"Viel Wein saufen, keine Fremdsprachen reden und unfreundlich sein. Wenn das medizinisch ausschlaggebend wär, müsste bei uns die Herzinfarktrate null sein." -
"Das ist Österreich: über Jahrhunderte gezüchteter, osteuropäischer, genetischer Sondermüll." -
"Der einzige Risikofaktor für Darmkrebs ist Skodafahren." -
"Kabarettisten sind für mich Delphine: möglichst elegant durchs verdreckte, versiffte Meer gleiten und blöd schnattern."
Es geht schon mal richtig unfreundlich los - mit Josef Haders schön inszenierten, abstrusen Schimpftiraden "hinter der Bühne", die wie eine außer Kontrolle geratene Selbstschussanlage alles ins Visier nehmen, auch sich selber. Willkommen in Ostösterreich, dem Land der intellektuellen Tradition des kultivierten (Selbst-)Hasses. Wie bei Thomas Bernhard, dessen Interviews (Hader: "Es gibt ja keine schöneren Schimpf-Monologe") eine wichtige Inspirationsquelle für HADER MUSS WEG bildeten.
Mehr als zehn Jahre nach der Premiere seines Erfolgsprogramms PRIVAT (1994) ist es Josef Hader ein Anliegen gewesen, sozialen Umwälzungen auf der Bühne Rechnung zu tragen. "Was bissl Wilderes machen. Quasi die Härten der Gesellschaft zeigen. Das Amerika, das uns einholt. Da müssen auch paar Brutalitäten passieren", sagte er in einem Interview. Mit seinem durchgeknallten Einmanntheater, eine Mischung aus Bühnenstück und Kabarett, wollte der Künstler "gerne irgendetwas machen, das die Leichtigkeit einer Mozartoper hat, ein Stück zwischen Sommernachtstraum und Pulp Fiction". Das stilistische Pendel schlägt im Laufe der über zweistündigen Vorstellung allerdings klar zugunsten eines atemlosen Comic-Strips aus. Auf einer karg gestalteten Bühne spielt Hader alle Figuren selbst, die Bühnenregie spielt nur ab und zu Geräuschsamples ein und sorgt für musikalische Umrahmung. Die Einordnung ins Kabarett-Fach ist vor allem der unheimlichen Dichte an rasanten Dialogen geschuldet, die Hader auf die Bühne zaubert. Und das Gute für die CD-Version: Man kann die Handlung akustisch nachvollziehen, ohne das Programm live oder auf DVD gesehen zu haben.
HADER MUSS WEG ist tiefschwarzer Humor. Um einiges brutaler als Haders Neunziger-Jahre-Programme, verzichtet es radikal auf jegliche Sentimentalität und fühlt sich an wie ein freigelegter Nerv. Irgendwie politisch ist es auch - ungeachtet Haders hinterfotziger Ankündigung, HADER MUSS WEG werde "also wieder ganz unpolitisch". Trotz der weitgehend raum- und zeitungebundenen Handlung bilden die sieben satirischen Figuren den Rahmen für eine Art Wiener Sozialreportage. Die wichtigsten: Werner, ein Halbintellektueller im mittleren Alter, zu allem Überfluss "verklemmter" Skoda-Fahrer; Cornelia, seine nicht minder anspruchsvolle Freundin; der lebensmüde Besitzer einer Peripherie-Diskonttankstelle in Konkurs, ein waschechter Wiener Prolet; der Barpianist, ebenfalls ein Prolet und ein Angeber. Und schließlich Josef Hader selbst, der zunächst nur mal schnell weg muss - um schließlich ganz wegzubleiben...
Die Handlung? Eine Tragikomödie wie das Leben. "Eine Katastrophe nach der anderen, und dazwischen ist's fad", sagt der Tankstellenbesitzer. Am Ende wird es doch versöhnlich. Aber HADER MUSS WEG ist - wen wundert's - eher Passionspiel als klassisches Theater. "Eine große Liebe kann man nur auf Leichen aufbauen", sagt Cornelia am Schluss zu Werner. Ein Zitat, das auch von Thomas Bernhard stammen könnte. Gegen so viel Lebensüberdruss hilft nur mehr Galgenhumor. Als weibliches Opfer einer Morddrohung sollte Cornelia doch bitte eine korrekte Geschlechtsbezeichnung einfordern dürfen - selbst von einer männlichen Proletensau. Schließlich verdienen Frauen bei gleicher Arbeit immer noch weniger. Das letzte Wort hat bei Hader freilich immer noch der da oben. Denn, wie der Kabarettist schon in HADER SPIELT HADER gesungen hatte, nur "vor Gott und auf dem Klo sind alle Menschen gleich".