Zu Beginn ertönt eine Kinderstimme und kündigt an: »Gitarre.« »Schlagzeug.« »Bass.« »Gesang.« Das stimmt - und stimmt doch nicht. Fink nutzen wesentlich mehr. »Banjo.« »Cello.« »Samples.« »Xylophon.« Womit hoffentlich all jene wieder neugierig sind, die auf Frank Goosens »Spiegel«-Artikel reingefallen sind und müde abgewinkt haben. Denn die von dem Bochumer Autoren mal wieder aufgewärmte Is-Fink-nu-Country-oder-nich-Debatte zielt längst zu kurz. Das fünfte Studio-Album der Hamburger Band um Sänger, Gitarrist und Maler Nils Koppruch ist einerseits wie immer: es gibt vom Himmel perlende Melodien, die ihre Nähe zu Calexico oder Uncle Tupelo nicht verleugnen und dennoch gänzlich eigen sind. Es gibt mal herzerwärmende, mal knochenbrecherische Texte, die das, was man im Alltag so erlebt, widerspiegeln, nur besser formuliert und um eine Ecke gedacht. Romantische Verzweiflung (»Ich will nicht mehr im Regen stehen... warum lässt der Himmel immer alles an mir ab?«) geht dabei Hand in Hand mit morbider Ironie (»Ich seh was draußen vor geht / nur ich werd nicht daraus schlau / ein Hund auf der Jagd nach seinem Schwanz / niemals wird er müde und er kommt auch niemals dran / egal wie fest er daran glaubt«). Gleichwohl aber präsentiert die Band sich musikalisch lässiger, offener, moderner und druckvoller, scheut selbst vor zarten Liebesliedern nicht mehr zurück, die Emotion pur sind. »Haiku Ambulanz«, das ist im Sommer der frische Wind, der über den Balkon streicht, »Haiku Ambulanz«, das ist aber auch im Winter die mollige Decke, unter der man gern und geschützt liegt. Fazit: Wer nur zwei deutschsprachige CDs pro Jahr kauft und »Die Sterne - Live im Westwerk« schon hat, nun, der weiß, was er jetzt zu tun hat.