Ein Mann pendelt regelmäßig zwischen seiner fremdgewordenen "alten Heimat" im rumänischen Banat und der neuen, fremdgebliebenen Heimat in Deutschland hin und her um die Verbindung zu seinen Eltern aufrechtzuerhalten.
Vor kurzem ist sein Vater gestorben und er hat seine Mutter zu dessen Beerdigung begleitet. Auf der langen Autofahrt zurück nach Deutschland holt ihn die Erinnerung an seine Familie ein, eine Familiengeschichte, die auf das Engste mit der Geschichte der sog. "Banater Schwaben" und den Wirren und Umwälzungen verbunden ist, die diese Menschen seit der Auswanderung aus dem Ulm des frühen achtzehnten Jahrhunderts geprägt haben: die Not der ersten Generationen der "Neusiedler", der Aufbau einer neuen Existenz in der Fremde, die Weltkriege, der Nationalsozialismus, der Kommunismus, das Ceausescu-Regimes und dessen blutiges Ende und die neue Zeit der grenzen- und gelegentlich gesetzlosen Freiheit.
Vor diesem Hintergrund erinnert er sich an die vielen großen und kleinen Erfolge und Schicksalsschläge, die das Leben seiner Familie bestimmt haben: Die Auswanderung der Urgroßeltern in die USA, die nach zehn Jahren wieder im Banat endet, die russische Kriegsgefangenschaft des Vaters, die Enteignungen, die nie überwundene Fremdheit gegenüber den Rumänen.
In seine Reflektionen bricht die Realität des Jahres 1999, zehn Jahre nach der Revolution: Seine Arbeit als Bauleiter in Deutschland, bei der Bestechung und Schlendrian ebenso allgegenwärtig scheinen, wie im verhassten kommunistischen Rumänien, seine geschiedene Ehe, die Entfremdung von der Tochter.
In dieser Situation lernt er die ungarische Prostituierte Clara und deren "Beschützer" kennen, die - immer auf der Suche nach dem schnellen Geld - die neue Zeit repräsentieren. Doch mit Clara nimmt sein Leben eine gewisse unerwartete (um nicht zu sagen: unglaubwürdige) Wendung, die herrlich pointiert in einen Sonnenuntergang auf den Seychellen mündet!
Wagners Roman entwirft ein bilderreiches Kaleidoskop vom Leben der Familie Zillich über die verschiedenen Generationen. Er beschreibt dies plastisch und spannend mit viel Atmosphäre und hohem Tempo. Zwischendurch gerät die Erinnerung gelegentlich etwas überladen, zu viele Personen tauchen in zu kurzen Sätzen auf, um unmittelbar wieder zu verschwinden; insgesamt handelt es sich in diesen Passagen aber um ein überdurchschnittlich gut geschriebenes Buch, das ich einen unsentimentalen, einen "kitschfreien Heimatroman" nennen möchte. Der aktuelle Handlungsstrang um die Situation des Erzählers Werner Zillich kann dieses Niveau aufgrund gewisser "Glaubwürdigkeitsschwächen" nach meiner Einschätzung nicht immer ganz halten.
In der Gesamtsicht überwiegen für mich die geschilderten positiven Eindrücke klar gegenüber den wenigen Einschränkungen, so dass ich hier durchaus vier Sterne vergeben und guten Gewissens eine Leseempfehlung aussprechen kann.