Rückblickend betrachtet ist "Halleluja" vermutlich das einschneidendste Werk in Westernhagens Karriere. Nach einigen Durchhängern in den 80ern war dieses Album ein grandioser Erfolg. Schlagartig stand er wieder vor riesigen Zuschauermassen, wurde überpräsent und so zu dem Stadionrocker, für den ihn heute so viele Leute abstempeln und ablehnen. Letztendlich hat er fortan versucht, diese Erwartung zu erfüllen, und so gerieten die Nachfolgealben "Jaja" und "Affentheater" im Wesentlichen zu Plagiaten des eigenen Schaffens, um die Mainstream-Erwartungshaltung zu erfüllen, die er mit "Halleluja" losgetreten hat. Dafür kann man Westernhagen entweder schätzen oder hassen, das bleibt jedem sich selbst überlassen.
Dennoch müssen selbst die Kritiker zugeben: "Halleluja" ist ohne jeden Zweifel eine Scheibe mit verdammt guter deutscher Rockmusik! Die Texte sind direkt und unverblümt wie zur großen Zeit Ende der 70er (beste Beispiele: "Sexy", "Lieben werd' ich dich nie"), die Synthie-Experimente sind passé, musikalisch hat der Bluesrock Vorfahrt, und obendrein ist auch noch der Klang beeindruckend brilliant. Bemerkenswert ist "Der Chor der Blöden", ein gesellschaftskritischer 8-Minuten-Track, der aus dem Rahmen fällt und dessen Wirkung sich erst nach und nach entfaltet - ein wahrer Anspieltipp für alle Westernhagen-Gegner. Insgesamt reiht sich ein gelungener Song an den nächsten, einzig die Ballade "Engel" hinterlässt bei mir trotz gutem Text aufgrund des etwas zu hohen Kitsch-Faktors einen faden Eindruck.
Man darf dieses Album nicht abstrafen, weil Westernhagen sich dem Kommerz unterworfen hat. Hat er ja gar nicht, er hat einfach nur das gemacht, was er zum damaligen Zeitpunkt für das Richtige hielt. Das Ergebnis ist begeisternd, famos und absolut zeitlos. Zeitloser als alles, was wir von ihm danach zu hören bekommen sollten.