„Hakenkreuz und rundes Leder“ versammelt über 40 Beiträge und ist so wohl die umfassendste Abhandlung zum Thema. Untersucht wird unter anderem der Prozess der Gleichschaltung, dem sich der DFB folgsam fügte. Funktionäre und Trainer der NS-Zeit werden durchleuchtet, darunter auch Sepp Herberger, der nach dem Krieg als Mitläufer eingestuft wurde. Unter der Überschrift „Anpassung“ werden einzelne Vereine analysiert und da zeigt sich dann, dass sich auch in Traditionsvereinen wie Schalke 04, HSV, 1860 München oder Nürnberg kein Widerstand gegen die Ausgrenzung langjähriger jüdischer Mitglieder regte. Breiten Raum nimmt auch die These des Historikers Nils Havemann ein, der 2005 zu dem Schluss kam: „Der DFB sei ein unideologischer Massensportverband gewesen, der sich 1933 nur aus ökonomischen Gründen den veränderten Umständen angepasst habe“. Wobei Havemann mit seiner These ziemlich alleine steht. Die Debatte um die dunkle Seite der DFB-Geschichte geht inzwischen weit über die Havemann-Studie von 2005 hinaus. Das zeigt der Band „Hakenkreuz und rundes Leder“ mit seiner Fülle an Beiträgen eindrucksvoll. --
Deutschlandradio, 18. Juni 2008Der DFB hat lange Zeit seine Rolle im Nationalsozialismus ignoriert oder beschönigt. Täter und Mitläufer hat er geschützt, die Opfer dem Vergessen preisgegeben. Inzwischen hat bei dem DFB ein Umdenken eingesetzt. Er gab vor einigen Jahren endlich eine Studie in Auftrag, die auch die NS-Zeit nicht ausblendete. Zwanziger plädierte für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte. Seine Klarstellung war für die Herausgeber dieses voluminösen, kurzweilig zu lesenden Sammelbandes eine Herausforderung, das Thema breiter und tiefer zu bearbeiten. --
Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2008Die Rolle des organisierten Fußballsports beziehungsweise des DFB und seiner Vereine in dem politischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozess nach der „Machtergreifung“ steht im Mittelpunkt eines voluiminösen, kurzweilig zu lesenden Sammelbandes. Was der Nationalsozialismus konkret für den Fußball bedeutete, wird anhand von Beiträgen zu einigen Vereinen beschrieben, darunter Spitzenclubs wie Bayern München, Schalke 04 oder 1. FC Nürnberg. --
Jüdische Zeitung, Juli 2008Sportwissenschaftler Lorenz Peiffer und Fußball-Historiker Dietrich Schulze-Marmeling legen somit ein umfassendes Standardwerk in politischer Vielfalt und neu recherchierten Fakten vor. Besonders spannend sind die Kapitel, die sich mit der Vergangenheit von Vereinen wie Schalke, Bayern, HSV, 1860 München oder Rapid Wien sowie der Zeit nach 1945 befassen. Was zum Beispiel hatten sich der DFB und sein Präsident Hermann Neuberger dabei gedacht, Hitlers Luftwaffenheld Hans-Ulrich Rudel immer wieder als Gast - zuletzt bei der WM 1978 in Argentinien - im deutschen Mannschaftsquartier zu begrüßen? --
Associated Press, 16. Juni 2008War der DFB fester Bestandteil Nazideutschlands? Oder waren nur einzelne Funktionäre ins NS-System verstrickt? Lesen Sie dieses Buch. er Sporthistoriker Lorenz Pfeiffer aus Hannover und der Münsteraner Fußballpublizist Dietrich Schulze-Marmeling haben sich trotzdem Zeit gelassen, haben sehr viele kompetente und keinesfalls auf einer Linie liegenden Experten gebeten, die vielen Aspekte des Themas zu bearbeiten, und der Göttinger Werkstatt-Verlag hat den Beiden dafür viel Platz zwischen den Buchdeckeln eingeräumt. Auf über 600 Seiten wird sich dem Thema gewidmet. Konkret und doch von so allgemeiner Bedeutung, die noch über den Fußball hinausweist, wird in "Hakenkreuz und rundes Leder" gestritten. Dazu haben sich die Herausgeber angenehm viel Zeit genommen und ließen alle Positionen, die es wert sind, gehört zu werden, auch wirklich zu Wort kommen. --
taz, 29. Juli 2008Überzeugende Nachberichterstattung – „Hakenkreuz und rundes Leder“.
Der Verlag Die Werkstatt legt mit diesem Werk die Finger in die Wunden des DFB. Die Kombination Fußball/Nationalsozialismus wurde historisch bereits einige Male aufgearbeitet, dummerweise meist mit einem faden Beigeschmack, zumindest für diejenigen, die wussten, dass dort Kraft einer beschönigenden Verschleierungstaktik, die wahre Essenz dezent unter den Tisch gekehrt wurde. Damit, das kann zweifelsfrei konstatiert werden, ist jetzt erstmal Schluss. Ein bärenstarkes Kompendium, ein historischer Sammelband, der allen modernen wissenschaftlichen Standards Genüge trägt und der den Ball in seiner Rundheit von allen Seiten beleuchtet, wartet hier auf die interessierten Leser/innen, die eindringlichst auf dieses Prachtstück hingewiesen werden sollen. Alles in allem ist dies nicht nur die umfassendste Darstellung dieses Sujets bis jetzt, sondern darüber hinaus auch die beste. Für die Anschaffung dieses Buches spricht eigentlich alles, vorausgesetzt man will sich in dieser Richtung bedingungslos weiterbilden. Denn durch diesen kompetenten und exakten Blick wird der Tisch voll, die Sache rund, und dann erst, erst dann, kann es auch wieder ins Eckige, das Runde. --
Die Berliner Literaturkritik, 25 Juli 2008