Aufgabe für die Spezialisten: Was kommt bei raus, wenn sich Refused, Mr. Bungle, Pantera, Helmet und Entombed zum gemütlichen Kaffeekränzchen treffen? Minus! Weiss ich seit einigen Tagen, als mir ein Studi Kollege folgende Cd mit Namen Halldór Laxness in die Hand drückte. Und er sprach: Struktureller Lärm im unstrukturellen Chaos auf allerhöchstem Niveau. Klingt komisch? Ist es auch ...
Minus kommen aus Island. Und das die da keine normale Musik machen können, weiss man ja spätestens seit der verqueren Björk, den merkwürdigen jungen Burschen von Sigur Ros oder auch den Electro Fricklern GusGus. Irgendwie scheinen die ja alle nicht von dieser Welt. Eine andere Gemeinsamkeit; allesamt fabrizieren wundervolle Musik. Wobei sich Minus, oh freude, sehr gut ins Gesamtbild einfügen können. Nicht betont ruhig, sondern die andere Extreme nutzend; chaotisch rockend.
Im groben spielen Minus Post Hc mit gelegentlichen Death'n'Roll Einschüben. Sehr deftig, kompakte Riffs + Jazz Elemente + knallhartes Drumming + eine Stimme die nach M. Patton auf Speed klingt ergibt eine wirklich äusserst interessante Mixtur...
Einen guten Magen sollte man auf jeden Fall mitbringen, denn man hat es hier ohne Zweifel mit waschechten Psychos zu tuen. Bei aller Dissonanz und verstörender Klänge, wissen Minus aber auch um ihr Talent schöne Melodien zu komponieren. Ein roter Faden ist also erkennbar ... Den Teufel sucht (und findet) man allerdings eher im Detail. Es gibt zuhauf nette Überraschungen, welche geschickt zwischen die ein oder andere Melodie gestreut werden um den Zuhörer zu packen und vom eigentlichen Weg abzubringen. Dem Ideenreichtum scheint dabei keine Grenzen gesetzt: sei es ein Black Metal ähnliches Zwischenstück, härtester Thrash-Core, eine total kaputte Jazz Darbietung und alles passt und sitzt perfekt. Kurz; harmoniert. Katie Jane Garside aka "Krummi"'s Vocal Arbeit ist dabei recht abwechslungsreich und von überdurschnittlicher Qualität. Shouts und Growls werden genauso geboten wie cleane Parts, wobei er sich ganz klar M. Patton als Vorbild genommen hat.
Einfach hat man es mit dieser Band aber nicht ... denn auch wenn es die Ohrwürmer gibt, suchen muss man sie schon und richtig entfalten wollen sie sich dann auch noch. Zum Anfang wirkt alles doch sehr zerfahren. Spätestens aber nach drei - vier Durchläufen sollte man die ersten Highlights ausmachen können. "Angel in Disguise" knallt wie Hölle. "Who's hobo" walzt in Entombed Manier alles nieder und im doch recht konventionell gehaltenen Hc Track "The Long Face" überraschen Minus mit einer wundervoll arrangierten Jazz-Saxophon Darbietung.
Minus sind eine stimmige HC Band. Sie erfordern ein wenig Einarbeitunszeit, bieten dafür aber Abwechslung, vielerlei Überraschungen und Langlebigkeit. Ein feine Mischung aus Noise und straighter Hc Mukke.