Als Einstieg ins eigentümliche Kabarett des Niederösterreichers Josef Hader eignet sich HADER SPIELT HADER bestens. Ein Mitschnitt aus Haders Tour mit älteren Stücken Ende der Neunziger, versammelt es auf einer CD einige Karriere-Highlights des stets missgelaunten Komikers. Herausragend sind dabei zwei auf Haders ersten großen Erfolg IM KELLER zurückgehende Stücke. In "Scheidung" und "Landleben" karikiert er den zwischen Zynismus und Nostalgie zerrissenen Yuppie, der mal Ausflüchte für verpatzte Beziehungen im Nihilismus sucht ("das Leben verliert so dadurch, dass man's kennenlernt"), mal von einer Rückkehr zu einem einfacheren Leben im ländlichen Raum träumt. Die Nostalgie gerät zur Satire, spätestens wenn Hader hintersinnig die angeblichen Vorzüge einer städtischen Sozialwohnung preist, wo die "einfachen, geraden, klaren Dinge" wieder ausgelebt werden können: ein Leben jenseits von gender und political correctness, dafür mit männlichem Chauvinismus, auch Ausländern gegenüber.
Josef Haders Publikum liebt es, sich einen Spiegel vorhalten zu lassen. Und so lässt es sich von Hader selbst bei dessen rabiaten Definition von Funktion und Zielgruppe des Kabaretts beschimpfen, wenn Hader schalkhaft über den bedauerlichen Niedergang der Kleinkunst im "mittelasiatischen Raum" sinniert: "Die hab'n sicher eine eigene Form von Theater und vielleicht auch eine eigene Form von Kasperl'theater für die Kinder; aber dazwischen für die Leute, die irgendwo steckengeblieben sind, gibt's überhaupt nichts." Und weil Kabarett grundsätzlich ineffektiv sei, müsse es sich auch den Abwesenden zuwenden. Das herrlich verrückte "Lied von den Leuten, die nicht da sind" ist ein hervorragendes Beispiel der auf HADER SPIELT HADER versammelten Liedkunst, bei der Hader, stets lakonisch, mit Nonsensreimen, in grotesk simplem Englisch oder bei satirischen Moritaten genauso überzeugt wie mit nachdenklichen Texten.
Hader, einst Gymnasiast des katholischen Stiftsinternates Melk, der schon mal ganze Passagen aus Homers Ilias-Epos auf Altgriechisch runterreißt, lässt in seinen Stücken den ländlichen Raum zwar nicht zu kurz kommen ("Der Landwirt", das gemeinsam mit Alfred Dorfer geschriebene "Der Mittagsrülpser"). Am liebsten aber philosophiert und grübelt er. Was ist Freiheit? Mit albernen Lügenmärchen über Sokrates und Platon schwindelt er vor, die "Grenzen der Philosophie" auszuloten. Dem Wiener Klischee entsprechend mit dem Tod auf du und du, sinniert er über die Vorzüge der Urnenbestattung ("Tod"), flicht übergangslos befremdliche Mordphantasien in harmlose Liedzeilen ein ("Irgendwie") und landet im "Humanistischem Block" schließlich im Hades.
Bei aller Liebe zum Absurden ist Haders Komik nicht zweckfrei. Seine provokativ hingeworfene Behauptung, Humanismus bringe nichts, bedeutet das glatte Gegenteil. Haders Humor ist eine paradoxe Intervention, mit deren Hilfe die Welt grotesk in schwärzesten Farben geschildert werden muss, um den Zuhörer zum Nachdenken zu bringen. Dies gelingt nicht zuletzt in der Satire "Es muss weitergehen", einem Stück auf die lieblose Kälte der das ländliche Milieu erfassenden Leistungsgesellschaft, und vor allem im verstörenden Schlussstück. Die Studioaufnahme, ein komprimierter Vorgeschmack auf das Quasi-Theater von HADER MUSS WEG, lässt in Form von Stimme und Gegenstimme kunstvoll fünf Befindlichkeiten, Meinungen aufeinanderprallen, vom bornierten Spießer bis zum Intellektuellen. Haders innerer Monolog?