Auf der IFA 2007 angekündigt, jetzt endlich auch in Deutschland verfügbar:
Ein Gerät, das
- schnelles mobiles Surfen (schneller als jedes Smartphone)
- im "echten" Internet (keine Umformatierung der Seiten)
- zum einem Festpreis (inkl. 360 Stunden im ersten Jahr)
ermöglichen soll.
"Keine Kompromisse" verspricht die Verkaufsverpackung des Gerätes. Da ich das Gerät ohne es je zu sehen direkt beim Hersteller vorbestellt hatte, war ich auf Kompromisse gefasst. Als ich das Gerät am letzten Samstag per Post geliefert bekam und es erstmalig in der Hand hatte fiel mir sofort positiv auf, wie klein und kompakt es ist: nicht einmal 15x8 cm im Außenmaß, der Bildschirm nur 12x5 cm.
Verarbeitung: sehr gut.
Nach der Registrierung und Freischaltung (erfolgte am Wochenende zwischen Samstag und Sonntag) dann die erste mehrstündige Surf-Sitzung: Hält das Gerät, was der Hersteller verspricht ?
Das Surfen geht erstaunlich flott und liegt nach meinem Empfinden bei DSL-Geschwindigkeit eines stationären PCs-der "Trick" scheint darin zu liegen, das das Gerät in der Werkseinstellung alle Bilder mit nur 16-bit lädt, erst später erfolgt das Nachladen und die Darstellung mit 256 Farben. Stellt man die Bildqualität für den Ladevorgang auf 16 auf 256 Farben um, wird es merklich langsamer.
Geschwindigkeit: sehr gut
Die Internetseiten werden tatsächlich so angezeigt, wie auf dem heimischen PC, zumindest was das Seitenlayout betrifft. Allerdings ist der Bildschirm nicht in der Lage, eine Internetseite in voller Breite darzustellen. Auch in der Bedienungsanleitung findet sich unter den FAQ der Hinweis: "Der Pocketsurfer2 bietet einen Vollbildmodus mit 640 Pixel VGA-Breite, was minimales horizontales Scrollen erfordert". Kein Wort dazu findet sich allerdings auf der Verkaufsverpackung des Gerätes.
Da Seiten gezoomt werden können, ist die Darstellung einer Webpage in voller Breite daraus möglich, allerdings verschwimmt dann das an sich gestochen scharfe Schriftbild, bleibt aber einigermassen lesbar. Die meisten Seiten könnten mit einem Zoom von 80 % in voller Breite dargestellt werden, anscheinend verhindert die vorhandene Auflösung aber die "scharfe" Darstellung. Da ich das Seitenlayout der meisten Seiten kenne finde ich mich trotz der überbreiten Darstellung ganz gut zurecht. Die Texte von Wikipedia-Seiten oder E-Mails passen dagegen sehr gut in der Breite auf den kleinen Bildschirm. Schade nur, das die Statusleiste des Gerätes, die so breit ist wie der Bildschirm und die immer in der Kopfzeile des Displays zu sehen ist, bereits 10 % der Anzeigefläche von 5 cm in der Höhe verbraucht.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das die Eingangsseiten von Ebay oder Amazon so "breit" sind, das der Zoom auf 65 % eingestellt werden muss, um diese in voller Breite auf dem Display abzubilden. Erkennen läßt sich dann allerdings nicht mehr wirklich viel. In der "Normaldarstellung" (100 %) kann man aber auch mit diesen Seiten ganz gut klarkommen.
Darstellung: gut
Von den Zusatzfunktionen möchte ich hier nur die E-Mail Applikation erwähnen, mit der sich unproblematisch auch mehrere Konten verwalten lassen. Damit kommt man der Mailfunktion eines Blackberry schon sehr nahe. Störend finde ich allerdings den Werbetext, der auf das Gerät und seinen Hersteller hinweist und der bei jeder vom Pocketsurfer abgesandten Mail zwangsweise angehangen wird. Habe ich allerdings auch schon bei einem anderen Hersteller festgestellt. Beim Öffnen von Anhängen hat das Gerät so seine Schwierigkeiten. Word, Excel, Pdf-Dateien oder auch Bilder können zwar grundsätzlich dargestellt werden, aber auch hier hat die Darstellungsmöglichkeit des Displays trotz Scrollens klare Grenzen. Das Öffnen eines Pdf-Anhangs von 45 Seiten (1,8 MB) ging dagegen sehr schnell.
E-Mails: gut
Ansonsten ist mir noch positiv aufgefallen, das das Gerät mit einem Passwort gegen unbefugtes Benutzen gesichert werden kann (unverständlich, warum das Passwort in Klarschrift erscheint) und die Protokolle über die Nutzung des Gerätes jederzeit eingesehen werden können. Die Uhrzeiten stimmen jedoch nicht mit den tatsächlichen Nutzungszeiten überein, vermutlich steht der Server, der beim Surfen für die Datenkomprimierung und die gute Geschwindigkeit zuständig ist, im Ausland in einer anderen Zeitzone. Der Akku soll bis zu 5 Stunden Dauerbetrieb ermöglichen, nach Einschalten aller Optionen (ständige Hintergrundbeleuchtung des Displays und der Tastaturbeleuchtung) war der Akku jedoch schon nach knapp 2 Stunden am Ende. Hoffentlich gibt sich dieses Thema, wenn der Akku öfters geladen wurde.
Akku: (noch) mangelhaft
Der Preis ist mehr als gerechtfertigt, berücksicht man, das das zweite Jahr pauschal nur 45 Euro für 360 Stunden mobiles Surfen kostet. In zwei Jahren zahlt man insgesamt 300 Euro, hat aber das Gerät UND alle Verbindungskosten inklusive. Nimmt man zum Vergleich einen Datentarif für ein Handy und setzt diesen mit nur 10 Euro monatlich an, sind dies in zwei Jahren bereits 240 Euro, die Kosten des Gerätes noch nicht mitgerechnet.
Preis: sehr gut
Fazit:
der Pocketsurfer 2 ermöglicht in der Tat schnelles Surfen überall (dank komprimiertem GPRS), die Seitendarstellung erfordert zwar kleine Kompromisse, die Möglichkeit E-Mails zu empfangen und auch zu senden macht ihn aber zum unentbehrlichen Begleiter. Zu einem fairen Preis bietet der kanadische Hersteller Datawind ein Gerät, das konsequent auf das Internet ausgerichtet ist und keinen Vergleich mit "Alleskönnern", mit denen zusätzlich auch telefoniert und fotografiert werden kann, zu scheuen braucht. Telefonieren kann man mit dem "Pocket Surfer" allerdings nicht.