Halo: The Flood hat, genau wie die anderen Bücher um den Master Chief, mit einem massiven Problem zu kämpfen: Jeder Leser, der die Computerspiele gespielt hat- und das dürften die meisten getan haben -, weiß, wie die Anfangs- und Endbedingungen sein müssen, damit das Buch in die Geschichte passt. Das erschwert es dem Autor selbstverständlich, Spannung in Richtung Buchende zu erzeugen, bei diesem Buch noch stärker als bei Halo: Fall of Reach, da der Leser sogar Teile der Handlung schon kennt.
Der Autor gibt im Buch allerdings nicht jeden Schuss aus dem Spiel 1:1 wieder, sondern füllt großzügig mit Nebenhandlung, um Marines, Covenant und Flood, aus. Die Teile, die den Master Chief betreffen, orientieren sich am Spiel (die meisten Wege, die der Chief geht, werden Spieler wiedererkennen), die meisten Details sind jedoch variiert oder ausgeschmückt, was in der Regel sogar Logikprobleme aus dem Spiel löst - woher weiß der Chief zum Beispiel, welche Tasten an Halos Schalttafeln zu drücken sind?
Meinem Eindruck nach und entgegen vieler Meinungen ist The Flood sogar besser als The Fall of Reach - Der Autor bringt wesentlich mehr vom Gefühlsleben des Master Chiefs ein, geht detailliert auf die restliche Besatzung der Pillar of Autumn ein und beschreibt außerdem sehr eindrucksvoll die Flood. Bloß ab dem zweiten Lesen zieht der erste Teil dem zweiten davon. Auch die Covenant finden in einigen Passagen genauere (und sehr gut gelungene) Beschreibung. Aus jeder Gruppe gibt es dabei einige Hauptfiguren, auf die im Laufe des Buches immer wieder eingegangen wird. Das führt wie beim ersten Band zu mehreren parallelen Handlungssträngen. Einige interessante Wendungen, insbesondere in diesen Passagen, bauen dabei im Lauf des Buchs die Spannung auf, die der Autor mit dem Master Chief nicht erreichen kann.
Weniger gut gefallen hat mir die Art, wie Kämpfe geschildert werden. Dietz beschreibt die Kämpfe nicht so ausführlich wie Nylund im ersten Band, sondern beschreibt in der Regel nur grob, was der Chief macht, dass es schwer ist und dass der Master Chief es dann doch schafft. Interessanterweise scheint es für Dietz nur drei Zustände für den Schild des Chiefs zu geben: Voll aufgeladen, fast weg und ganz weg. So entsteht der Eindruck, dass er bei der Beschreibung kontinuierlich zwischen den (Spiel-)Schwierigkeitsgraden wechselt - mal wird der Chief von wenigen Grunts fast besiegt, und mal wehrt er sich erfolgreich gegen eine Überzahl an wesentlich stärkeren Gegnern. Es liest sich auch so, als ob der MC einfach mit Leichtigkeit durch Gegnerhorden durchrennen und alles vernichten würde, allerdings wird trotzdem jedes Mal explizit darauf hingewiesen, dass das eben nicht so ist - obwohl es so klingt.
Die Papierqualität ist, genau wie bei den anderen Büchern der Reihe, akzeptabel.