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3.0 von 5 Sternen
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, 20. September 2006
Na endlich, dachte ich. Hatte ich doch erst vor kurzem Madeleine Peyroux neuestes Werk im Radio gewonnen, wo man ihr jüngstes musikalisches Schaffen kurzerhand zur "CD der Woche" gekürt hatte. Nachdem ich bereits ihre beiden ersten Alben "Dreamland" und "Careless Love" mein Eigen nennen konnte, war ich auf das Äusserste gespannt.
Hier auch gleich der erste Vorschlag: Hören Sie sich "Half the perfect world" möglichst in Ruhe an. Und möglichst mehrere Male. Nur dann werden Sie in der Lage sein, ein vernünftiges Urteil zu fällen.
MEIN erster Eindruck war schlichtweg enttäuschend. Damit Sie mich richtig verstehen - hätte ich in meinem Leben noch NIE etwas von ihr gehört, wäre ich wahrscheinlich in Begeisterung verfallen, ob der ausgefeilten Arrangements, ihres warmen Timbres und des weichen instrumentalen Klangbilds ihrer gecoverten, wie eigenen Songs. So stellte ich allerdings relativ schnell für mich fest: Das ist zwar gut - aber irgend etwas essentielles konnte sie ihren bisherigen Scheiben dann wohl doch nicht mehr hinzufügen.
Selbstverständlich kann man sich fragen, ob ein neues Album selbigen Anspruch immer erfüllen muss - aber stellen sie sich doch die Leichtigkeit eines in den höchsten Sphären schwebenden Luftschiffes vor - gigantisch aufgeblasen - um dann doch an der ersten besten Wolke hängen zu bleiben. Die sogenannte Leichtigkeit des Seins könnte da schnell unerträglich werden.
Ungefähr so könnte es ihnen mit "Half the perfect World" ergehen. Die Lieder auf Madeleine Peyroux neuem Album scheinen nicht mehr den Tiefgang und die Genialität des Vorgängers und den Aha-Effekt des Erstlings zu besitzen. Alles in allem ist das zwar sehr schön - wirklich schön - sehr luftig und auch sehr leicht und wesentlich positiverer Grundstimmung als noch auf den ersten beiden CDs. Aber es ist eben nichts, was einen so richtig bewegt. Man stellt ernüchtert fest, das die Brillianz eines neuinterpretierten "Dance Me To The End Of Love" hier nicht einmal ansatzweise erreicht wird. Was nicht heissen soll, dass es keine positiven Überraschungen gibt - ob es sich um das ironische "I'm Allright", das fragile "Everybody's Talkin" oder das von Till Brönner vortrefflich mitgeblasene "Smile" handelt - die Songs wissen sehr wohl zu gefallen, hinterlassen aber keinen bleibenden Schaden.
So bleibt es nach mehrmaligem Hören wie es ist. Wem bereits die ersten beiden Alben gehören und begeistern, der wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob er die dritte wirklich braucht. Wer jedoch noch nicht viel von Madeleine Peyroux gehört hat, den wird "Half the perfect world" mehr als nur zur Hälfte zufriedenstellen.
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht so rund., 11. September 2006
Es ist gute Kost, die man hier serviert bekommt, aber leider auch nicht mehr. Nach "Careless Love" war es vielleicht unmöglich, etwas Gleichwertiges und genauso Besonderes auf den Markt zu bringen. "Careless Love" habe ich sehr oft gehört, während mich dieses Album bereits beim ersten Mal reinhören nach der Hälfte schon etwas gelangweilt hat. Auch die Coverversion von Joni Mitchell's "River" fällt im Vergleich zum Original sehr deutlich ab, ohne Neues oder Interessantes hinzuzufügen. Ja schade, aber die Erwartungshaltung war offenbar zu groß. Ich finde selbst "Dreamland" besser, das auch an "Careless Love" nicht heranreicht. Bei dieser Gelegenheit kann ich gleich anmerken, daß mich an der von mir in Wien besuchten Liveperformance besonders gestört hat, daß Mme. Peyroux sich offenbar nicht besonders fürs Publikum interessiert, sondern bestenfalls gestattet, daß auch zahlende Zuhörer anwesend sind. Man könnte sagen, sie war der direkte Counterpart zu einer Victoria Tolstoy beispielsweise, die geradezu für das Publikum spielt.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Halb perfekt, 6. September 2006
Nachdem sie mit ihren letzten beiden Alben beinahe peinlich genau versucht hat, nicht nur dem Gesangs- sondern auch dem musikalischen Stil von Billie Holiday nachzueifern, legt Madeleien Peyroux, mit dieser Produktion, ganz eindeutig den Schwerpunkt auf die Entfaltung einer eigenen musikalischen Persönlichkeit. Keine Frage, dass sie sowohl eine außergewöhnliche Stimme hat, die den direkten Vergleich, nicht nur mit der vorher genannten Jazzgröße, nicht zu scheuen braucht. Auch ihre eigenwilligen Interpretationen eigener Kompositionen oder moderner Popsongs, die sie sanft in verträumte Jazzgefilde entführt beweisen musikalische Eigenständigkeit. Allerdings hat sie es leider versäumt dem Schritt in die Loslösung aus dem Übermächtigen Schatten von eben Billie Holiday etwas mehr mutige Entschlossenheit zu verleihen. Wie auf dem Vorgänger (Das wundervolle Dance me to the end of love) interpretiert Sie auch hier Leonard Cohen Songs. Doch die Songs hinken dem erstgenannten leider etwas hinterher und erreichen dessen traurig leichten Charme nicht ganz. Insgesamt bleibt das Album etwas zu sehr in einer einzigen Stimmung verhaftet. Eine träumerisch und schöne Stimmung zweifelsohne, doch schon mit ihrem Debut Dreamland hatte Madeleine Peyroux eigentlich bewiesen, das sie mehr kann und über eine breitere stilistische Vielfalt verfügt. Dennoch sind einige wundervolle Titel auf der CD versammelt, die Madeleine Peyroux mit Leichtigkeit über blasse Popjazzmiezen im Format einer Norah Jones oder Silje Nergaard (und wie sie alle heißen) hinausheben. Besonders reizvoll ist zum Beispiel ihr Duett mit der Kanadierin K. D. Lang River (von Joni Mitchell) oder auch ihr swingende Eigenkomposition California rain. Wie gesagt alles sehr hübsch, sehr schön aber eben nur Half the perfect world. Aber wer will auch schon eine perfekte Welt.
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