Habe verschiedenste Rucksäcke in der Preisklasse 80-120Euro getestet und bin schliesslich beim Hama Daytour 230 geblieben.
Grund: er ist wirklich ein multifunktioneller Rucksack und lässt sich mit unterschiedlich vielem Fotomaterial beladen. Das ist eigentlich der größte Mangel aller anderen Rucksäcke, daß man viel Leerraum erzeugt und nicht das ganze verbleibende Volumen nutzen kann, wenn man z.B. nur die Kamera mit einem Objektiv mitnehmen will.
Für Stadtrundgänge oder Bergtouren, reduziert man das Foto-Equipment auf das absolut notwendige Maß. Im Gegenzug möchte man aber eine Jacke, eine Trinkflasche, Stadtpläne und vieles in diese Richtung mitnehmen. Die meisten Fotorucksäcke haben ein großes Fotofach mit mehr oder weniger sinnvoller Einteilungsmöglichkeit, eine variable Trennung von Foto- und allgemeinem Zeug ist nicht möglich.
Der Daytour 230 besteht eigentlich aus zwei Taschen, die fix miteinander verbunden sind, aber getrennt beladen und genützt werden können.
Das untere Fach eignet sich bestens für Quickshots da es einen seitlichen Schnellzugriff gibt, wo man ohne den Rucksack abstellen zu müssen, die Kamera herausnehmen kann. Einziges Problem: meine D700 ist fast zu groß für die Öffnung, ich bleibe manchmal mit der linken Gurtösen hängen, und weil die Öffnung nicht nach vorne geht kann man die Kamera auch nicht wie vorgesehen am gummierten Griff nehmen (hoffentlich entgleitet mir die Kamera nicht einmal :-(
Platz findet bei mir zusätzlich das AF-S 24-70 an der Kamera inkl. Sonnenblende in verkehrter Transportstellung und der SB-600 Systemblitz. Ist die Sonnenblende richtig montiert, so muss der Trennsteg etwas versetzt werden, der Blitz hat dann nicht mehr wirklich Platz. Immerhin bekomme ich die Kamera mit Objektiv und Sonnenblende doch komplett hinein.
Zusätzlich ist das untere Fach durch einen horizontalen Reißverschluss zugänglich. Er "verbindet" den unteren Rucksackteil mit dem oberen, kann jedoch leider nicht vollständig getrennt werden (Trage- und Beckengurte sind unten befestigt). Ohne unterem Fach wäre es fast der Daytour 180.
Der Boden des Rucksackes ist perfekt eben sodaß der Rucksack sicher steht. Außerdem ist er gummiert und damit feuchtigkeitsunempfindlich.
Unter dem Boden ist ein Regenschutz versteckt. Das Material ist ja wasserabweisend, mit dem zusätzlichen Schutz würde ich sagen ist der Rucksack wasserdicht. Regen bedeutet aber auch meistens schlechte Sicht, der schwarze Regenschutz ist da ein echtes Sicherheitsrisiko. Zusätzlich werden die reflektierenden Linien am Rucksack abgedeckt. Der Regenschutz ist also eigentlich eine Tarnkappe!
Das obere Fach lässt sich vom Rücken her komplett öffnen, wichtig um diesen Teil an seine Bedürfnisse anpassen zu können. So können Trennstege eingesetzt werden (leider nur an den dafür vorgesehenen Stellen) und so ein unterschiedlich großer Rucksackbereich für Foto-Equipment reserviert bleiben. Einteilungen/Trennstege sind so ausreichend beigelegt, daß das gesamte obere Fach auch ausschliesslich für Fotomaterial genutzt werden kann. Ich handhabe es jetzt so, daß der Rucksack meine "Techniktasche" im Urlaub ist. Zuhause kommt da alles hinein, was in Richtung Ladegerät, Akkus, Audiorecorder, Computerzubehör,... und Foto-Equipment geht. Am Urlaubsort leere ich den Rucksack oben komplett, entferne fast alle Trennstege (eine seitliche Kammer lasse ich fürs Teleobjektiv) und nutze nur noch das unter Fach für die Kamera.
Das obere Fach ist auch durch eine sehr schmale obere Öffnung zu erreichen (einen Pullover müsste man hineinstopfen), hier kann man z.B. auf Filter, Speicherkarten oder ähnliches aber auch auf Geldbörse, Mobiltelefon, etc. schnell zugreifen.
Apropos Filter, es gibt im oberen und unteren Fach sehr viele verschieden große Fächer wo man Kleinigkeiten (Speicherkarten, Batterien,..) unterbringen kann. Leider sind gerade die Fächer für Filter im großen oberen Fach und daher schwer zugänglich, vorallem wenn Trennstege eingesetzt sind. Dann werden die Fächer durch die Trennstege blockiert und lassen sich nur mühsam öffnen. Das ganze dann noch blind weil die Öffnung so schmal ist. Oder man öffnet den Rucksack komplett von hinten, aber gerade Filter (z.B. Polfilter) werden öfter auf und abgesetzt und da sollte das doch eher im Schnellzugriff gehen. Dafür wären z.b. die seitlichen Fächer geeignet, diese haben aber überhaupt keine Fächer oder Einteilungen (links ist ein Gummi für eine Wasserflasche), d.h. man kann die Filter in einem Schutzcase nur ungeordnet hineinwerfen. Nett wäre, wenn die Taschen aufklettbar wäre, dann könnte man sie hintun wo man will. Leider ist wie bei fast allen Rucksäcken (Ausnahme z.B. die Crumplers oder der Julia Shooter) der Innenraum nicht vollständig mit Fleecematerial ausgekleidet, es gibt nur schmale Klettstreifen was die Möglichkeiten stark einschränkt.
Ein nicht ganz brauchbares Gimick ist z.B. die Stativhalterung. In der Mitte des Rucksacks gibt es einen kleinen Reißverschluss wo man eine Tasche herausziehen und ein Stativ einstecken kann. Darüber gibt es einen Riemen der das Stativ dann oben fixiert. Warum werden Stative immer hinten in der Mitte angebracht? Das ist sowohl von der Gewichtsverteilung (das Stativ ist ca. 20cm vom Rücken entfernt, ein schweres Stativ macht sich dadurch ganz besonders schwer) aber vorallem bei Städtetrips schlecht. In öffentlichen Verkehrsmitteln eckt man mit einem normalen Rucksack schon an und dann nocheinmal 10cm mit einem Metallteil mehr? Abgesehen von Beschädigungen am Stativ macht man sich damit bestimmt keine Freunde.
Aber Rucksäcke sind in den wenigsten Fällen breiter als die ihn tragende Person, es wäre also naheliegend das Stativ seitlich anzubringen. Nur gibt es bei fast keinem Rucksack die Möglichkeit zur seitlichen Anbringung. Ich habe mir helfen können, da ich zur Ausbalancierung der Kamera eine Schiene am Kugelkopf montiert habe (dadurch sitzt das Kameragewinde ca. 8cm hinter der Kugel und ist perfekt ausbalanciert) die kann ich in die obere seitliche Tasche einhängen und unten wird ein Stativbein in die untere seitliche Tasche eingeklemmt (siehe Foto). Klappt sehr gut, geht aber nicht bei jedem.
Die Trageriemen sind sehr komfortabel, überhaupt trägt sich der Rucksack sehr angenehm. Perfekt für lange Tage. Was nicht sehr gut gelöst ist: die Riemen können nicht verstaut werden. Beim Kata 3in1 können sogar alle Riemen hinter dem Rückenpolster versteckt werden, ideal z.B. bei Flugreisen wenn man den Rucksack als Handgepäck im Flugzeug verstauen muss.
Mir würde schon reichen wenn man den Beckengurt verstauen könnte oder besser ganz abnehmen. Denn beim Einsatz im urbanen Gebiet ist der völlig unnötig, ganz im Gegenteil, er ist eigentlich nur im Weg.
Es gibt also viele kleine Details, im ersten Moment denkt man daß dies alles sehr überlegt entworfen wurde. Zu anderen Themen hat man sich wieder überhaupt keine Gedanken gemacht (Gurte verstauen). Schlussendlich ist doch so einiges nicht sehr sinnvoll gelöst. Schade.
Trotzdem ist er in der Summe seiner Eigenschaften der beste Rucksack für mich. Besser würde es nur bei deutlich höheren Preisen.