Ich bin ein wenig erstaunt über die negativen Bewertungen zu Half Nelson. Und ich kann absolut nicht bestätigen, dass es keinen Spannungsbogen gäbe.
Half Nelson ist einer der wenigen ehrlichen und ungeschminkten Filme, die ich kenne. Und die Charaktere sind mir beim Anschauen ans Herz gewachsen, wie ich es selten erlebt habe.
Die Hauptperson, besagten Lehrer, lernt man als engagiert kennen und bemüht, seinen Kids etwas mitzugeben. Erst im Verlauf des Films wird deutlich, wie schlecht es eigentlich um Lehrer Dan bestellt ist und wie labil er ist durch Drogenkonsum, Selbstzweifel, Liebeskummer. Er will seiner Schülerin Drey helfen, die von ihrem Cousin zum Dealen gebracht wird, aber was sollte er ihr sagen, was für ein Vorbild könnte er sein? Drey weiß, dass Dan Drogen nimmt. Und so versucht einer dem anderen zu helfen, trotz oder gerade wegen der eigenen Probleme.
Ja, es gibt keine Action, keine schmalzigen Liebesschwüre, keine übertrieben großen Gesten, keine unrealistische Ästhetik - endlich. Der Film lebt von Mimik und Gestik, dem Versuch der Protagonisten trotz widriger Umstände ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und mit den eigenen Dämonen fertig zu werden. Also der alltägliche Kampf der meisten von uns. Was könnte fesselnder und berührender sein als sympathische Menschen scheitern zu sehen?