Ach, was freut sich der Boulevard doch wieder, wenn sich ein Prinz Harry wieder einmal morgens um 4 nach einer durchzechten Nacht mit der falschen Dame in sein Auto begibt und dabei offensichtlich nur mühsam gegen die Folgen des Alkoholmissbrauchs ankämpfen kann? Und wie spannend ist es doch, die alte Verschwörungstheorie über den Tod von Lady Diana wieder und noch mal in anderer, natürlich aber reißerischer Form präsentiert zu bekommen? Geben wir es doch zu: Als Menschen lieben wir menschliche Schwächen, vor allem, wenn es die menschlichen Schwächen anderer sind und wir sie auf dem Präsentierteller vorgeführt bekommen. Und so haben die "Royals" doch auch heute eine wichtige Funktion: Sie sorgen für ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft. Denn die sind reich und wir sind arm. Aber eigentlich sind wir doch gar nicht so verschieden.
Christian Dickinger erweitert unsere Perspektive jetzt etwas und zeigt, dass es in der Geschichte noch ein paar Royals gab, die noch viel skurriler waren, als wir es aus dem 20. und 21. Jahrhundert kennen. Ein kleiner, unehelicher Seitensprung gehört da natürlich noch zu den völlig harmlosen Geschichten. Es muss schon mindestens Travestie sein, regelmäßiger Sex mit der Unterschicht oder auch Selbstmord. Auch seelische Grausamkeit und Erbkrankheiten sind im Angebot. Das alles wird gefördert durch die absurde Politik der Inzucht, die sich in der Familie Habsburg seit Jahrhunderten breit gemacht hat.
Das alles zeigt, dass durch Abschottung gegenüber anderen niemals eine Elite erhalten oder gar entstehen kann. Sonst aber hat man eigentlich nicht viel zu lernen hier, aber viel Spaß beim Lesen, denn das Buch ist gut und unterhaltsam geschrieben. Es lebe der Boulevard.