Lobeshymnen sind in Amazon-Rezensionen mittlerweile weit verbreitet, wirken meist unerhört unkritisch, zeugen mitunter sogar von erschreckend wenig Ahnung und mutieren so zum seltsamen Labbereinheitsbrei. Man traut sich daher kaum noch, etwas mit viel Herzblut hochzujubeln! Aber natürlich gilt noch immer: Ehre wem Ehre gebührt! Deswegen sei hiermit auf ein außergewöhnliches Werk hingewiesen.
Das Album Halim von Natacha Atlas ist von einer solch unbegreiflichen Schönheit, dass man nicht umhin kommt, es lobend zu erwähnen. Wer alle Alben der Ausnahmekünstlerin besitzt, wird vielleicht erkennen, dass Halim eine Perle darstellt. Nirgendwo sonst ist einzigartige Mischung aus traditionellen nordafrikanisch-arabischen und modernen Klangmustern so ausgezeichnet gelungen.
Ohne in in die esoterische Ecke abzudriften, kann eines festgestellt werden: Manche Lieder entfalten eine fast schon hypnotische Wirkung, nehmen als Hörer dermaßen gefangen, dass sie noch lange in einem nachwirken. Nicht alles ist dem Gehör allerdings schnell zugänglich.
Es lohnt sich, die Zeit zu nehmen. Wer sich auf die Titel einlässt, findet besinnliche Nummern (Gafsa) ebenso wie tanzbare Ohrwürmer (Amulet).
Die arabisch-spanische beziehungsweise arabisch-mediterrane Stilrichtung kommt seit Jahren immer mehr in Mode und zieht deutlich größere Kreise.
Eine Natacha Atlas hat vermutlich in Mitteleuropa trotzdem nicht die Bekanntheit eines Amr Diab oder Cheb Khaled.
Die Musik der in Belgien aufgewachsenen Atlas liegt glücklicherweise im Anspruch weit darüber. Halim ist vielleicht so etwas, wie ein frühes musiklisches Vermächtnis. Diese hinterlässt mit der Ausnahme-Scheibe etwas, das nur wenigen gelingt: Musik von Größe und Bedeutung.