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Fred, an dessen Zeugung Vera sich nur schmerzhaft erinnert, hat es nicht leicht, schon gar nicht in der familiären Konstellation, in die er hineingeboren wird. Die Wohnung in der Osloer Gørbitzgate war bislang nur von Frauen bewohnt worden: Vera lebt dort mit ihrer zupackenden Mutter Boletta, die sich abrackert, um die Familie durchzubringen, und mit der etwas verrückten Großmutter, der Alten, die -- angeblich -- zur Stummfilmzeit ein Leinwandstar in Dänemark war. Ein Haushalt ganz ohne Männer: Größer kann die Schande kaum sein in dieser Zeit, die Nachbarn kucken verächtlich oder gleich weg, drei Generationen Huren, heißt es, was für Zustände! Und nun Fred, erneut ein vaterloses Kind -- wie gottlos, was für ein Sündenpfuhl, das war ja kaum anders zu erwarten, hab ich's dir nicht gleich gesagt?
Die Dinge ändern sich, als plötzlich ein dubioser Mann auftaucht, Arnold, kleinwüchsig und mit einer verkrüppelten Hand, aber reich, so wie es aussieht, mit einem chromglänzenden Buick fährt er vor. Arnold interessiert sich sehr für Vera -- wie kann er, tuscheln die Nachbarn, was findet er an ihr, einer unverheirateten Mutter, da stimmt was nicht! -- und bald zieht er in der Gørbitzgate ein. Arnold und Vera heiraten, und nicht allzu lange Zeit darauf bekommt Vera ein zweites Kind, wieder einen Sohn: Barnum, ja genau, wie der berühmte Zirkus, so soll er heißen, der stolze Vater will es nicht anders, denn der Zirkus hat in Arnolds Vergangenheit eine ganz besondere Rolle gespielt.
Das von vielen heftigen und sich oft widersprechenden Gefühlen geprägte Verhältnis der beiden Halbbrüder bestimmt fortan die Familie -- bis in die Gegenwart hinein. Erzählt wird die Geschichte rückblickend von Barnum, der als Erwachsener im ausgehenden 20. Jahrhundert zu einem international gefeierten Drehbuchschreiber wird, sich in der großen Glitzerwelt von Hollywood, Venedig und Cannes herumtreibt und doch nicht loskommt von seiner Familie und seinem Bruder Fred. Der Halbbruder ist eine opulente, ausufernde und fein verästelte Familiensaga, voller Witz, Wehmut und Wahrheit -- ein großartiger, ungeheuer vielschichtiger und tiefgründiger Roman, der dabei seine Leichtigkeit und Verspieltheit nie verliert. --Christoph Nettersheim
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Skandinavischer Rohdiamant,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Halbbruder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Knappe Worte zu einem 700-Seiten-Schmöcker aus Norwegen: Das grösste Leseerlebnis seit Langem, nicht nur für Skandinavien-Liebhaber. Herzerwärmend, komisch und tragisch zugleich, dabei keinen Moment kitschig, deshalb der freundliche Befehl: Lesen, Elke!
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandios,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Halbbruder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch "Der Halbbruder" ist eine grandiose Erzählung. Man möchte es auch über den Schluß hinaus weiterlesen, aber leider ist es nach rund 760 Seiten zu Ende. Während des Lesens legt man das Buch immer wieder für ein paar Minuten zur Seite, schließt die Augen, und denkt über das Gelesene nach. Einfühlsam, mit einer leisen Traurigkeit, schreibt Christensen über zwei Halbbrüder und über eine Dreierfreundschaft. Das Buch sollte in keinem Bücherschrank fehlen.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Buch des Jahres 2003,
Von DoktorD (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Halbbruder: Roman (Gebundene Ausgabe)
Christensen erzählt die Geschichte zweier (Halb-)Brüder, aufgewachsen im Nachkriegsnorwegen in einer Familie bestehend aus Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Mit seinem besonderen Erzählrhythmus, immer wieder weit ausholend und in letzter Konsequenz Fragen offen lassend, ist dem Autor ein fesselnder, konfliktreicher Roman gelungen, der genügend Platz lässt für komische Situationen und unerwartete Wendungen. Schade, dass er nach etwa 700 Seiten schon zu Ende ist. Erstaunlich, dass der "Halbbruder" in der deutschen Presse so wenig zur Kenntniss genommen wurde. Dennoch: ganz klar mein Buch des Jahres 2003!
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