Meine Vor-Rezensenten haben den Inhalt des Buches schon umfassend zusammen gefasst. Bis auf die Bemerkung, dass die Liebe zwischen Marga v. Etzdorf und Christian v. Dahlem dem Buch folgend eine einseitige Angelegenheit war und dass Letzterer mitnichten ein "nationaler Deutscher" war, füge ich den Inhaltsangaben nichts weiteres hinzu. - Ich kaufte das Buch auf die Empfehlung einer Bekannten hin, deren Empfehlungen ich manchmal kritisch zu betrachten pflege. Entsprechend argwöhnisch kam ich in das Buch auch hinein. Was sich mir dann aber im weiteren Verlauf offenbarte, fesselte mich und entlockte mir "inneren Szenenapplaus" wie schon lange kein Buch mehr. Für den, der ein Mindestmaß an geschichtlicher Orientierungsfähigkeit mitbringt, der verschiendene, nebeneinander verlaufende erscheidende Handlungsstränge aufgreifen und verarbeiten kann, die noch dazu in den Gesprächen der "Friedhofsbewohner" ständig ohne Kennzeichnung und Ankündigung, aber dennoch - vergegenständlicht durch die innere Lesestimme - gewechselt werden, für den öffnet sich eine sprachliche und historische Schatztruhe, die im Verlauf zu einem Genuss der besonderen Art wird. Mir erschließt sich beim Lesen einzelner Kommentare hierzu nicht ganz, warum der Eine mit "3 Sternen" nicht deren fünf vergibt - die Aussage eines Anderen aber, dass die Personen in dem Roman flach dargestellt sein sollen, legt m. E. den Rat nahe, die technische Richtigkeit des gelesenen Exemplars zu überprüfen. Denn: in meinem Exemplar laufen am Ende alle Handlungsstränge zusammen in einer denkbaren, äußerst ambivalenten Deutung der Ursachenverkettung für den Selbstmord von Marga v.E.. Die Erfolgsfliegerin erscheint sich selbst plötzlich als die "Pech-" oder "Bruchmarie", vom Angebeteten verschmäht, als Fliegeridol vor dem Aus (das bis hierhin außer ihr noch keiner erwartete), am Ende achtlos verkauft an deutsche Agenten, deren mit Spionagegerät und Waffen beladenes Flugzeug sie in Syrien in einem Graben "parkt". Unmittelbar danach legt sie Hand an sich. Alles Vorherige erweist sich für den Leser plötzlich in Zusammenhang stehend. Wenn das flach ist ...
Mein Fazit: ein Buch, das man gelesen haben muss! Und dann sollte man ihm gleich anschließend "5 Sterne" geben ;-) Bravo, Uwe Timm!