Handballbücher gibt es mittlerweile reichlich - gute und weniger gute. „HALTEN und SIEGEN" von Welthandballer Henning Fritz und Wieland Schmidt (Olympiasieger 1980) - soviel als Fazit gleich vorweg - gehört auf den Stapel der sehr guten. Zwar ist es laut Untertitel (nur) „für Handball-Torhüter und ihre Trainer" geschrieben, aber letztendlich spricht es alle im Handball Aktiven und nicht zuletzt auch Handball-Fans an, egal ob diese sich dann mehr die wirklich sehr informativen Texte zu Gemüte führen oder sich von den zahllosen faszinierenden Fotos und Bildreihen inspirieren lassen, die diesen Band ganz besonders auszeichnen.
Wie ist das Buch aufgebaut? Zunächst stellen sich die beiden „Hauptdarsteller" anhand zahlreicher biografischer Daten und Fakten mit interessanten Anekdoten selbst vor („Porträt"). Nach den „Grundlagen" (Rolle des Torhüters, Torhüterlaufbahn) geht es um das „Repertoire" der Grundtechniken für Torleute (z.B. Abwehr von hohen, halbhohen und flachen Würfen). Die beiden umfangreichsten Kapitel sind dann „Spielsituationen" und „Training", bevor Hinweise zur Psychologie des Torwartspiels („Psycho") den Band abrunden.
Rein optisch überwiegen Bilder mit Spielszenen und Übungsabläufen. Man hat den Eindruck, als würden sie die Texte nur beiläufig, aber hilfreich illustrieren. So kann man jedenfalls ganz gut lesend blättern und blätternd lesen ...
Aus der Sicht von (Torwart-) Trainern dürfte primär das Kapitel über das Torwarttraining zum Nachmachen anregen: Dies ist eine umfassende Übungssammlung, deren bildliche Abläufe für sich sprechen: mit mehreren Bällen gleichzeitig agieren, Bälle im Sitzen abwehren, auf verdeckte Würfe reagieren etc. Das ganze ist zwischendurch mit Praxistipps der Autoren aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz angereichert.
Wenn es stimmt, dass Spiele im Kopf gewonnen werden, dann müssen Keeper die Grammatik der Körpersprache kennen und sich als Motivationskünstler für ihre Mitspieler in Szene setzen. Insofern können allein die 14 Psycho-Seiten spielbestimmend werden. Hier verraten Henning und Wieland, wie sie sich mental stark machen. Das beste Rezept ist dabei „Halten wie in Trance" - eine Art „Flow", wenn Handlung und Bewusstsein verschmelzen.
Ein wirklich eindrucksvolles und sehr persönliches Buch, das endlich einmal das offenbart, was Torhüter, Trainer und Fans wissen wollen: wie die großen Torhüter eigentlich wirklich „ticken" und was man von ihnen lernen kann, um das eigene Spiel zu verbessern.