Es fällt mir schwer etwas negatives über Prinz Pi zu schreiben, da ich ihn sonst so schätze für das was er macht und kann. Nachdem ich mir die Platte, von der ich mir sehr viel erhoft hatte angehört hatte, musste ich mir erst einmal selbst erklären, woran es liegt, dass sie mir dann noch nicht wirklich gefällt - schließlich bin ich ein großer Fan von Prinz Pi und auch schon immer ein Fan von Rap mit guter "echter"* Musik gewesen. "Jazzmatazz" lief bei mir genauso rauf und runter wie "en directo", auch "Fanta 4 unplugged" fand ich damals ganz gut. Woran liegt es also, dass mir Prinz Pi bei diesem Versuch nicht gefällt? Eine Antwort auf diese Frage fand ich, als ich darüber nachdachte, warum mir Pi denn sonst eigentlich gefällt. Pi gefällt mir wegen seiner Texte. Wegen der inteligenten Reime, den Worzspielen und der Fähigkeit, diese möglichst klar zu präsentieren. Im Gegensatz zu Rappern aus "meiner Zeit", (z.B. Dynamite Deluxe und Freundeskreis)hat Pi das Texte schreiben perfektioniert. Seine Texte wirken durchdachter, erwachsener - man hat bei ihm nicht so oft das Gefühl, dass er gar nicht weiß von was er da spricht. Genau das gibt mir ein gutes Gefühl. Trotzdem hat der Rap "aus meiner Zeit" auch seine Vorteile. Rapper wie Samy Deluxe oder Max Herre verstanden es damals auf jedem neuen Lied, bei jedem neuen instrumental ihren Rap-Rhythmus (oder das was man gemeinhin Flow nennt) dem Beat anzupassen. Prinz Pi dagegen rappt auf allen 13 Alben die ich von ihm besitze eigentlich mit dem gleichen Rhythmus. Immer im Takt, aber niemals zum Beat. Für die Beats, wie ich sie bisher von ihm kannte war das perfekt. Die Beats unterstützten den Gesamteindruck der "Klarheit", es fiel einem wesentlich leichter, die Texte zu geniesen. Pi's Musi wirkte dadurch immer wie perfekte moderne Poesie. Aber warum passt das auf diesem Album nicht? Warum klingen Rapper wie Guru oder Max Herre auf "selbstgespielten" Beats so viel besser als auf Samples während Pi nur auf Samples gut klingt? Hier muss man leider sagen. Je variabler - ja je vordergründiger die Musik bei einem Rapstück ist, desto wichtiger ist es, dass Sprechrhythmus, aber auch musikalische Intervalle passen - Und bei Pi passen sie nicht. Pi trifft nicht alle Töne, Pi hat kein überdurchschnittliches Rhythmusgefühl. Die Fähigkeit, einen Takt zu halten alleine reicht leider einfach nicht aus.
Eine weitere schwäche des Albums ist die Art, wie es aufgenommen wurde. Man hört deutlich, dass Pi ohne großen Druck in der Stimme in ein sehr empfindlich eingesteltes Mikrofon rappt. Dadurch verliert er noch etwas an Stimmvolumen - dadurch tendiert man noch mehr dazu, ihm Töne nicht zu verzeihen, die er nicht trifft.
*Es soll hier kein Gegensatz aufgebaut werden, wo keiner ist. Die Arbeit, die gute Producer im HipHop Bereich leisten, weiß ich auch sehr zu schätzen, auch dann, wenn sie ihre Beats nur aus Samples zusammenbasteln.