bonham erhält die Story von Led Zeppelin eine melancholische Note. So viel und doch so wenig erlebt und erreicht. Zu viele Exzesse und statt neuer musikalischer Meilensteine immer mehr Stress, Frust und Rückschläge. Statt unbeschwerter Parties mit etwas Rausch, am Ende Paranoia, Suff bis zur Besinnungslosigkeit und fatale, einsame Abhängigkeit von harten Drogen.
Das sich die überlebenden Drei in den Jahren nach ihrer Ausnahmekarriere in der Überband der Siebziger von den Drogen und Exzessen befreien und inzwischen nur noch durch ihre Musik glänzen, wie zuletzt Robert Plant bei den Grammy Awards, wird wohl in einer Neuauflage von Hammer of the Gods zu einem versöhnlicheren Abschluss der Led Zeppelin Saga führen.
Wichtig zum Verständnis des ganzen Sex, Drugs und Rock and Roll Circus ist der Hinweis der Musiker, dass die Medien gerne die Auswüchse in den Vordergrund stellen und die vielen, vielen Tage auf Tour verschweigen, in denen keine Hotelzimmer verwüstet und statt Rausch und Orgien, Langeweile und Heimweh dominieren. Trotz aller Legendenbildung waren die vier Briten eben doch hauptsächlich talentierte Berufsmusiker, die ihrer Arbeit nachgingen. Zu recht wird die Frage gestellt, ob nicht die Fans die seltsameren Leben führen, wenn sie stundenlang im Regen warten nur um einen ganz kurzen Blick auf ihre Idole zu erhaschen.
Etwas mehr über die Musik hätte Stephen Davis schreiben können und Interviews mit Fans und Konzertbesuchern sowie Auswertungen von Bootlegs in sein Buch einarbeiten können, so wie etwa Johnny Rogan in seiner brillanten Neil Young Biographie: Sixty to zero.
Hammer of the Gods ist dennoch ein enorm gelungen und spannendes Buch. Zu lesen wie ein Mann aus dem Publikum vom wütenden Manager hinter die Bühne gezerrt und sein Aufnahmegerät zertrümmert wird, damit nicht noch ein weiteres Bootleg die Band um ihre Einnahmen bringt, und sich dann herausstellt, dass es sich um einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes handelte, der nur den Lärm messen wollte, ist ein Brüller! Erstaunlich ist im Nachhinein auch wie feindselig und abweisend die Medien damals auf Led Zeppelin reagiert hat. Von den Fans verehrt, von der Presse als dumpfe Krawallband abgetan, deren Musiker wenig talentiert seien und hauptsächlich die Ideen amerikanischer Bluesmusiker kopiert hätten.
Hammer of the Gods zeigt das ganze Bild, das gemeinhin von Rockstars gezeichnet wird. Und mehr.