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Doch worum geht es? Es geht um den Stand der Richter, um dessen Leistungen und, vor allem, Fehlleistungen, die, so menschlich sie sein mögen, zu sehr in die Schicksale der von ihnen Betroffenen eingreift, als dass man sie ohne weiteres hinnehmen dürfte. Indes: "Gegenüber der staatlichen Gewalt, die so grundsätzlich in unsere Freiheits- und Persönlichkeitsrechte eingreift, gibt es wenige Möglichkeiten der Reklamation, keine Versicherung und kein angemessenes Schmerzesgeld." Gerade einmal 10,53 Euro Entschädigung erhalte man für jeden zu Unrecht in Haft verbrachten Tag. Für ein halbes Jahr Untersuchungshaft könne man von der so zusammenkommenden Summe gerade mal zwei Wochen Urlaub machen, rechnet der Autor vor. Und den dürfte man dringend brauchen! Denn von den Unannehmlichkeiten der Haft einmal ganz abgesehen: Ein Strafprozess ist eine ausgesprochen aufreibende Sache -- nicht zuletzt, weil man in dessen Verlauf das Vertrauen in den Rechtsstaat, wenn man es denn vorher hatte, offenbar gründlich ausgetrieben bekommt und auch als Unschuldiger mit dem Schlimmsten rechnen muss. Jedenfalls dann, wenn der umfängliche, stringent und glaubhaft vorgetragene Bericht Bossis tatsächlich zutrifft (woran zu zweifeln wir keinen Anlass sehen!).
In einem Kapitel, das genügend Stoff für ein eigenes Buch enthält, zeigt der Autor, weshalb nach 1945 das Unrecht der NS-Justiz großteils ungesühnt bleiben konnte. Dazu zeichnet er unter anderem beispielhafte Nachkriegskarrieren von NS-Juristen nach, die das Rechtssystem der jungen Bundesrepublik unterwandern und so selbst an der Reinwaschung brauner Richter mitwirken konnten.
Doch geißelt Bossi nicht nur das Unrecht, das ganz offenbar sehr viel häufiger gesprochen wird als uns allen lieb sein kann, er lässt sich in einem Fall dann doch auch zu milder Anerkennung für einen "weisen Richter" hinreißen, der "in einem kuriosen Fall Gnade vor Recht ergehen lässt". Und vor allem klagt er nicht über die Missstände der deutschen Strafjustiz, ohne zugleich mit einem Maßnahmenkatalog aufzuwarten, mit der er ihnen begegnen will. So fordert er nicht nur ein -- wohl zu spätes -- Gesetz zur Beseitigung des nationalsozialistischen Unrechts in der Nachkriegsjustiz, sondern auch -- ganz pragmatisch -- die Einführung eines exakten Wortprotokolls im Strafprozess, das für eine hinreichende Kontrolle von Tatsachenentscheidungen nötig sei. Und er fordert, dass die Möglichkeiten eingeschränkt werden, Beleidigungsklagen gegen Verteidiger wegen ihrer Äußerungen im Prozess zu führen
Alles in allem ein sehr erhellendes Buch aus der Feder eines altersweisen, aber immer noch streitbaren Juristen. Lesenswert! -- Andreas Vierecke
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine fundierte Anklageschrift,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Halbgötter in Schwarz. Deutschlands Justiz am Pranger (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn der Untertitel etwas reißerisch klingt, Bossis Kritik an strukturellen Missständen in der Strafjustiz ist sehr differenziert und mit guten Argumenten untermauert. Außerdem prangert er nicht nur an, sondern macht auch konstruktive (zum Teil sicher kontroverse) Reformvorschläge. Das sollten sich unsere Justizminister, die gerade die Rechtspflege zu Tode verschlanken wollen, mal gründlich durchlesen!Die Fälle, mit denen Bossi seine Kritik illustriert - keine "Promistories", sondern auschließlich die von "kleinen Leuten" - sind spannend erzählt, rücken so manches Klischee gerade und sind zum Teil wirklich unfassbar. Wer bei Mord und Totschlag immer gleich nach der Höchststrafe ruft, der wird nach der Lektüre bestimmt etwas leiser werden. Und wer gerade Straf- oder Strafprozessrecht büffelt, der bekommt hier Anschauungsmaterial vom Feinsten - und das nötige Hintergrundwissen noch gleich allgemein verständlich dazu. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verfahrensfehler vorprogrammiert?,
Rezension bezieht sich auf: Halbgötter in Schwarz. Deutschlands Justiz am Pranger (Gebundene Ausgabe)
Staranwalt Bossi schildert Fälle aus seiner langen Karriere, die ihn besonders erbost oder erschüttert haben, und kommt zu dem Schluss, dass ihnen gemeinsam einige Fehler im deutschen Rechtssystem zugrunde liegen. Unter anderem sei als ein Erbe des Dritten Reiches die Machtvollkommenheit und Willkür deutscher Richter, einen Menschen unbegründet für den Rest seines Lebens gefangenzusetzen, quasi unbeschränkt: "Die politische Zweckmäßigkeit eines Urteils ist als Maßstab an die Stelle von Wahrheit und Gerechtigkeit getreten." Obwohl es Bossi hauptsächlich um Strafverfahren geht, ist es bei solch klaren Aussagen kein Wunder, dass sein Buch vor allem in der Väterbewegung Furore macht.- Arne Hoffmann - Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Halbgötter in schwarz,
Von
Rezension bezieht sich auf: Halbgötter in Schwarz. Deutschlands Justiz am Pranger (Gebundene Ausgabe)
Dies ist eins der wichtigsten Bücher der letzten 20 Jahre. Es zeigt auf, wie dieser Staat zu einem Richterstaat verkommt.Der Titel verweist bereits auf die vor vielen Jahren gängige Titulierung "Halbgötter in weiß". Die Älteren werden sich daran erinnern, daß es nahezu unmöglich war, einen Arzt wegen eines Kunstfehlers zur rechenschaft zu ziehen. Bossi macht in seinem Buch aber klar, daß es hier um mehr geht, um viel mehr, als "Kunstfehler". Hier geht es um die bewußte Manipulation von Recht. Die Strafen, die des StGB dafür vorsieht (§ 339) sind schlechterdings lächerlich, mißt man sie an den Folgen für die Betroffenen. Es ist zu hoffen, daß dieses Buch Wirkung haben wird. Allerdings darf man bei dem derzeitigen Gefüge der Macht Zweifel daran haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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