Zusammen mit dem "Atman-Projekt", was etwa zeitgleich geschrieben wurde, ist dies das erste Buch des neuen Wilber, nach seiner Abkehr von der retroromantischen Sichtweise. (Früher war alles besser und der Mensch der Einheit noch näher.) Wo es im "Atman-Projekt" um die Stufen der Individualentwicklung geht, befasst sich "Halbzeit der Evolution" mit der Kollektiventwicklung. Wilbers Stärke ist es, eine Vielzahl an Stimmen überzeugend zu einer Synthese zusammenzuführen und mit dieser Synthese etwas Neues zu schaffen. So sind Wilbers Thesen zwar neu, aber doch streckenweise so überzeugend, daß man sich manchmal fragt, warum man nicht schon viel eher darauf gekommen ist. Wilbers anderes großes Plus ist neben seiner Offenheit und enormen Belesenheit, daß er tiefgehend und unterhaltsam schreiben kann. Sein lockerer Stil wirkt niemals platt, seine tieferen Gedanken niemals Oberlehrerhaft. Alles in allem ein rundheraus empfehlenswertes Buch.