Grundsätzlich ist dieser Quellenband eine schöne Idee. Magier gehören zur Spielwelt dazu und die Akademien spielen interessante und wichtige Rollen (selbst für Abenteurer, die keine Gildenmagier sind).
Deshalb erst das Positive vorneweg:
- die Zusammenstellung ist gelungen. Einige wirklich wichtige Akademien werden vorgestellt und auch manche, die seltener von Spielern gewählt werden (was sich jetzt vielleicht ändern wird). Somit ist auch gewährleistet, dass der zweite Band interessant werden wird und nicht mit den Stiefmutter-Schulen bestückt ist.
- vielleicht die größte Stärke des Buches ist, dass es auch für Spieler interessant ist, deren Magier nicht von einer der beschriebenen Akademien kommen. Der erste Teil des Buches beschreibt die Akademie im allgemeinen, was jedem Magierspieler zu Gute kommt. Auch weckt es die Neugier auf Möglichkeiten wie Zweitstudium, Gastvorträge oder schlicht und einfach Besuche an den im zweiten Teil des Buches beschriebenen Schulen.
- schön ist auch, dass genaue Auflistungen der Dienstleistungen der einzelnen Schulen (und die dazugehörigen Preise) mitgeliefert werden (was zumindest dem Spielleiter einiges erleichtern sollte).
- manche (!) der Grundrisse, Gebäudezeichnungen und Beschreibungen sind einfach toll (insbesondere die Ausarbeitung der "Al'Achami hat hier ein Lob verdient). Hier hat man mitunter versucht, auch die Kultur der jeweiligen Standorte zu berücksichtigen, was im Regelfall gelungen ist. Leider gibt es auch Grundrisse (wie Brabak), bei denen an der Detailfülle seeeeehhhhr gespart wurde.
- Auch die kurzen Anmerkungen über die Stellung der Zauberschulen in der Welt, Gesellschaft und bei den anderen Gilden war interessant zu lesen und arbeitet die Unterschieden zwischen solchen Akademien im Ansatz ganz gut heraus.
- die Abenteuerideen können schöne Anregungen geben, sind aber unnötig, da allein die Beschreibungen den Ideenreichtum von Spielleitern anregen sollte.
Leider herrscht auch hier die altbekannte DSA-Regelwerkproblematik vor: viel Vertrautes - selten neu verpackt:
- zugegeben - viele schöne neue Bilder ... aber auch solche, die man schon in drei oder vier anderen Regelwerken gesehen hat. Vielleicht hätte man besser eine Seite pro Akademie mehr geschrieben und auf die verstaubten und hinlänglich bekannten Zeichnungen verzichtet.
- was mich persönlich am meisten ärgert ist, dass sich oben genanntes Bildproblematik auch auf die Texte bezieht. Beispielsweise beim Eintrag zur "Schwert und Stab". Der Text mit den "Ohrfeigen, Rohrstöcken und dem magischen Feuer unter dem Hintern der Schüler" ist von 1999 (zumindest hab ich ihn da das erste Mal gelesen). Er wurde dann für "Wege der Helden" aufgewärmt und hier find ich ihn schon wieder ... Wieso? Fällt der Redaktion in elf Jahren keine neue Umschreibung für harte Lehrmethoden ein? Wieso muss ich das, was ich schon wußte nochmals lesen? Dafür muß ich keinen Quellenband kaufen. Es fehlt einfach an Variation und Phantasie. Man hätte das in einem Augenzeugen- oder Erlebnisbericht (vielleicht auch aus der Sicht eines Nicht-Magiers oder eines Gastes von einer anderen Gilde) umschreiben können, die Haus- und Schulordnung abdrucken können, eine Kurzgeschichte daraus machen können usw. Schade. Aufgewärmte Bilder und aufgewärmte Texte.
- eine Kurzbeschreibung der wichtigen Personen an den Akademien ist eine schöne Idee und gefällt mir auch, da es den Spielern die Möglichkeit gibt ihre Helden mit Personen (eventuell auch Lehrmeistern) zu verknüpfen, die es "wirklich" innerhalb des DSA-Universums gibt. Aber hier spart das Buch leider mit Informationen. Schön wären ein paar Werte gewesen. Welchen Erfahrungsgrad hat dieser Lehrer? Was kann der Held von ihm lernen? Welche Zauber spricht er und wie gut (es handelt sich immerhin um Magier)? "Hallen arkaner Macht" beschränkt sich auf Namen, Lebensdaten, drei Worte zum Charakter oder Aussehen (manchmal auch beides, wenn man Glück hat ... mein Favorit ist: Demelioe Nandoiella Terbysios (*965 BF, noch immer blonde Haare, eisgraue Augen)" ... toll ... und so vielsagend), und einigen Informationen für den Spielleiter (bezüglich der Motivation und der Art und Weise der Darstellung des NSC). Ein paar der oben genannten Informationen wären schön gewesen (meinetwegen wie die im letzten Abschnitt der "Geographia") ... Naja ... vielleicht im nächsten Band.
Fazit: Eigentlich drei Sterne und einen halben wert ... also zwischen gut und befriedigend. Manche Akademien kommen echt gut weg, machen Lust auf ein Abenteuer dort und sind mit Phantasie und merklicher Freude der Verfasser an ihrer Arbeit beschrieben. Und manche Einträge überliest man ganz einfach (ohne es zu wollen), weil sie nichtssagend oder längst vertraut sind. Dafür empfehle ich die Lektüre der Einschübe (die grau unterlegt sind). Hier stehen viele schöne Informationen drin, die der Haupttext vermissen läßt. Alles in allem ein ganz guter Quellenband, dem es aber an "Text-Frische" mangelt. Manchmal gewinnt man einfach den Eindruck, als habe man sich bemüht möglicht viel zu schreiben und möglichst wenig auszusagen. Konzentriert man sich bei der Lektüre auf die Randnotizen und Einschübe, erhält man aber etwas für sein Geld (zumindest wenn man einen Magier spielt). Und mir gefällt das Hogwarts-Titelbild (Zauberschüler auf Hypogreif über Zauberschule - cool :-))