Mit der bevorstehenden Überschreitung der 8GB-Grenze meiner MP3-Oldiessammlung benötigte diese ein neues Zuhause, also einen USB-Stick von 16GB, der sich von meinem für allgemeine Rechnerzwecke im Einsatz befindlichen OCZ Rally2 16GB äußerlich unterscheiden sollte. Die Anforderungen hinsichtlich Daten-Transferraten sind beim Abspielen von MP3s sehr bescheiden, so daß es hier ein Stick der Langsamklasse tut - zwar hatte ich mit USB-Sticks von HAMA bislang weniger gute Erfahrungen, aber das Modell Nizza in Schwarz sah auf Abbildungen so flach und elegant aus, daß ich es nochmal probieren wollte. Zu HAMA-Sticks ist ganz allgemein zu sagen, daß es eine Stick-Marke HAMA eigentlich garnicht gibt - HAMA läßt bei wechselnden Herstellern in China fertigen (oder kauft gar einfach Bestände auf), wo dann nur das HAMA-Logo aufgedruckt wird. Verschiedentlich findet man die gleichen Sticks (ohne HAMA-Aufdruck) auch bei anderen 'Herstellern', manchmal sogar bei Werbegeschenk-Anbietern. 'Echte' Markenhersteller lassen zwar auch in China fertigen, aber entweder in eigenen Werken oder (hoffentlich) nach strikten Qualitätsvorgaben bei längerfristig gebundenen Vertragspartnern.
Als der Nizza eintraf, erschrak ich über den plumpen Riesenstick von 73.5mm x 27.2mm x 9.7mm (inkl. Schutzkappe) - von flach und elegant keine Spur, ich hatte mich durch gedanklichen Vergleich mit heute üblichen Stickgrößen von der Abbildung täuschen lassen. Er wirkt auf den ersten Blick zwar wertig und ist sorgfältig gefertigt, aber die hochglänzenden Flächen in unseliger Klavierlack-Optik (wann hat dieser Modeunsinn endlich ein Ende?) sind sehr fingerabdruckfreundlich, und auch die Einfassung mit giftig ordinärem Hochglanz-Plastikchrom relativiert diesen Eindruck schnell. Aufgrund der extremen Breite von 27.2mm werden bei vielen PCs, Notebooks und Hubs gleich zwei benachbarte Steckplätze mit blockiert, selbst die übermäßige Dicke von 9.7mm kann hier zum Problem werden. Die Aktivitäts-LED ist nur in einem kleinen Blickwinkelbereich bei direktem stirnseitigen Blick sichtbar und somit von geringem Nutzen. Die Befestigung des mitgelieferten Umhängebandes (Band und Fadenschlaufe ohne Trennmöglichkeit) an der Kappe, statt am Stick selbst, ist ein Anachronismus aus dem letzten Jahrhundert - die Befestigung gehört zwingend an den Stick! Daran ändert auch die außerordentlich harte Rastung der Kappe nichts, deren Abziehen jedesmal zu einer Plagerei ausartet. Da auch das Einrasten über einen recht harten Druckpunkt erfolgt, besteht sogar das Risiko, daß bei nicht sorgfältiger Beachtung dieses Rastpunkts der Stick beim Transport verlorengeht.
Der Stick bietet im Auslieferungszustand (FAT32-Formatierung) eine nutzbare Speichergröße von 16 119 717 888 Bytes, die Klassifizierung als 16GB-Stick ist somit völlig korrekt. Wenn auch manche Nutzer hier eine 'Schummelei' der Speicherhersteller vermuten, so haben die für das Dezimalsystem definierten und normativ festgelegten Einheitenvorsätze Kilo (k = x1000 = x10^3), Mega (M = x1000000 = x10^6) und Giga (G = x1000000000 = x10^9) auch bei der Angabe von Speichergrößen exakt die gleichen Werte (gilt genauso für Festplatten und andere Speicher) - der Nizza ist also tatsächlich ein 16.1GB-Stick! Die fröhliche Nutzung z.B. des Vorsatzes Kilo (k) im Dualsystem für den Faktor x1024 ist eine offensichtlich unausrottbare aus der früheren 'Nachrichtentechnik' übernommene Nachlässigkeit - für diese Dual- oder Binärsystem-Faktoren gibt es seit 1998 eigens normierte Binärpräfixe, u.a. Kibi (Ki = x1024 = x2^10), Mebi (Mi = x1048576 = x2^20), Gibi (Gi = x1073741824 = x2^30), also sind z.B. 1024 Bytes (1024B) = 1 KibiByte (1KiB).
Mit der Verpackungsangabe einer Datentransferrate von 15MB/s läßt sich überhaupt nichts anfangen, da es sich dabei um eine Mittelung (nach HAMA-Kriterien) aus Schreibrate und Leserate handelt. Das c't-Tool H2testw, mit dem ich alle meine Sticks vor Ersteinsatz auf Speicherintegrität überprüfe, ist zwar nicht zur Ermittlung exakter Daten-Transferraten geeignet (und auch nicht dafür gedacht), liefert aber doch brauchbare Anhalts- oder Vergleichswerte - als Absolutwerte liegen die ermittelten Daten wegen der mit 1GB sehr großen von H2testw verwendeten Testdateien zu hoch, also zu günstig. Die Schreibrate lag beim Test anfänglich bei 17.5MB/s, ging aber bald auf 8.3MB/s zurück, die Leserate lag während der gesamten Prüfzeit bei 28MB/s. Dann kam das Befüllen des Sticks mit dem 'echten' Datenbestand - 1645 MP3-Dateien, dazu ein ohne Installation direkt vom Stick lauffähiger und fertig mit den Oldies-Alben verknüpfter Player sowie einiges an Dokumentation, insgesamt 2126 Dateien mit knapp unter 8 GB. Er erwärmte sich dabei nur leicht, und die benötigte Zeit von 25min entspricht einer Schreibrate von 5.3MB/s - bei der Leserate darf eine entsprechende Reduzierung angenommen werden. Das sind allemal akzeptable Werte für einen Stick der Langsamklasse (die Leserate ist sogar echt gut), in die HAMA-Sticks nun mal alle fallen.
Fazit: Mit dem Nizza 16GB ist sich HAMA treu geblieben - ein unpraktischer, nur mühsam handhabbarer Riesenstick, kombiniert mit unbrauchbaren technischen Angaben, um dem Käufer eine hohe Schreibrate vorzugaukeln. Dabei wäre letzteres völlig unnötig gewesen, denn die tatsächlichen Schreib- und Leseraten würden auch den Einsatz für übliche Rechnerzwecke zulassen, für Datenbankanwendungen mit häufigen und umfangreichen Datenbewegungen sollte man allerdings einen wirklich 'schnellen' Stick benutzen (z.B. einen OCZ Rally2).
Aufgrund der unzumutbaren Handhabungsprobleme verbot sich ein häufigerer Einsatz des Nizza von selbst, er wird nur noch für das Backup des Oldies-Projekts genutzt. Mit dem Ginga 16GB von TOSHIBA habe ich einen sehr viel preiswerteren, kleineren, praktischeren und besser aussehenden Ersatz gefunden, der zudem die besseren Funktionsdaten bietet (ausführliche Rezension s.
TOSHIBA Ginga 16 GB). Er ist 54.7mm x 20.5mm x 8.9mm groß (inkl. Schutzkappe), beim Überprüfen mit H2testw wurde eine von Anfang an konstante Schreibrate 6.6MB/s erreicht, die Leserate lag bei 19.2MB/s. Die Befüllung mit dem 'echten' Oldies-Datenbestand (insgesamt 2163 Dateien mit knapp über 8 GB) dauerte 22min, entsprechend einer Schreibrate von 6.2MB/s (erheblich besser als die Herstellerangabe von max. 3.9MB/s!), und er erwärmte sich dabei nur geringfügig. HAMA-Sticks sind für mich künftig tabu!