Meine Rezensionen kann man bequem an einer Hand abzählen, aber was hier über Jeff Galloway verbreitet wird, hat er einfach nicht verdient - da hat es selbst mich faule Socke nicht ruhen lassen.
Mein Läuferleben in Kürze: 1999 bei deutlich über 100kg mit Laufen begonnen. 5 Marathons gefinisht (Bestzeit 4:03 - aber nur weil es Köln war und das eiskalte Kölsch bei km 38 mir nicht bekommen ist - sonst wären die vier Stunden geknackt worden, aber das ist eine ganz andere Geschichte), Halbmarathons irgendwann nicht mehr gezählt (Bestzeit: 1:51), 10er sind bei einem Best-Kampfgewicht von 94 kg nie mein Ding gewesen. Vorne laufen die Bleistifte und hinten die Radiergummis. Bin immer ein Radiergummi gewesen und werde wohl immer einer bleiben.
Warum diese Einleitung? Weil Dicke wie ich beim etwas ambitionierteren Laufen ganz besonders achtgeben müssen, dass sie gesund bleiben. Sport kann Mord sein. Und weil das sture Training nach Jeff Galloways Methoden mich immer vor Verletzungen bewahrt hat. Erst als ich auf Anraten von "dünnen Lauffreunden" anfing zu "strunzen" weil ich schneller laufen wollte ("Lächeln und auf den Ballen laufen" - so eine Sch*****), ging es mit den Verletzungen los. Am Ende dann ein Muskelfaserriss, lange Laufpause, riesige Gewichtszunahme, alles zurück auf Start.
Heute mehr als 10 Jahre später, nach 14 kg Gewichtsreduktion durch Sport und Ernährungsumstellung laufe ich wieder nach Jeff Galloways Methoden und trainiere für meinen nächsten Halbmarathon. Keine Verletzungen, jeder Lauf ist ein Genuss statt Quälerei, ich laufe länger, schneller, entspannter als je zuvor und ja ich bekenne: Ich gehe zwischendurch. Und es ist toll!
Was haben Sie, liebe Leser, zu verlieren? Der Preis des Buches entspricht in etwa einem Paar guter Laufsocken. Jeff Galloways Methode ist kein "Läufer-Mainstream" (aber nur tote Fische schwimmen bekanntlich immer mit dem Strom), aber sie ist gut.
Ja, das Buch ist von einem Amerikaner für Amerikaner geschrieben worden und wurde freundlicherweise für uns Deutsche ins Deutsche übersetzt. Erwartet jemand wirklich ernsthaft, daß Galloway deshalb das Buch auf deutsche Frühstücksgewohnheiten umschreibt?
Lesen Sie das Buch mit offenem Geist und Sie werden unheimlich viel Nützliches darin finden. Die paar Informationen, die nicht auf Sie und Ihr Läuferleben zutreffen, ignorieren Sie einfach ganz gelassen.
Wenn Sie wie meine Vorrezensentin gerne viele Bücher lesen, um eine Laufexpertin zu werden, statt eine Läuferin (das wird man leider nur auf der Laufstrecke), wenn Sie unbedingt noch die letzten Sekunden rauskitzeln müssen, damit sie mit hängender Zunge und verkrampftem Gesicht durchs Ziel kommen können (als Anti-Werbung für den Laufsport), dann sollten Sie dieses Buch nicht kaufen.
Wenn Sie Ihren Halbmarathon verletzungsfrei und mit einem Lächeln finishen wollen, dann geben Sie diesem Buch eine Chance. Ich habe es nicht bereut und ich bin mir sicher, Sie werden es auch nicht bereuen.
Apropo Pulsuhr: Lassen Sie die am Anfang schön zu Hause. Es gibt schon genug "Läufer" die zwischen unterer und oberer Grenze hin und her sprinten und dann wieder zockeln und so nie zu ihrem eigenen Laufrhythmus finden. Goldene Regel: Wenn Sie sich nicht mehr unterhalten können, sind Sie zu schnell unterwegs. Wenn Sie sich problemlos die ganze Zeit unterhalten können, sind Sie zu langsam unterwegs.
Wir sehen uns auf der Laufstrecke - ich bin der Dickliche, mit dem Lächeln im Gesicht, der Sie freundlich grüsst und ab und zu geht.