|
Produktinformation
|
Vergessen Sie die Tatsache, dass das unsterbliche Nachsinnen über den Selbstmord in die Gänge eines Blockbuster-Videoverleihs verlegt wurde, und achten Sie stattdessen darauf, wie Ethan Hawkes mit seiner eigenen unreifen, jugendlichen Arroganz Hamlets Unschlüssigkeit glaubhaft macht. Oder auf die Art und Weise, wie Polonius' (gespielt von Bill Murray) komische, jedoch gönnerhaft abgöttische Zuneigung zu seiner Tocher Ophelia (Julia Stiles) -- sowie ihre stumme Akzeptanz seiner Zuwendung -- sie schon vor ihrem Anfall von Wahnsinn an ein nasses Grab denken lässt. Und achten Sie auch darauf, wie sehr Claudius Gertrude wirklich liebt (wenn er sie anschaut, entspannt sich Kyle McLachlans Gesicht von seinem üblichen Grimassenspiel) und wie Sam Shepards Geist eher erstarrt ist vor Reue als rachsüchtig oder gepeinigt.
Das sind die strahlenden Momente der Fantasie in Almereydas kühnem Update dieses Dramas. Und genau deswegen wird dieser Film noch lange nachdem ihn sein Schauplatz zu einem Spiegel der Zeit gemacht hat -- so wie bereits Oliviers Adaption mit ihrer düster beleuchteten Burg oder Branaghs mit ihrem glänzenden Königshof des 19. Jahrhunderts -- ein Genuss sein. --Bruce Reid
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Regisseur Michael Almereyda verlegte die Handlung vom mittelalterlichen Dänemark ins moderne Manhattan.
Claudius ist jetzt nicht mehr König von Dänemark, sondern Chef der „Denmark Corporation" und Hamlet wohnt im Hotel Elsinore.
Die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts werden voll ausgenützt: so findet sich in fast jeder Szene ein Laptop oder Handy, der Geist des alten Königs erscheint in einem Lift und verschwindet in einem Dosenautomaten und Hamlet spricht seinen berühmten „Sein oder nicht sein"-Monolog in einer Videothek.
Soweit die Übertragung der Tragödie in unsere Zeit vorgenommen wurde, ist sie gelungen. Doch scheint sie nur halbfertig.
Paradoxerweise wirken gerade Shakespeares Originaldialoge bzw. die Art, wie sie in den Film integriert wurden, seltsam deplaziert und stellen somit die größte Schwäche des Films dar (durchaus vergleichbar mit "William Shakespeare's Romeo + Juliet" von Baz Luhrmann. Doch das war eine derartig bunter und wilder Cocktail aus MTV meets Shakespeare, dass die Originalverse schon wieder ins Bild passten.)
Claudius ist eben kein „König", sondern Chef eines Unternehmens, Hamlet kein „Prinz" und die Denmark Corporation nun mal kein „Königreich".
Der norwegische „Prinz" Fortinbras kann der Denmark Corporation vielleicht mit feindlicher Übernahme drohen, aber nur schlecht mit „Truppen" gegen die Firma ziehen.
Wenn ein Mensch heutzutage beschließt, Selbstmord zu begehen, ist das im Allgemeinen nicht gerade gesellschaftlich anerkannt, aber kein Geistlicher würde sich weigern, den Toten auf einem gewöhnlichen Friedhof zu bestatten, usw. usf..
Shakespeares Tragödie ist zweifelsohne zeitlos, doch müssen im Detail für eine Übertragung in unsere Zeit doch kleinere Veränderungen vorgenommen werden. Die Zeit steht nun mal nicht still, die Welt dreht sich weiter.
Regisseur Michael Almereyda konnte sich einfach nicht zwischen damals und heute entscheiden und herausgekommen ist somit eine sperrige und irgendwie unfertig wirkende Tragödie über Liebe, Verrat, Mord und Wahnsinn.
„Hamlet - The Denmark Corporation" ist allerdings trotz allem kein Beweis dafür, dass Shakespeares bekannteste Tragödie im 21. Jahrhundert nicht funktioniert, im Gegenteil: verblüffend sind die Parallelen, die der Film stellenweise zwischen dem Stück und unserer heutigen Welt zieht.
Er ist eine gelungene Weiterbearbeitung im Fahrwasser von Shakespeares „Hamlet" und dürfte für Fans der Tragödie ein interessantes Gegenstück zu den klassischen Verfilmungen, z. B. die Oscar-prämierte von Sir Laurence Olivier aus dem Jahre 1948 oder die ungekürzte, vier Stunden dauernde von Kenneth Branagh (1996), sein, ob er allerdings (Noch)Nicht-Hamlet-Fans vollends in seinen Bann ziehen kann, wie eine Theateraufführung oder die oben genannten Verfilmungen bleibt offen.
Der Rest ist Schweigen.
|
|
|