Warum sollte man bei Städten statt auf die Straßen und Prachtbauten unter die Erde schauen? Ein Buch über den Untergrund Berlins zeigt schon seit längerem, dass Städte dort im Verborgenen ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen haben.
Nun hat Ulrich Alexis Christiansen eine bemerkenswerte Recherchearbeit geleistet, um den Hamburger Untergrund "transparent" zu machen.
Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass vieles, was über der Erde längst weichen musste, unter der Erde noch sichtbare Spuren in Form von Kellern, Tunneln, Bunkern oder Fundamenten hinterlassen hat.
Der Autor beginnt, weit vor den Anfängen der Stadt, bei den Eiszeiten, und lässt dann die Entstehung Hamburgs lebendig werden. Seine Perspektive bleibt dabei konsequent unter der Erdoberfläche - bei Brauereikellern, Sielanlagen und Tunnelbauten.
Leider entgleitet dem Autor im Verlauf des Buches die Balance. Vom Thema U-Bahn offensichtlich fasziniert, beschreibt er bis ins Kleinste Planung und Bau der Bahnstrecken, verzettelt sich in übermäßig detaillierten Schilderungen und scheint dabei ein wenig den Leser zu vergessen. Dabei werden zwar Themen wie 2. Weltkrieg und die Erschließung der Stadtteile gestreift, aber die Beschreibung sämtlicher Strecken ermüdet. Sogar der zu Beginn des Buches lebendige Erzählton wird hier zäh. Dazu fehlen Zeitleisten, die den Zusammenhang verdeutlichen, und ein Glossar der häufig verwendeten Fachbegriffe.
Umso beeindruckender ist das z.T. unveröffentlichte Bildmaterial, auch wenn die Abbildungen zugunsten der Textmengen größer hätten sein können.
Es bleibt eine spannende Reise durch die Geschichte, die Hamburgern einen neuen Blick auf Ihre Stadt zeigt. Ob dieses Buch für Nicht-Hamburger dieselbe Faszination ausübt, ist fraglich.