Aus der Amazon.de-Redaktion
Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte lang war Italien gerade für Nord- und Mitteleuropäer ein Land der Sehnsucht, ein romantisches Reich, in dem das Leben anderen Gesetzen unterworfen ist und einem anderen Fluss der Zeit folgt. Doch davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Italien ist längst Teil der ganzen völlig unromantischen westlichen Welt. Der Blick der Sehnsucht geht auch von dort aus weiter in andere Richtungen, zum Beispiel nach Istanbul. In Ferzan Ozpeteks Debüt
Hamam - Das türkische Bad wird die Metropole an der Schwelle zum Orient zur magischen Stadt, die zwei italienische Yuppies, den Innenarchitekten Francesco (Alessandro Gassman) und seine Frau Marta (Francesca D'Aloja), völlig verzaubert.
Francesco erbt das Haus seiner vor langer Zeit in die Türkei ausgewanderten Tante und reist nur nach Istanbul, um die Sache so schnell wie möglich zu regeln, den Besitz zu verkaufen und wieder zurückzukehren. Aber der Orient entwickelt einen mächtigen Sog für den zunächst ziemlich widerlichen Karrieristen. Er eröffnet ihm den Blick auf eine Welt mit anderen Werten, die langsam sein Leben übernehmen. Er entschließt sich das Haus der Tante, ein ehemals prunkvolles Dampfbad, zu renovieren -- Istanbul als verwunschenes Reich, in dem geheime, nicht einmal erahnte Sehnsüchte Gestalt annehmen.
Hamam ist eine Liebeserklärung an das alte, noch nicht ganz ins 20. Jahrhundert eingetretene Istanbul mit all seinen langsam versinkenden Traditionen. Die Art, in der Ferzan Ozpeteks Film diese eigene Welt romantisiert, stellt sein Debüt in eine Reihe mit Thomas Manns Der Tod in Venedig und Wayne Wangs grandiosem Chinese Box. Immer geht es um Orte, an denen ab einem gewissen Zeitpunkt das Fremde zum Vertrauten wird. Dann verliert die Heimat ihren Reiz und eine Rückkehr scheint sinnlos. Es bleibt nur das Verweilen in der heimisch werdenden Fremde, bis zum Ende, das manchmal der Tod und manchmal ein neues Leben sein kann. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
Franceco, ein junger italienischer Innenausstatter erbt von seiner Tante ein Haus in Istanbul. In diesem Haus entdeckt er einen alten Hamam. Als er sich entschließt, den Hamam zu restaurieren, gerät er mehr und mehr unter den Einfluß der Stadt und des Hamam - kulturell, aber auch sexuell: im Hamam hat er sein schwules