"Habsburgs verkaufte Töchter" bietet einen interessanten Einblick in das Leben von sechs Frauen, als Habsburgerinnen geboren, jung verheiratet und in der Geschichte vergessen wurden. Diese Frauen waren teils gepeinigt, teils diskriminiert, teils hochintelligent, teils hervorragende Regentinnen ... aber eines hatten sie alle gemeinsam: Sie wurden / werden gewaltig unterschätzt.
Thea Leitner hat hier kurze und doch ausführliche Biografien über folgende Habsburgerinnen verfasst:
Kunigunde, die aus rein politischen Vorteilen mit einem bayrischen Herzog veheiratet wurde, der keineswegs einer Kaiserstocher würdig war.
Margarethe, die dreimal verwitwet und kinderlos war; damit war ihr Schicksal als Frau eigentlich besiegelt, aber sie setzte sich mit Hilfe ihres Bruders in der Politik durch und regierte über Jahre auf eigene Faust die Niederlande. Margarethe entwickelte sich zu einem der besten Diplomaten, was sie nicht zuletzt ihrer hohen Intelligenz zu verdanken hatte.
Maria, die ihr Leben lang als "Mannsweib" galt und nach dem Tod ihres unfähigen, aber geliebten, Mannes, des Königs von Ungarn, die Zügel selbst in die Hand nahm und höchstpersönlich mit ihren Soldaten mitkämpfte.
Anna, die Mutter des geliebten, gefeierten und großartigen Königs von Frankreich, Ludwig XIV. Dass sie dem "Sonnenkönig" den Weg zu seiner erfolgreichen Herrschaft geebnet hat, unter widrigsten familiären und politischen Umständen, weiß fast niemand. Anna von Österreich war eine der stärksten und ehrgeizigsten Frauen, die hier behandelt werden.
Marie Karoline, eine Tochter Maria Theresias, die nach dem Tod ihrer beiden älteren Schwestern die dritte Verlobte und somit Frau Ferdinands von Neapel-Sizilien wurde. Ihm, einem hässlichen, grotesken Mann, der des Regierens nicht imstande war, gebar sie 18 Kinder und schaffte es trotz ihrer ständigen Schwangerschaften, die Zügel der Herrscherkutsche selbst in die Hand zu nehmen und allein gegen Napoleon anzukommen.
Leopoldine, Frau des brasilianischen Thronfolgers, die ihr Leben lang Diskriminierungen, Wutausbrüchhe ihres Mannes, Krankheiten und Schläge ertragen musste und schließlich im Alter von 29 Jahren im Kindsbett Erlösung fand.
Jede dieser Frauen wird von der Geburt bis zum Tod hin begleitet und man gewinnt Eindrücke, die man eigentlich nur Männern zutrauen würde.
Thea Leitner hat hier ein gelungenes Buch geschrieben, das für jedermann empfehlenswert ist.