Gut, dass ich allein war, als ich das Buch gelesen habe. Ich musste nämlich unwillkürlich immer wieder - mal leise, mal laut - sagen, brüllen, kreischen: Ja, danke, genau so gehts mir auch!
Markus Kavka hat es drauf: die Alltagsbeobachtungen, das Rüberbringen der eigenen Gedanken, das Zusammenfassen einer Teil-Generation, der - wie er sie nennt - kidults.
JA! Man fühlt sich verstanden (und auch ein bisschen getröstet), wenn Kavka schreibt, dass er ebensowenig einen Masterplan für das eigene Leben hat wie vermutlich etliche Zigtausend andere. Dass es eben nicht der Schlüssel zum Glück (und der Sinn des Lebens) sein kann, mit Mitte zwanzig verheiratet, bekindert und sesshaft zu sein. Dass es vielmehr auch spannend sein kann, eben gerade nicht zu wissen, was übermorgen kommt ("Solange morgen so lustig wird wie gestern").
Aber tatsächlich ist es nicht nur so, dass der "Opa des Jugendfernsehen" wie ein lustiger Onkel ironisch-sarkastisch über alle herzieht, die ein beständiges Familienleben führen. Nein, auch die melancholischen Untertöne sind nicht zu übersehen. So rutschte mir doch glatt ein Tränchen in den Augenwinkel, als ich so gut nachempfinden konnte, wie das ist, wenn die eigenen Eltern plötzlich alt werden. Wie das ist, wenn da auf dem Nachttischchen Tablettenpackungen liegen, die da vor Jahren, als man selbst noch Teil des Haushalts war, noch nicht waren. Wie es ist, wenn man seine Eltern plötzlich nur noch ein paar Male im Jahr kurz sieht und feststellen muss, dass diese Altersflecken und die grauen Haare sich verdoppelt haben.
Danke für diesen Seelenbalsam mit Zwinkeraugen, der deutlich suggeriert: es ist okay, nicht erwachsen werden zu wollen. Es ist absolut okay, auch jenseits der Ende zwanzig noch das Gefühl zu haben, ganz am Anfang des Lebens zu stehen. Und okay ist es auch, Angst zu haben vor dem, was da noch kommt.
Ganz großes Kino!