Gisbert Haefs, der Meisterautor von fesselnden Krimi-, Science-Fiction- und historischen Romanen, hat wieder zugeschlagen. Diesmal hat er versucht eine seiner Krimigeschichten in die, dem Haefs-Fan bereits aus "Hannibal" vertraute Zeit zu verlagern. Das Zeitgemälde das er entwirft ist wiederum hervorragend. Dabei erzählt er gewohnt einfallsreich und realistisch. Den staunenden Leser versetzt er in eine Zeit des Gestanks und Schmutzes, eine Zeit, die deshalb umso plastischer vor dem Auge des Lesers aufersteht. Dabei tritt die Handlung, sie ist zugegebenermaßen nicht das Beste, was seiner Feder bisher entsprungen ist, für mich in den Hintergrund: Ein junger römischer Offizier und der Befehlshaber der karthagischen Polizei versuchen gegen vielerlei Widerstände den Mord an einen römischen Händler aufzuklären, dessen Leiche auf dem Grundstück des Hamilkar Barkas gefunden wurde. Nachdem sie in Karthago allein den Fall nicht lösen können, reisen sie schließlich zu Hamilkar nach Spanien und werden Zeuge der beeindruckenden Fähigkeiten des siebzehnjährigen Hannibal (eine meiner Lieblingsstellen!). Dort erhalten sie einen zur Klärung des Falls wesentlichen Hinweis und können zurück in "Quart Hadasht", ein Komplott aufdecken, das eher wirtschaftliche denn politische Dimensionen besitzt. Die Identifizierung mit den Personen fällt so leicht und oftmals wünscht man sich nichts sehnlicher als in die Handlung hineinzugelangen und diesen charaktervollen Personen begegnen zu dürfen. Das Mitdenken, Mitfühlen und Mitleiden mit diesen Personen macht wohl den ganz besonderen Reiz des Romans aus. Deshalb muss man auch nicht unbedingt "Hannibal" gelesen haben, um Freude an der Lektüre zu finden, wenngleich der Einstieg dann schon leichter fällt. Wer sich für gutgeschriebene historische Romane interessiert fährt mit diesem Werk von Gisbert Haefs sicherlich nicht verkehrt. Aber wer einen guten Krimi lesen möchte, sollte sich lieber in einen Balthasar-Matzbach-Roman vertiefen.