Vorab mal einen kleinen historischen Rückblick auf ein unschönes Kapitel in Sachen Spiele-Releases:
Da preist das Entwickler-Studio Bungie ein zukünftiges Spiel als neue Grafikrevolution und neuen, maßstabsetzenden Vertreter des FPS-Genres für den heimischen PC an... Gewährt diversen Spiele-Fachzeitschriften und Experten aus der Szene regelmäßig Einblicke in die fortschreitende Entwicklung des Groß-Projekts... Macht interessierte (oder zumindest neugierige) PC-Only-Zocker monatelang bis zum nahenden Release nur noch heisser... Und plötzlich dreht diese Firma den Spieß um und gibt es als Launch-Titel für eine Videospiel-Konsole (= die X-Box) her, während die PC-Spielergemeinschaft nur noch länger (fast ein ganzes Jahr) hingehalten wird.
So war das damals mit "Halo", und mit dem Titel begann eine neue Geschäfts-Politik unter den Entwicklern und Publishern, neue Titel vorrangig für Konsolen zu entwickeln / veröffentlichen und sich mit der PC-Portierung großzügig viel Zeit zu lassen. Oder diese sogar gänzlich zu vernachlässigen. Das Sequel "Halo 2" erschien glatt 3 Jahre später ohne technische Anpassungen (und nur mit Windows Vista-Unterstützung), und "Halo 3" durfte sich gar nicht erst auf dem Rechenknecht niederlassen. Dieser von Bungie eingeleitete Trend hat zu Lasten jener Spieler-Gruppe, zu der ich mich auch zähle und voll bekenne, viele Nachahmer gefunden. "Alan Wake" und "Heavy Rain" sind nur ein paar von vielen Fällen, denen das gleiche Schicksal ereilte.
Gegen dieses Vorgehen ist der geneigte PC-Anhänger ziemlich machtlos, so stehen ihm am Ende nur zwei Optionen zur Verfügung: Entweder (trotz besseren Wissens) eine Konsole wegen eben diesem einen Must-Have-Titel erstehen oder mit einem weinenden Auge, aber dafür standhaft darauf verzichten. Würde ich gefragt werden, so bleibe / bliebe ich bei letzterer Entscheidung. Ich sehe es nicht ein, für einen einzigen Titel gleich eine ganze Konsole anzuschaffen, die danach nur noch Staub ansetzen würde, weil sie ansonsten keinen Mehrwert für mich hat. So verbleibe ich beim allerersten "Halo", dem einzigen Titel aus gleichnamiger Reihe, den ich besitze. Und über den ich hier nun schreibe.
Wie bereits oben erwähnt erschien die PC-Version von "Halo" knapp ein Jahr nach dem X-Box-Release. Das war im Jahre 2003, und da war der einstige, technische Vorsprung des Titels schon wieder überholt. Von einem Abrutsch ins grafische Mittelmaß ist nicht die Rede, keineswegs. Die Konkurrenz war nur mit neuen optischen Features wieder einen Schritt voraus. In einem Jahr kann sich halt technisch verdammt viel bewegen...
Nichtsdestotrotz ist "Halo" unter den alten Ego-Shootern immer noch ein schöner, spaßiger und auch kultiger Titel. Und das nicht nur, weil man in die Rolle des Master Chief, ein genmanipulierten Elite-Soldaten, schlüpft.
Die Menschheit befindet sich Krieg mit einer Alien-Spezies, die sich selbst die "Allianz" nennt. Diese agressive Lebensform erobert und unterwirft andere Welten, auch einige Außenposten der Menschen sind unter ihnen zum Opfer gefallen. Auf einer ringförmigen Welt namens "Halo" kommt es zur großen Schlacht zwischen beiden Parteien. An forderster Front: der Master Chief. Er dringt während seines Kampfeinsatzes immer tiefer in das Herz von "Halo" hinein und findet heraus, dass sich hinter dieser Ringwelt eine gigantische Waffe verbirgt. Eine Waffe, die zur Bekämpfung eines Feindes gebaut wurde, der noch gefährlicher ist als die "Allianz" selbst...
Die Ringwelt ist hübsch und sehr vielfältig gestaltet, mitunter auch recht offen, und Erkundungsfahrten-Fahrten bzw. -Flüge mit diversen Vehikeln machen richtig Laune (Ob sich die Herren von Crytec die eine oder andere Idee hieraus entnommen und in ihrem später erscheinendem "Far Cry" nur noch perfektioniert haben ? Wäre durchaus möglich.). Innerhalb geschlossener Räume dagegen muss sich der Spieler mit sich stark ähnelnden und nach ner Zeit etwas eintönigen Räumen arrangieren, die gerne mal einen ganzen Level ausfüllen. Das gleicht sich immerhin wieder damit aus, dass jeder Level mit einer neuen Location lockt und sich somit keine langfristige Monotonie einschleicht. Die unterschiedlichen Gegner-Typen der Alien-Allianz ist überschaubar klein - grob 5 bis 6 an der Zahl - und reicht von kleinen, relativ harmlosen Grunts über flinke Schakale bis hin zu stark gepanzerten Brutes. Was dem Spaß-Faktor aber keinen Abbruch tut, weil die Aliens während des Gefechts unterschiedliche Verhaltensreaktion zeigen. So nimmt ein einzelner Grunt gerne mal die Beine in die Hand und ruft nach Verstärkung, wenn seine anderen Kampfgenossen bereits das Zeitliche gesegnet haben; Schakale werden dank ihres fixen Tempos zu schwer Zielen, und der Brute nutzt seine Frontpanzerung zu seinem eigenen Schutz. Das teamorientierte Zusammenwirken der Gegner stellt allerdings die größte Herausforderung des Spielers dar, denn durch ihr taktisches Vorgehen werden die Aliens noch mal einen Tick gefährlicher. Die künstliche Intelligenz gehört somit zu den Besseren im FPS-Genre.
Technisch liegt "Halo" aus heutiger Sicht auf gerade noch akzeptablen Niveau. Mit knackscharfen Texturen oder besonderer Tiefenwirkung kann es nicht aufwarten, vereinzelnde Spezialeffekte wie Laser-Barrieren, Schutzschilde o.ä. und eine gute Weitsicht sind da schon netter anzusehen. Die spieleigene Physik dagegen ist in Relation zum Alter des Spiels auch heute noch gut: Der Jeep-ähnliche Warthog kommt bei heftigen Lenkmanövern realistisch ins Schlingern, ebenso werden Gegner und fahrbare Untersätze nahe einer Explosion meterweit weggeschleudert. Feuergefechte und (un)freiwillig herbeigeführte Fahrunfälle treiben die Spielfreude deutlich in die Höhe.
Grafisch war "Halo" noch nie ein Kronjuwel, aber wo steht denn geschrieben, dass sich Spielspaß ausschließlich in einer Highend-Engine versteckt ?
Die Steuerung funktioniert tadellos und entspricht Standards. Das Dirigieren der Spielfigur und Fahrzeuge bereitet keine Probleme, gleiches trifft auch auf die Bedienung der Schießprügel zu. Besondere Features gibt es nicht.
Absolut herausragend ist allerdings der Sound. Die deutsche Lokalisation ist vorbildlich atmosphärisch und fehlerfrei, die Klang-Effekte ausgefeilt, druckvoll und vielseitig. Akustisches Highlight ist definitiv der orchestrale Soundtrack. Schon anhand des Titel-Scores im Spielmenu bekommt man einen Vorgeschmack auf eine musikalisch packende Meisterleistung, die im Videospielbereich eher selten ist.
Der Spielverlauf von "Halo" ist dank gutem Missionsdesign, fairem Schwierigkeitsgrades und der spannenden wie wendungsreichen Story angenehm flüssig. Statt mit minutenlangen Zwischensequenzen zu berieseln, wird die Handlung größtenteils durch zahlreiche Funkdialoge vorangetrieben. Das verstärkt das "Mittendrin"-Gefühl und lenkt nicht unnötig vom Spielgeschehen ab. Mit 10 sehr groß geratenen Levels ist die Solo-Kampagne erfreulich umfangreich (ca. 10 - 15 Stunden).
Fazit:
Für ein paar Euros kann man sich diesen alten Klassiker ruhigen Gewissens antun. "Halo" ist kein perfekter Shooter, von einem mittelprächtigen Baller-Spielchen ist es aber ebenso weit entfernt. Story und Musik schaffen kinogleiches Feeling, und von ausbleibenden Grafik-Höhenflügen mal abgesehen erlaubt sich das Abenteuer rund um den Master Chief keine gravierenden Fehler. Action-Fans investieren hier in ein spielenswertes Stück Shooter-Software.