Inhalt:
Kai beginnt gerade sein Studium, als er auf Halva trifft, die jüngere Schwester seines neuen Freundes Mudi. Sogleich ist er fasziniert von ihr. Halve geht es ähnlich und so verlieben sich beide ineinander. Doch wo Halva kein Problem erwartet, taucht plötzlich eines auf, denn ihre Familie scheint etwas dagegen zu haben, dass Halva mit einem Deutschen ausgeht und das wo die Familie seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Halva versteht die Welt nicht mehr, immerhin ist Deutschland ihre Heimat geworden. Die zunächst modern scheinende Familie aus dem Iran wird plötzlich streng konservativ, denn über Halvas Familie schwebt ein Versprechen …
Story 4/5
Romantik 4.5/5
Charaktere 4/5
Tiefgang 3.5/5
Umsetzung 4/5
Meinung:
“Halva, meine Süße” ist ein neuer Jugendroman aus dem Coppenrath Verlag. Dabei handelt es sich um eine junge Liebe zwischen zwei Welten, zwischen unterschiedlichen Religionen mitten in Deutschland. Die Geschichte ist realistisch und keineswegs schnulzig.
Die Geschichte handelt von der jungen Halva und Kai, der gerade sein Studium beginnt. Durch einen Zufall lernt er Mudi, Halvas älteren Bruder, kennen, wodurch er überhaupt erst auf Halva trifft, die gerade ihr Abitur macht. Halvas Familie stammt aus dem Iran, ist vor zehn Jahren nach Deutschland geflohen und scheint offen und modern zu sein. Trotz unterschiedlicher Welten finden Halva und Kai augenblicklich zueinander und verlieben sich. Zunächst scheint ihre Liebe kein Problem zu sein, doch Halvas Familie wird von Tag zu Tag konservativer …
Mamiis Augen glänzten feucht. »Immer, wenn du Halva isst, dann sollst du an mich denken. An mich und daran, wer du bist und wo du herkommst. Du darfst das nie vergessen, vor allen Dingen, weil du morgen an überall eine Fremde sein wirst. Wenn du Halva isst, dann denk an Teheran.«
(Seite 19)
Die beiden Charaktere Halva und Kai leben unterschiedliche Leben. Wo Halvas Familie sich den Aufenthalt in Deutschland erkämpfen musste, lebt Kai mit seinem Vater in einer schicken Villa. Beide Protagonisten wissen was Schmerz und Trauer bedeutet. Das schöne ist, dass der Leser schnell spürt wie gut die beiden zusammen passen. Die Textstellen zwischen den beiden sind meist besonders schön zu lesen und wirken authentisch und realistisch, da die Geschichte keineswegs glatt verläuft.
Diese junge Liebe zwischen den Protagonisten bildet den Schwerpunkt der Geschichte. Es geht um Halva und Kai, um ihre Gefühle und die Probleme die ihre Gefühle entfachen, denn obgleich Halvas Familie auf den ersten Blick sehr modern wirkt, so täuscht man sich schnell. Zu dem romantischen Aspekt der Geschichte gesellt sich dann die knallharte Realität in Deutschland. Es geht um unterschiedliche Religionen, es trifft der Islam auf das Christentum und muslimische Verhaltensweisen auf die moderne deutsche Demokratie. Für mich, die sich mit diesem Thema schon seit längerem intensiv beschäftigt, löste der Roman wieder sehr gemischte Gefühle aus. In jedem Fall regt “Halva, meine Süße” zum weiteren nachdenken an.
Die Neonsterne zwinkerten ihr bei der Erinnerung an ihn zu. Sie funkelten bis in ihr Herz hinein, das nur noch schneller schlug. Kai-Kai-Kai.
(Seite 114)
Um etwas genauer zu werden gehe ich etwas detaillierter auf den Inhalt ein. In “Halva, meine Süße” gibt es eine iranische Familie in Deutschland, die vor zehn Jahren hierher geflohen ist. Die Familie hat sich hochgearbeitet, bringt ihren Kindern gut Deutsch bei und hofft auf eine gute Bildung. Alles in allem scheint die Familie offen für die deutsche Lebensweise zu sein und genau damit wächst auch Halva auf. Doch dann kommt plötzlich eine Botschaft auf der Heimat, dem Iran und verändert alles binnen Sekunden. Der Leser wird schnell erahnen, dass es dabei auf Familienehre und Zwangsheirat hinaus läuft. Ich habe dies auch relativ schnell erahnt und habe mich immer wieder über Halvas Naivität gewundert. Sie ist wirklich ein sehr freundlicher und offener Charakter, jedoch auch unglaublich leichtgläubig und naiv.
Es ist natürlich schwer in einer Buch Rezension weiter auf das Thema und die Aussage des Romans einzugehen, jedoch komme ich auch nicht umher dieses fürchterliche Ende zu erwähnen. Die Geschichte ist an sich herzergreifend, romantisch und erinnert an die erste Liebe. Der Plot bleibt zart und lädt zum Träumen ein, wozu sich dann nach und nach die Probleme der muslimischen Familie gesellen, die konservativ wird, um ihre Familienehre zu bewahren. Für mich war das Ende der wahre Horror, wenn es auch die bittere Realität offenbart. Ich hätte mir hier mehr Spielraum gewünscht, mehr eine andere Entscheidung Halvas, sodass vielleicht manch eine Frau den Mut hat selbst so zu agieren, wie es in einem Rechtsstaat in Deutschland richtig wäre. Aus diesem Grund ziehe ich auch einen Stern ab. Ich fand das Ende überhaupt nicht tragisch, sondern scheußlich, denn ich halte wirklich gar nichts von einer Familienehre die bis hin zur Gehirnwäsche fugiert!
Halve spürte, wie ihr alles Blut aus dem Gesicht wich. Schon bei dem Gedanken, Kai nicht mehr wiederzusehen, nie mehr seine Lippen und seine Hände zu spüren, wurde ihr übel.
(Seite 202)
So schön, schrecklich und realistisch die Autorin dieses Thema der Zwangsheirat und brutalten Familienehre dargestellt hat, so hätte ich mir am Ende doch etwas mehr Informationen gewünscht. Es gibt in Deutschland weitaus noch andere Wege die man wählen kann (z.B. ein Frauenhaus), davon wird aber überhaupt nichts erwähnt. Es geht den letzten Teil eigentlich nur noch darum, dass Halva Kai über alles liebt und dennoch es nicht übers Herz bringt ihrer Familie Schande zu bereiten (Ich kriege von so einer Logik äußerte Kopfschmerzen).
Insgesamt vergebe ich 4 Sterne. Meiner Meinung nach ist das Thema sehr heikel in Deutschland und regt immer wieder zu ungehaltenen Diskussionen an. Aus diesem Grund habe ich den Roman für junge Erwachsene nicht nur als Abwechslung und Ausnahme in diesem Genre empfunden, sondern auch als Denkanstoß, zu dem der Verlag aber am Ende noch hätte Informationen bieten müssen! Denn obgleich die Geschichte um Halva und Kai Fiktion ist, so gibt es doch genau solche Fälle in unserer Demokratie!
In ihrer Tasche vibrierte wieder das Handy und immer montags, immer montags, immer montags, schlug ihr Herz.
(Seite 256)
Der Schreibstil war durchweg sehr angenehm zu lesen. Die Textpassagen zwischen Halve und Kai sind meist zart, lustig und süß. Es ist einfach wunderschön ihrer Liebe zu folgen und erinnert einen selbst immer wieder an die ersten Gefühle. Dabei bleibt die Autorin sehr realistisch und authentisch. Mir hat zudem sehr gut gefallen, dass die Perspektive zwischen Kai und Halva wechselt, sodass man Eindrücke aus zwei unterschiedlichen Welten erhält.
Das Cover ist ein wahrer Eyectacher! Im Internet sieht man dies nicht unbedingt, aber der Umschlag wurde vorne ausgestanzt, sodass die goldene Buchfarbe durchschimmert. Wie immer hat sich der Coppenrath Verlag richtig Mühe bei der Gestaltung gegeben, innen sowie außen. Der Roman erhält auf jeden Fall eine tollen Platz in meinem Bücherregal.
Halva sah die Ohrfeige kommen, aber sie duckte sich nicht, sondern ertrug den Schmerz für Kai und ihre Liebe.
(Seite 311)
Fazit:
Eine Liebe mit Hindernisse. Genau so kann man “Halve, meine Süße” harmlos beschreiben. Für eine süße Liebesgeschichte vergebe ich 4 gute Sterne, doch für das naive Ende, das mich nicht traurig sondern wütend gemacht hat, ziehe ich rigoros einen Stern ab. Insgesamt hätte ich es gut gefunden, am Ende noch ein paar Informationen zu diesem heiklen Thema in Deutschland zu finden, denn Zwangsehe und eine brutale Familienehre darf man alles andere als verharmlosen …