Na endlich, dachte ich. Hatte ich doch erst vor kurzem Madeleine Peyroux neuestes Werk im Radio gewonnen, wo man ihr jüngstes musikalisches Schaffen kurzerhand zur "CD der Woche" gekürt hatte. Nachdem ich bereits ihre beiden ersten Alben "Dreamland" und "Careless Love" mein Eigen nennen konnte, war ich auf das Äusserste gespannt.
Hier auch gleich der erste Vorschlag: Hören Sie sich "Half the perfect world" möglichst in Ruhe an. Und möglichst mehrere Male. Nur dann werden Sie in der Lage sein, ein vernünftiges Urteil zu fällen.
MEIN erster Eindruck war schlichtweg enttäuschend. Damit Sie mich richtig verstehen - hätte ich in meinem Leben noch NIE etwas von ihr gehört, wäre ich wahrscheinlich in Begeisterung verfallen, ob der ausgefeilten Arrangements, ihres warmen Timbres und des weichen instrumentalen Klangbilds ihrer gecoverten, wie eigenen Songs. So stellte ich allerdings relativ schnell für mich fest: Das ist zwar gut - aber irgend etwas essentielles konnte sie ihren bisherigen Scheiben dann wohl doch nicht mehr hinzufügen.
Selbstverständlich kann man sich fragen, ob ein neues Album selbigen Anspruch immer erfüllen muss - aber stellen sie sich doch die Leichtigkeit eines in den höchsten Sphären schwebenden Luftschiffes vor - gigantisch aufgeblasen - um dann doch an der ersten besten Wolke hängen zu bleiben. Die sogenannte Leichtigkeit des Seins könnte da schnell unerträglich werden.
Ungefähr so könnte es ihnen mit "Half the perfect World" ergehen. Die Lieder auf Madeleine Peyroux neuem Album scheinen nicht mehr den Tiefgang und die Genialität des Vorgängers und den Aha-Effekt des Erstlings zu besitzen. Alles in allem ist das zwar sehr schön - wirklich schön - sehr luftig und auch sehr leicht und wesentlich positiverer Grundstimmung als noch auf den ersten beiden CDs. Aber es ist eben nichts, was einen so richtig bewegt. Man stellt ernüchtert fest, das die Brillianz eines neuinterpretierten "Dance Me To The End Of Love" hier nicht einmal ansatzweise erreicht wird. Was nicht heissen soll, dass es keine positiven Überraschungen gibt - ob es sich um das ironische "I'm Allright", das fragile "Everybody's Talkin" oder das von Till Brönner vortrefflich mitgeblasene "Smile" handelt - die Songs wissen sehr wohl zu gefallen, hinterlassen aber keinen bleibenden Schaden.
So bleibt es nach mehrmaligem Hören wie es ist. Wem bereits die ersten beiden Alben gehören und begeistern, der wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob er die dritte wirklich braucht. Wer jedoch noch nicht viel von Madeleine Peyroux gehört hat, den wird "Half the perfect world" mehr als nur zur Hälfte zufriedenstellen.