, die neue Platte der Schweizer, ist bereits das 7. Studioalbum der Musiker um Sänger/Produzent Oliver Guz Maurmann. 13 Tracks, die alle Facetten dieser einzigartigen Band zeigen. Stilprägend ist die besondere Fähigkeit, mit Musik Geschichten zu erzählen, Text und Töne zu einem größeren Ganzen zu verbinden. Die alten Stärken, Bläsersätze, die den Sound nach vorn bringen, treffen auf großartige Melodien, charmante Texte, meist über die Situation der Generation der 35- bis 40-Jährigen, auf kleine Absurditäten. Vielfalt, Originalität und Einzigartigkeit stellen wichtige Elemente des Aeronauten-Sounds dar. Der Opener
zeigt, wohin die Reise geht: Die Aeronauten sind und bleiben sympathisch und wahrheitsliebend, ihre Musik zeitlos gut und extrem tanzbar.
Pressestimmen:
RCN-Magazin
Jahre zuvor hatten sie sich (im doppelten Wortsinn) auf Französisch verabschiedet. Jetzt sind die Aeronauten auf Deutsch (und etwas Franszösisch und Schwizerdütsch) zurück und das ist gut so. Die Texte sind erneut großartig: ironisch, melancholisch, präzise, schroff, ohne ein überflüssiges Wort, Katastrophen allenfalls zwischen den Zeilen. Sie sind hochpoetisch, obwohl sie natürlich tun als wären sie alles andere. Nebenbei werden hohle Schlagwörter ums "Maximum Future Investment" entlarvt, allein der Ansprachen-Räusperer ist hier schon Klasse. Genres verwenden Olifr und Freunde spielerisch und kongenial zum Text. Außer Skatrompete schauen diesmal Hardcore oder Western herein, alles rockt gewaltig. Vor 15 Jahren zum "Kreuzzug gegen alles" aufgebrochen, laden sie jetzt zur Reise ans "Ende der Nacht", denn man habe "alles schon gesucht" doch es sei "gar nicht da" gewesen. Klingt ja ganz schön abgeklärt. Eine CD aus der Schweiz, zu deren Ankauf ich dringend rate, sie kostet auch keine 2 Millionen.
Wahrschauer
Die Aeronauten, yeah yeah und nochmals yeah! Das Schweizer Indierock-Sechstett, das seit Anfang der 90er seine üppigen Hits produziert, ist mit seiner 7. Langspielplatte "Hallo Leidenschaft!" wieder oben auf und spielt uns Lieder von da unten, immer noch mit dem erhabenen Gefühl von charmant daneben. Bei dem Cover möge man zunächst nach zeit- und altersgemäßer Relevanz fragen: Sechs alte Häuser sind um ein Auto herum aufgebaut, um es nach alter Schule zu knacken. Knack. So öffnet man den CD-Spieler und ein Bier und los geht die Fahrt: Tadadadammm! "Hey hallo Leidenschaft - ich warte hier Tag und Nacht darauf, dass Du endlich reinkommst!" Diese rohe Ehrlichkeit macht froh. GUZ, der unter jenem Pseudonym bestimmt genauso viele Alben gemacht hat, kann man nur lieben für seine herrlich nölige Sangesart, mit der er gern die großen Themen Liebe und Kapitalismus unter ein und dasselbe Dach und Fach bringt. Da wimmelt es von gebrochenen Psychogrammen, die mitunter nur an Geld und Sex denken und das Herz gern gänzlich anderen überlassen. Seine Texte erinnern auch an fühere Themen, mit dem Unterschied, dass es jetzt alles in praktizierterer Form rüberkommt. Da stehen jetzt handfeste Charaktere hinter den Alltagsbeobachtungen und es ist schön, nicht auf dem Teller serviert zu bekommen, ob sie sympathisch authentisch sind oder nicht. Denn dass diese Stellen offen bleiben, macht die Sache kitzelig provokant. ROGER, Sänger No.2, ist für die luftig schmachtenden Liebeslieder verantwortlich, die hier zum einen auf französisch, als auch zum ersten Mal auf schwiezerdütsch erscheinen. Dramaturgisch stilistisch begibt man sich auf eine gut arrangierte, wilde Rutschfahrt mit integrierter Kalt-Warm-Dusche für Gesäß und Beine. Wir hören Rock´n´Roll ("Feuer der Liebe", "Hahaha", "Isabelle", "Maximum Future Investment") und fast auch schon Rockabilly ("Herz") unter lustigen wie frustigen Liebesliedern. Wir hören Punkrock ("Schatten"). Wir hören bläserdominierende Songs und Instrumentalstücke ("Ehrenbär", "Immer Dasselbe", "Ambiance Scandale"), die lustigerweise teils fast schon an eine Latenight-Backing-Band oder an Sitcom-Musik wie Seinfeld erinnern, nur dass die Hauptakteure Die Errornauten sind: "Prekär in der Schweiz" fänd ich als Arbeitstitel schlicht nicht schlecht. Wir hören sogar auch eine Art dreckigen Housetrack, der in seiner Art doch überhaupt nicht "The Whitest Boy Alive" ist und ansonsten mit nur einem Satz alles Treiben zusammenfasst: "Nähe herstellen" ist einbaubar in ein House-DJ-Set. Wir hören von Träumen, Stress, die Langeweile und Genervtheit, vom Sieg über den Zynismus, dass man alles nicht nur einmal schon gesehen hat und dass man nun ohne Angst seinen Weg heimsucht in ein schönes Morgen am "Ende der Nacht". Wir hören eine aufregende Platte. Und dann ist es soweit. Der "Lärm und Stress" verstummt, die Türen schließen und der Luftzug pfeift zur Abfahrt. Sch-sch-sch-sch. Eine alte Lokomotive mit Flügeln erhebt sich in die Nacht. Im roten samtverkleideten Speisewagen sitzen Guz und seine Kumpels, trinken und schauen ab und zu verträumt durch die Fenster hinab zur Erde. Um Himmels willen, Aeronauten! What a feeling! Als wäre die ganze Platte nur für diesen Song aufgebaut. Zum Heulen schön und bei mancher Härte härtester Effekt. Nehmt mich mit! ("Marvin")
Westzeit
Das 7.Studioalbum der Schweizer Formation um Sänger / Produzent Oliver „Guz“ Maurmann schafft es mit großartigen Absurditäten, trotz diverser Bläsersätze, das Leben der `midlife-kriselnden-jubilierenden´ Menschen zu beleuchten. Auf der scheinbar unendlich großen Spielwiese von Rock, Punk, Soul, Country, Beatmusik & Geschrabbel, irgendwo im Universum zwischen gehaltvollen Texten, Selig, Lindenberg, TSS oder Bosse verbreiten die 13 Tracks kurzweilig die Illusion, dass es tatsächlich möglich ist, zeitlose Sounds auf CD zu bannen. Tweenies werden sicher öfter hinhören müssen, die „ältere“ Generation aber wird durchweg begeistert sein. Charmant und wirklich voller Leidenschaft!
Plattentests.de
Am Rand des Schweizer Universums Wenn Marvin im Restaurant am Ende des Universums aus Douglas Adams' Anhalter-Trilogie nicht nur ein deprimierter Roboter, sondern auch ein mit allen Wassern gewaschener Kapellmeister wäre, dann würde seine Truppe sicher lakonische Geschichten vom Leben zwischen schrecklichen Gedichten und automatischen Türen erzählen. Nun sind Die Aeronauten aber keine Roboter, sondern eine Schweizer Band, und das Ende des Universums ist allen Unkenrufen zum Trotz auch noch nicht in Sicht. Und so sind ihre Geschichten eher kleine Anekdoten von Glück, Unglück und den Wünschen der langsam ausbleichenden Generation Golf. Musikalisch wirkt "Hallo Leidenschaft" eher als das Marvin fehlende Antidepressivum. Neben dem obligatorischen, bläsergetriebenen Schrammelpop von "Hahaha" gibt es zwar auch das zwischen NDW-Reduktion und Jazz wabernde "Nähe herstellen", und das Instrumental "Marvin" schließt dieses Album sogar ähnlich kühl und traurig wie der Blechkamerad ab. Aber ansonsten setzt es wie gewohnt meist gute Laune - sei es mit Rock'n'Roll-Einschlag, ein paar Tupfern Ska oder Distelmeyer-Momenten. Nostalgie kommt beim Punkrocker "Schatten" auf, das von den Lurkers im Original unter dem Titel "Shadow" bereits 1977 eingespielt wurde. Aber 33 Jahre ist zum Glück kein Alter für einen guten Song - und die Allerjüngsten sind Die Aeronauten schließlich auch nicht mehr. Trotzdem trauen sie sich immer noch in ungewohnte Richtungen, wie das in Mundart gesungene "Womunidure" oder "Ambiance scandale" beweisen, dessen französischer Sprechgesang wunderbar zum Laissez-faire passt, das die Schweizer mit ständigen Wechseln zwischen Großstadtpop und Chansonstimmung inszenieren. Wobei das Leben in der Großstadt mit all seinen Facetten hier ohnehin ein Kernthema ist: "Der Geruch der Stadt, der Geruch von Geld, der Geruch von Sex, so riecht meine Welt." Da klingt zwischen den Zeilen das Kleinbürgertum durch, so erträumt sich Otto Normalverbraucher, wie es sein könnte. Wenn dazu in einem Song wie "(Wir wollen) immer dasselbe" der ironische Abstand mitunter schwer zu erkennen ist, hilft es auch nicht gerade weiter, wenn die Musik an Schlager erinnert. Doch die Gäste in irgendeinem Restaurant kurz vorm Ende des Universums, die auf der langen Reise bis ans "Ende der Nacht" sind, hören vielleicht schon gar nicht mehr richtig hin: Irgendwann muss man ja auch was Anständiges essen. Und Die Aeronauten tischen ordentlich auf.