Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu Erst
Eigentlich schreibe ich meine Rezensionen beinahe fast immer unmittelbar im Anschluss, nachdem ich mir den Film oder auch die Serie angesehen habe. Diese deutsch/tschechisch/österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2010 bewegte mich aber derart, dass ich zunächst einige Tage brauchte, um das Gesehene wenigstens etwas verarbeiten zu können, bevor ich soweit war mich an das schreiben dieser Zeilen zu setzen.
Der Film basiert auf der Novelle "Habermanns Mühle" des in Tschechien sehr bekannten und beliebten Schriftstellers Josef Urban. Das Drehbuch für den Film schrieb Wolfgang Limmer, der neben vielen anderen mehr so auch für Produktionen wie den "Heimatgeschichten", "Pfarrer Braun" oder auch den "Polizeiruf 110" zur Feder griff. Der Film "Habermann" nimmt sich in der in ihn erzählten Geschichte dem Geschehen und Schicksal der Sudetendeutschen über den filmischen Zeitraum der Jahre von 1937 bis 1945 an. Noch heute sind die Ereignisse jener Tage während des Zweiten Weltkriegs und der danach, mit der Ausweisung von mehr als drei Millionen Menschen aus ihrer bisherigen Heimat, schmerzlicher Bestandteil vieler sehr persönlicher Lebenserinnerungen.
Eben auch weil das Thema der Sudetendeutschen ein noch immer so brisantes ist, empfinde ich es als äußerst beachtenswert, dass man sich mit diesem Film, zum allerersten Mal überhaupt in einer deutsch-tschechischen Zusammenarbeit, dieser Thematik annimmt. Dabei ist es Regisseur Juraj Herz gelungen, eine zugleich packende wie auch emotional ergreifende filmische Umsetzung der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte aufzuzeigen. Zu Recht erhielt der Film 2010 beim bayerischen Filmpreis Ehrungen für die beste Regie und für Mark Waschke als besten Darsteller.
Neben diesem in der Rolle des "August Habermann" überzeugen aber auch alle weiteren zu erlebenden Darsteller in bzw. bei dieser Produktion. Neben vielen anderen war es besonders Ben Becker, der mich hier als Sturmbannführer "Koslowski", abgrundböse und fies verkörpert und gespielt, überzeugte und begeisterte.
Die erzählte Geschichte in diesem sich im Gedächtnis einprägenden und einem nicht mehr loslassenden Film nimmt ihren Anfang in Zeiten voller Glück. Gerade erst hat der Mühlenbesitzer "August Habermann" die Liebe seines Lebens, die bildschöne "Jana" (Hannah Herzsprung), geheiratet. Die seit über vier Generationen im Familienbesitz befindliche und geführte Firma inmitten einer kleinen Gemeinde im Sudetenland läuft gut. Als sich auch noch Nachwuchs bei der jungen Familie Habermann ankündigt scheint das Glück perfekt. Aber mit dem Beschluss Deutschlands die Sudeten "heim ins Reich" zu holen und dem Eintreffen des perfiden Sturmbannführers "Koslowski" im Ort, ziehen dunkle Wolken am Himmel auf. Mit menschenverachtender und geradezu brutaler Effizienz geht "Koslowski" gegen Juden, Kommunisten und Andersdenkende vor. Habermann, der anfangs noch versucht sich unpolitisch zu verhalten, gerät immer mehr in einen Strudel politischer und hasserfüllter Ereignisse. Selbst sein jüngerer Bruder "Hans" (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) stellt sich gegen ihn als er sich von den Ideen des Nationalsozialismus anstecken lässt. Noch hofft August Habermann das große Geheimnis seiner Frau, die Halbjüdin ist, wahren zu können. Aber wie lange noch wird ihm das gelingen? Immer mehr gerät Habermann mit seinem Versuch sich aus allem herauszuhalten zwischen die Fronten. Für die Deutschen ist er ein "Tschechenfreund", für diese hingegen wird er immer mehr zum erklärten Feindbild des deutschen Besatzers.
Was mir bei der durch Regisseur Juraj Herz umgesetzten Art seiner Inszenierung außerordentlich gut gefiel ist seine objektive Distanz und Erzählweise mit der er die Geschichte erzählt. Ganz klar zeigt sich die Figur des Sturmbannführers "Koslowski" als das personifizierte Böse. Aber neben seiner Person lässt der Film dem Zuschauer den Raum, seine eigenen Wertungen zu anderen Personen zu fällen.
Gut und Böse gibt es auf beiden Seiten. Hier bekommt der Zuschauer keine vorgegebenen Lösungsvorschläge oder wird in eine Richtung gedrängt. Es ist wie es der Film in seinem Untertitel schon äußerst treffend beschreibt "Im Krieg stirbt die Unschuld zuerst".
Der Film kommt unter dem Vertrieb von "Lighthouse Home Entertainment" als DVD wie auch Blu ray zur Veröffentlichung. Sowohl DVD wie auch Blu ray können während der gesamten Laufzeit von in etwa 104 Minuten mit einem sehr gelungenen Bild in bester Qualität überzeugen. Dabei zeigt sich das Bild laut Cover von der DVD im Format 1:1,85 und bei der Blu ray als HDTV 1080 (1920x1080p 1.85:1). Die Einstellungen bei der Schärfe und im Kontrast sind sehr gut gesetzt und zeigen so, zusammen mit dem satten Schwarzanteil, viele Details in den zu sehenden Bildern. Die Farben zeigen sich natürlich und zum Teil, passend dem Genre und der emotionalen filmischen Stimmung, etwas distanziert kühl und erdig gehalten.
Sowohl bei der Blu ray wie auch der DVD-Veröffentlichung zeigen sich die Menüs übersichtlich und klar strukturiert. Unmittelbar nach Einlegen in den Player kann der Film zur Wiedergabe gestartet werden. Die "Szenenauswahl" bietet in einem sich separat öffnenden weiteren Fenster eine Kapitelanwahl. Über den Menüpunkt "Ton" werden die optional möglichen Einstellungen für den Audiobereich aufgezeigt. Die Extras sind bei Blu ray und DVD identisch. Ein in etwa 14 Minuten laufendes "Making of" bietet einen Blick hinter die Kulissen und lässt zahlreiche der Darsteller aber auch der Macher zu Wort kommen. Was ich hier sehr bedauere, ist, dass den tschechisch sprechenden Crewmitgliedern keine deutschen Untertitel zugedacht wurden. So erfährt man dann leider nicht, insofern man dieser Sprache nicht mächtig ist, was uns der Regisseur oder die verschiedenen anderen zu Wort kommenden tschechischen Mitgliedern dieser Produktion über selbige zu berichten haben. Ein weiteres sehr interessantes Extra ist, neben einigen Trailern zu weiteren Veröffentlichungen, das auf der DVD bzw. Blu ray abgelegte und speziell für den Schulunterricht erstellte Material zum Film.
Tonbewertung:
Wie schon beim Bild kann auch der zu Gehör kommende Ton sowohl von der DVD wie auch der Blu ray überzeugen. Während die DVD einen soliden deutschen Dolby Digital 2.0 und 5.1 Ton anbietet, ist es bei der Blu ray sogar einer im Format DTS-HD Master 5.1. Der Film bietet in sich viele Dialoge die hier stets gut verständlich wiedergegeben werden. Aber auch in Momenten, die nicht ruhig daherkommen, schafft es der Ton mit seinem gut ausgewogenen Mischungsverhältnis von wahrnehmbaren Höhen und Tiefen wie auch konstantem Volumen in sich für sich zu sprechen. Schade nur, dass sich Untertitel für Gehörlose oder eben auch Hörgeschädigte, auf keinem der beiden Datenträger finden lassen.
Gesamteindruck:
Mich hat dieser Film aufgewühlt und er beschäftigte mich noch Tage nachdem ich ihn gesehen hatte. Er hebt sich angenehm von vielen sich mit der Thematik des Zweiten Weltkriegs beschäftigenden anderen Produktionen ab. Allein schon die Tatsache, dass der hier vorliegende Spielfilm sich zum allerersten Male in einer deutsch- tschechischen Zusammenarbeit mit dem Thema der Sudentendeutschen auseinandersetzt, ist höchst beachtenswert. Neben einem einfach nur brillanten Ben Becker in der Rolle des sadistischen Sturmbannführers "Koslowski", überzeugen aber auch all die anderen hier zu erlebenden Darsteller und die ganz besondere den Zuschauer nicht polarisierende Art der Umsetzung der hier erzählten Geschichte durch den tschechischen Regisseur Juraj Herz. Darum an dieser Stelle von mir auch eine klare Empfehlung für diese Veröffentlichung der "Farbfilm Home Entertainment" unter dem Vertrieb der "Lighthouse Home Entertainment".