Das ist Hallam Foes(Jamie Bell) ewiger Vorwurf an seinen Vater Julius(Ciaran Hinds), seine Stiefmutter Verity(Claire Forlani) und sich selbst. Dabei geht es um den Tod von Hallams Mutter. Sie hat Selbstmord begangen, aber Hallam glaubt, dass Verity sie umgebracht hat. Hallam hat ihren Tod nie verwunden, ist sonderbar, ein Einzelgänger. Er verbringt die meiste Zeit in einem Baumhaus und beobachtet andere Menschen mit dem Fernglas. Das, was er als Spanner sieht, notiert er akribisch.
Als die Konfrontation mit Verity auf einen neuen Höhepunkt zusteuert und in einer, jedenfalls für Hallams Selbstverständnis, absoluten Katastrophe gipfelt, haut Hallam ab. Er flieht nach Edinburgh und verliebt sich schon am ersten Tag in eine Unbekannte. Kate(Sophia Myles) sieht seiner toten Mutter unglaublich ähnlich. Hallam spioniert ihr nach, beobachtet sie durch sein Fernglas, klettert auf das Dach ihrer Wohnung und sieht ihr durchs Fenster zu. Dann sucht er ihre Arbeitsstelle als Concierge in einem Hotel auf. Er bewirbt sich um einen Job und wird Tellerwäscher. Sein Baumhaus ersetzt er in Edinburgh durch ein verlassenes Turmzimmer hinter einer riesigen Uhr. Er lernt Kate besser kennen, kann es aber nicht lassen, sie zu bespitzeln. Bald erkennt Hallam, dass man das Leben nicht ständig durch ein Fernglas betrachten kann. Er muss seine Sichtweise ändern und ins richtige Leben treten. Aber das ist schwerer, als Hallam ahnt. Und so endet sein Ausflug ins Leben zunächst im Himmel und dann in der Hölle. Die Schuld gibt Hallam allein Verity und er beschließt, sich zu rächen...
David Mackenzie hat mit Hallam Foe eine ruhigen, nachdenklichen Film mit Tiefgang geschaffen. Von den Problemen des Erwachsenwerdens, einem krankhaften Voyeurismus samt Ödipuskomplex und einer zarten, sonderbaren Liebe, deren Zukunft ungewiss ist, handelt sein Hallam Foe. Weshalb die deutsche Verleihfirma dem Film den seltsamen Untertitel -anständig durchgeknallt- gegeben hat, wird vermutlich für immer ihr Geheimnis bleiben. Eine selten schwache Wahl!
Jamie Bell spielt den Sonderling Hallam wunderbar. Für meine Verhältnisse wird er von Sophia Myles dabei noch übertroffen. Ihre Darstellung der Kate ist so zerrissen wie authentisch. Mit Hallam Foe hat Mackenzie einen würdigen Berlinale-Beitrag geschaffen. Neben einer Handvoll guter Schauspieler, einem kreativen Drehbuch und einer interessanten Story ist es vor allem der Soundtrack, der Hallam Foe zu einem echten Filmerlebnis werden lässt.