Ein fränkischer Mönch, den es Ende des 9. Jahrhunderts nach Norden zu den Sachsen, an die Elbgrenze des Reiches verschlagen hat, schildert in einer fiktiven Chronik im Wesentlichen Ereignisse aus dem Leben eines jungen Mannes, dem er sich als väterlicher Freund verbunden fühlt. Dieser Jüngling, in dessen Adern selbst Wikingerblut fließt, hat früh Vater und Mutter durch einen Überfall der Nordmänner auf sein (und des Mönchs) Heimatdorf Ramsolano (Ramelsloh) verloren. Ein traumatisches Erlebnis, das ihm nicht mehr aus dem Sinn geht. Als er herangewachsen ist, begeben sich Jüngling und Mönch gemeinsam auf Fahrt nach Haithabu - der Gottesmann, um in der Nachfolge des heiligen Ansgar in der blühenden Handelsstadt am Südrand des Dänenreichs die Heiden zum Christentum zu bekehren, sein junger Begleiter, um den Mörder seiner Eltern, der als angesehener Jarl über den Ort herrscht, zur Rechenschaft zu ziehen.
Diese Erzählung, im ruhigen Ton des Chronisten geschrieben und zünftig gespickt mit allerlei altertümlichen Redewendungen und lateinischen Zitaten, kreist - trotz manch einschlägiger Episode - nicht in erster Linie um Schwerterkampf und Schlachtenlärm. Sie gestattet uns vielmehr einen Blick auf die Lebensverhältnisse jener Zeit, die im ethnischen Spannungsfeld von Franken, Sachsen, Wikingern und Slawen und im religiösen von Thorskult und Christusbotschaft besonders gewalttätig, unsicher und wechselhaft waren. Sie ist auf unterhaltsame Weise vermittelte Geschichte und zeigt vor allem den Hamburgern und Bremern die Anfänge ihres Gemeinwesens als Vorposten von Reich und Kirche in schwierigem Grenzland.
Wenn auch am Ende Fragen zu den Personen und Geschehnissen offen bleiben, bietet sie doch eine ebenso lehrreiche wie anregende Lektüre. Und Leserinnen und Lesern, die die Möglichkeit haben, in Haithabu durch die schönen Museumsräume zu wandern und den Lageplatz der historischen Siedlung zu betreten, kann sie sicher helfen sich zu vergegenwärtigen, dass am Noor nicht nur unzählige "Grabungsfunde" geborgen und zur stilvollen Bewahrung aufbereitet wurden, sondern auch lange vor unserer Zeit Menschen aus Fleisch und Blut gelebt haben.