Wenn es irgendow ein Lehrbuch für Krimiautoren gäbe und dort eine Anleitung, wie man Dialoge für Kriminalisten schreibt, wenn einem selber nichts mehr einfällt, also sozusagen eine Textbausteinsammlung für für Kriminalsituationen, dann würde diese wahrscheinlich so aussehen wie die von Bernd Leix.
Der Autor beweist in dieser Geschichte, deren Plot um Bestechungen im Karlsruher Tiefbauamt und ein wirtschaftskriminelles Kartell in der mittelständischen Bauindustrie ja gar nicht schlecht ist, das merkwürdige Talent, Erklärungen ausgerechnet da anzubringen, wo man sie besser wegließe.
Wo Dialoge für sich sprechen und den Text lebendig machen sollten, erklärt der Autor mit Adjetktiven die Szenerie und das Verhalten der handelnden Personen, dass man sich wie in einem Lehrbuch vorkommt.
Das macht den Leser zum Deppen, nimmt ihm das Denken ab und lässt den Roman schnell das Leben aushauchen.
Beispiele: Der Kommissar hat - wie könnte es anders sein - "ungewöhnliche" Ermittlungsmethoden, der verdächtige Bauunternehmer ist "imposant" usw. usf. Es ist die Häufung dieses adjektivierenden Stils, die das Buch ausmacht.
Darüber hinaus findet man eine Klischeeansammlung, die Seltenheitswert hat: eine Frau versucht ihren Freund durch Schwangerschaft zur Heirat zu bewegen, bei türkischen Mietern sind die Hausflure vollgemüllt, Vorzimmerdrachen treten auf, wie sie im Buche stehen, dem Kommissar wird die Zeugin vor der Nase abgeschossen, gerade als sie die entscheidende Aussage machen will, Verfolgungsjagden finden mit hochgeklapptem Mantelkragen statt usw. Das tut echt weh.
Man könnte das ganze noch durchgehen lassen, wenn das Lokalkolorit einen becircen würde. Tut es aber auch nicht.
Ich habe mich nach ein paar Dutzend Seiten auf einen Absatz pro Seite beschränkt, um das Buch schneller durchzukriegen.
Faktisch handelt es sich um einen der schwächsten Kriminalromane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, dessen eigentlich origineller Plot die übertrieben blutig aufgeschäumte Mördergeschichte keinesfalls rechtfertigt.
Das positive zum Schluss: Unbestritten kennt sich Bernd Leix mit holzverarbeitenden Maschinen aus. Darüber hätte man gern mehr gelesen.