Eine neue Autorin, neue Sprecher und damit natürlich eine völlig seperate Geschichte im Vergleich zu Folge eins.
Marina nimmt Abschied vom Leben. Schon ihre Mutter und ihre Schwester sind an der unheilbaren Krankheit gestorben. Doch den Leidensweg, den die beiden gegangen sind, möchte sie sich ersparen. So plant sie ihren letzten Abend. Ein letztes hervorragendes Essen, teurer Wein und danach der Trunk des ewigen Schlafes.
Doch der Abend verläuft anders, als sie sich das ausgemalt hat und so beschließt sie, vor ihrem eigenen Tod Rache an einigen ungeliebten Personen zu nehmen.
Obwohl als Hörspiel deklariert, ist auch die zweite Geschichte zum größten Teil eher eine inszenierte Lesung. Allenfalls während Marinas Besuch bei ihrem Stiefvater ergibt sich durch dialogartige Momente mit verschiedenen Personen in Verbindung mit der Musik und den Geräuschen zumindest ansatzweise eine Spiel-Komponente. Doch selbst da trohnt noch immer viel zu sehr der Erzähler über dem ganzen und lässt den Dialog eher passiv erscheinen.
Der übergeordnete Erzähler mit der beschränkten, dafür aber äußerst detaillierten Perspektive auf Marina heißt Andreas Pietschmann. Eine sehr jung und angenehm klingende Stimme, die im ersten Moment vielleicht unpassend gewählt scheint, um das Leben einer Frau in mittleren Jahren zu schildern. Doch diese Kontrastierung entwicklet sich immer mehr zu einem gelungenen Schachzug. Zumal Pietschmanns Erzählleistung sehr gut ausfällt. Darin eingebettet immer wieder die kurzen Selbstgespräche Marinas, in der ihre Gefühle, Ängste, Sorgen und Pläne ans Tageslicht treten.
Die Handlung zeichnet sich nicht unbedingt durch größtmögliche Spannung aus, sondern erzählt vielmehr eine enorm unterhaltsame Geschichte, die in mancherlei Punkten vorhersehbar sein mag, wobei sich das jedoch nicht negativ auf den Hörspaß auswirkt.
Damit man von einer _inszenierten_ Lesung sprechen kann, bedarf es selbstredend des Einsatzes von Musik und Geräuschen, die hier gleichermaßen umfangreich wie vielfältig eingesetzt werden. In einem richtigen HörSPIEL würde man zwar unweigerlich mehr erwarten, für eine inszenierte Lesung ist das gebotene jedoch sehr gut.
Fazit: Von der Bezeichnung "Hörspiel" darf man sich nicht zu sehr in die Irre leiten lassen, denn ein solches gibt es hier allenfalls andeutungsweise. Die inszenierte Lesung von Regula Venskes Geschichte vermag aber gut zu unterhalten.