Das Positive zuerst - das Buch fühlt sich gut an, wenn man es in die Hand nimmt. Hübsche Illustrationen sind beigefügt, wie auch ein Klappenhinweis, dass man ein futuristisches "Schweigen der Lämmer" vor sich hat, die Protagonistin eine "introvertierten, aber absolut tödlichen Ermittlerin" ist und um einen Philip-K.-Dick-Award ausgezeichneten Roman.
Vorab - der Vergleich zu "Schweigen der Lämmer" ist unhaltbar und absolut irreführend.
Eine gute Geschichte definiert sich nicht durch ihre Bindung, aber in diesem Fall hätte das Buch ruhig kleiner ausfallen dürfen. Der Schreibstil ist sehr einfach gestaltet, die Charakterzeichungen sind bestenfalls als "flach" zu bezeichnen. Dröge wurde eine Welt entworfen, beim dem der Leser sich schwerlich einbringen kann. So liest man, statt sich das Szenario vorzustellen. Der Leser fiebert nicht mit, sondern wird mit Geschehnissen konfrontiert, welche die Einschlagsenergie eines Wattebäuschchens haben.
Die Protagonistin wird gleich am Anfang als "Monster" ins Spiel gebracht - wer nun a) eine komplexe Entfaltung einer gewaltätigen Person auf Seite des Rechts oder b) eine körperliche Wandlung zu einem düsteren Wesen erwartet, wird derbe enttäuscht. Der Begriff "Monster" bezeichnet eine vergangen Tragödie, die ein Mädchen zu Mörderin unter Mördern machte. In einem Zeitalter, wo es keine Morde und Krieg gibt, wäre die Titulierung "Monster" vielleicht angebraucht, aber mal unter uns ... selbst in ferner Zukunft werden wir dieses Ideal schwerlich erreichen. Aktuell würden wir vielleicht eine Jugendliche vor uns haben, welche im freien Strafvollzug unter Beobachtung von Psychologen versucht ihr Leben auf die Reihe zu bringen. Und sie hätte eher die Einstufung "Opfer" als "Täter".
Doch der Autor läßt nicht locker, in diesem Roman ist sie ein "Monster". Der Roman schlüsselt - wie gesagt - den Charakter aber nicht entsprechend auf, sondern packt die Klassifizierung mal hier und dort hin. Wie wird die Protagonistin denn beschrieben? Andrea mag keine Menschen. Ihr gehts nie wirklich gut. Alle anderen sind verdächtig. Andrea ist emotional angeschlagen, aber zugleich ein (Papier)Tiger. Außerdem flucht sie gerne, was manchmal darin mündet das "unsere" Ermittlerin ihre Verdächtigen anraunzt, was wohl eine emotionale Unbeherrschtheit aufzeigen soll, Motto: "So, ich bin mal ohne Not pampig".
Bevor der Leser sich über das teenagerhafte Verhalten einer erwachsenen Ermittlerin wundert, werden -zwecks Vernebelung der Nichtsexistenz einer Geschichte- unwichtige Details so breit ausgerollt, wie "DipCorps sind öde Bürokratiemoloche", dass man bis Weihnachten 2011 munter Kekse daraus herausstechen könnte. Die würden nur nicht schmecken.
Ich hätte mir ein tafferes und rücksichtsloseres Vorgehen gewünscht, aber Andrea ist meist müde, angesäuert und kurz vor dem kotzen. Das Leben ist hart - Andrea hat ihre düstere Vergangenheit (siehe oben) und alle wissen, was für ein grausliches Monster sie eigentlich ist ... eine Frau, welche von allen gehasst und gejagt wird ... ja, gehasst von praktisch sämtlichen Alienregierungen. Absurd.
Mister Holmes, Nachfolger gefunden? Leider nicht. Andrea zieht oft Schlüsse über "wasauchimmer", sprunghafte Aufmerksamkeitsverteilung häufen sich und helfen dem Leser nicht wirklich reproduzierbar zu erfassen, wo er denn nun wieder ist. Kein Mitfiebern oder ein erstauntes "Oh, DAS habe ich nicht angenommen". Keine Chance. Andrea macht dieses - alle schauen komisch. Andrea macht jenes - alle schauen sauer. Andrea macht plötzlich was anderes - alle schauen irritiert. Treibende Spannung? Nein. Pulsierende fremde Welten? Nix. Fesselnde Geschichte? Welche Geschichte?!
Ich habe gut die 2/3 gelesen, aber das unerbittliche Monster in mir fordert mich auf weiter zu lesen ... weil ich sonst viel zu viel Geld gelöhnt hätte. Vielleicht ist ja der zweite Roman mit Andrea Cort besser, denn es soll ja eine Serie werden. Aber wenn der Start schon so flau ist und Andrea maximal den Eindruck einer überspannten Zicke macht, die einen doofen Job nachgeht ... nein, muss nicht sein.
Falls Sie sich also ermuntert fühlt einen Roman zu lesen, der nicht zu begeistern weiss - hier ist er. Ihr Roman. Nicht fesselnd, unfertig, flach erzählt, simpel gestrickt, Langweile, immerhin ein relativ interessantes Umfeld.