Wer dieses Buch studiert, wird den Tod mit anderen Augen sehen. Diese Ausgabe der Samurai-Bibel enthält ungefähr 150 Abschnitte aus dem Hagakure, was eigentlich "hinter den Blättern" bedeutet. Das Werk entstand zwischen 1710 und 1716 und wurde von Tashiro Tsuramoto aufgezeichnet, im wesentlichen nach den Aussagen Yamamoto Tsunetomos, eines ehemaligen Samurai. Er wurde Zen-Mönch, weil ihm nach dem Ableben seines Fürsten der eigene Tod durch seppuku (wir kennen das als 'harakiri') durch einen Erlaß seines Herrn verboten war. Das Hagakure enthält ursprünglich ca. 1300 kurze Lektionen, die in weniger als drei Dutzend Kopien erhalten sind. Empfehlenswert als begleitende Literatur ist zum Beispiel 'On Hagakure' von Yukio Mishima, das in Deutsch leider nur noch antiquarisch zu haben ist (wurde vom Hanser Verlag verlegt). So versteht man, daß der rechte Umgang mit dem Sterben das Leben bereichert. Als ich im Kino saß, murmelte ein Zuschauer, wenn aus dem Hagakure zitiert wurde: "Gibt es das Buch wirklich? Das muß ich haben." Ja, das ist wirklich seltsam, ich empfand genau das gleiche, und ich habe die Lektüre nicht bereut.