Die vorliegende Studie ist die bearbeitete und erweiterte Neuauflage einer Promotionsschrift aus dem Jahr 1991, die mit dem Werner Hahlweg Preis für Militärgeschichte ausgezeichnet und in den großen deutschen Zeitungen (FAZ, Welt, Zeit) durchweg gelobt wurde.
Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte und war Leiter des Projekts
"Wehrmacht und Nationalsozialismus", aus dem u.a. seine bemerkenswerte Monographie "Wehrmacht im Ostkrieg" hervorgegangen ist.
Diese Biographie ist wegen der tragenden Rolle Halders als Chef des Oberkommandos des Heeres (OKH) bei der Planung und Durchführung der Feldzüge der Wehrmacht gegen Polen, Frankreich und Sowjetunion von besonderem Interesse. Darüberhinaus gelingt dem Autor eine klare Darstellung des OKH und des OKW sowie der jeweiligen Protagonisten. Somit gelingt ein aufschlussreicher Einblick in die Führungsspitze der Wehrmacht.
Der Autor zeigt zudem nicht nur die Verantwortung Halders während des Krieges auf, sondern analysiert die militärgeschichtliche Tätigkeit Halders nach dem Krieg, u.a. bei der Historical Division der US-Streitkräfte, die es ihm ermöglichte ein Bild von sich zu zeichnen, das nach dieser Studie keinen Bestand mehr hat.
Die präzise und sorgsame Arbeit mit den Quellen ist bemerkenswert und verschafft der Darstellung eine besondere Glaubhaftigkeit. Im Übrigen besticht die Arbeit durch ihre Stringenz und innere Logik, was wohl auch dazu führt, dass sie sich trotz des hohen wissenschaftlichen Standards spannend liest. Der Ton ist angenehm, nämlich nüchtern und sachlich. Dabei nie anklagend, jedoch sehr kritisch, bisweilen vielleicht zu kritisch.
Von besonderem Wert ist das vierzig seitige Nachwort zur Neuauflage, das den aktuellen Diskussionstand in der Geschichtswissenschaft nicht nur hinsichtlich Halder, sondern der Wehrmacht insgesamt sehr gut wiedergibt, schon allein deshalb lohnt die Lektüre.
Auch wenn die Untersuchung im Ergebnis ein recht hartes Urteil fällt, (vom Widerständler zu "Hitlers Helfer") ist es doch nach dieser Biographie grundsätzlich gerechtfertigt.
Insgesamt ist diese Studie auf wissenschaftlich höchstem Niveau, präzise, spannend und besonders aufschlussreich über die Führungsspitze der Wehrmacht.